Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rechtssicherheit bei Anti-Terror-Bestimmungen

19.08.2008
Für global agierende Unternehmen soll der Status „Authorized Economic Operator“ einige Erleichterungen bei der Zollabwicklung bringen. Doch bevor dieser Status erteilt wird, müssen bestimmte Voraussetzungen geschaffen und Kriterien erfüllt werden.

Am 1. Januar 2008 wurde europaweit der Status Authorized Economic Operator (AEO, deutsch: ZWB) eingeführt. Dieser Status bringt für die betreffenden Unternehmen Vorteile bei der Zollabwicklung mit sich. Doch um den Status bei den Zollbehörden zu erlangen, müssen die Unternehmen bestimmte Kriterien erfüllen. Dies ist teilweise nur möglich, wenn das Unternehmen eine Atlas-Teilnehmer-Software und eine aktuelle Compliance-Lösung einsetzt. Trotz des Aufwands wird der Status jedoch in der deutschen Wirtschaft heute bereits als erstrebenswertes Zertifikat, das Wettbewerbsvorteile mit sich bringt, gehandelt.

Compliance-Software bedeutet Sicherheit auf Knopfdruck

So geht die Zollverwaltung davon aus, dass im Verlauf des Jahres 2008 noch mehrere zehntausend Anträge auf Erteilung des AEO-Status eingehen werden. Die Zollverwaltung unterscheidet drei verschiedene Arten des AEO: Der AEO C (Customs) berechtigt zu zollrechtlichen Vereinfachungen, der AEO S (Security) bringt Sicherheitserleichterungen mit sich und der AEO F (Full) kombiniert beide Bereiche. Voraussetzungen für die Verleihung des AEO-Status sind die bisherige Einhaltung der Zollvorschriften, ein leistungsfähiges Logistik- und Buchführungssystem und finanzielle Liquidität.

Für den AEO S und den AEO F wird darüber hinaus die Erfüllung definierter Sicherheitsrichtlinien gefordert. Zu diesen Sicherheitsmaßnahmen gehören unter anderem Zugangskontrollen für das Firmengelände, Vorkehrungen zur Verhinderung von Manipulation an der Ware sowie eine Sicherheitsüberprüfung von Kunden, Lieferanten und den eigenen Mitarbeitern, Zeitarbeitskräften und Praktikanten.

Die Sicherheitsüberprüfungen, die auf den EU-Verordnungen 2580/2001 und 881/2002 basieren, sind ein wesentliches Kriterium bei der Erteilung des AEO-Status. Denn die Zeiten, in denen es eine überschaubare Liste von Ländern gab, die von der Europäischen Union oder den Vereinten Nationen mit einem Boykott belegt wurden, sind lange vorbei. Heute sind die Sanktionslisten personen- und organisationsbezogene Dokumente.

Allein auf den Listen der EU und der USA stehen derzeit insgesamt mehr als 18 000 Personen und Organisationen aus allen Ländern der Welt – Deutschland und seine europäischen Nachbarländer eingeschlossen. Eine Überprüfung aller Geschäftskontakte ist deshalb unbedingt notwendig, auch wenn das Unternehmen nicht mit Krisengebieten Handel treibt.

Eine weitere Erschwernis im Hinblick auf die Compliance ist die Tatsache, dass viele Namen auf den Listen dem arabischen Sprachraum entstammen. Bei der Transkription der arabischen Namen in lateinische Schrift entstehen meist mehrere Schreibweisen. Das bedeutet, dass die gelisteten Namen nicht nur auf übereinstimmende Stammdaten, sondern auch auf ähnliche überprüft werden müssen. Noch komplexer werden die Compliance-Anforderungen dadurch, dass je nach Firmensitz des Geschäftspartners und je nach Ursprungsland der Waren andere Sanktionslisten gelten. Eine Überprüfung in diesem Rahmen ist deshalb ohne eine leistungsstarke und einfach zu aktualisierende Compliance-Software kaum noch möglich.

Absolute Rechtssicherheit durch den Software-Einsatz

Die Compliance-Software übernimmt die sichere und automatische Prüfung aller Geschäftskontakte und Mitarbeiter. Datengrundlage sind die jeweils aktuellste Ausgabe der EU-Listen, der Bank-of-England-Liste, der US-SDN-Sanktionsliste und der US-DPL-Sanktionsliste (beide USA) sowie die schweizerische SECO-Liste. Bei Inhouse-Lösungen werden die Aktualisierungen über eine Schnittstelle tagesaktuell vorgenommen. Bei webbasierten Anti-Terror-Systemen, wie zum Beispiel Zara-ATM, übernimmt der Anbieter die kontinuierliche Aktualisierung der Listen.

Um den Zeitaufwand für die Sicherheitsüberprüfungen weiter zu reduzieren, arbeitet die neuste Generation von Compliance-Software mit einem inkrementellen Abgleich. Nach einem ersten Komplettabgleich zwischen Sanktionslisten und dem Adressdatenbestand werden beim inkrementellen Abgleich nur noch Änderungen in den Sanktionslisten mit dem Datenbestand des Unternehmens oder Veränderungen im Datenbestand mit den kompletten Sanktionslisten verglichen. Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen bietet sich hier ein kostengünstiges webbasiertes System an.

Auch der AEO C setzt IT-gestützte Prozesse voraus – nämlich die Teilnahme am elektronischen Zollabwicklungsverfahren Atlas. In den vergangenen Jahren wurden sukzessive alle Zollverfahren auf papierlose Abläufe umgestellt. Seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht diese Entwicklung am 1. Juli 2009. Von diesem Zeitpunkt an wird für sämtliche Einfuhren und Ausfuhren die Abgabe einer Vorabanmeldung verpflichtend. Dem AEO werden bei der Überprüfung der Zollanmeldungen spürbare Erleichterungen eingeräumt. Aufgrund des höheren Ratings für die Zuverlässigkeit werden Transporte von AEOs seltener als andere den Zollkontrollen unterworfen. Kommt es dennoch zur Überprüfung einer Sendung, genießt der AEO Vorrang vor anderen Zollbeteiligten.

AEO-zertifizierte Unternehmen können Ort der Kontrollen wählen

So kann das AEO-zertifizierte Unternehmen beispielsweise den Ort der Kontrollen wählen. Generell ist die Anzahl der Datensätze, die Firmen mit AEO-Status pro Zollvorgang übermitteln, geringer als die anderer Unternehmen: Bei einer Ausfuhr zum Beispiel reduziert sich die Zahl der Datensätze von 23 auf elf. Im Bereich elektronische Zollabwicklung gibt es – ähnlich wie auch im Bereich Compliance – komfortable und weniger komfortable Software-Produkte. Bei der Auswahl einer Atlas-Teilnehmer-Software ist darauf zu achten, dass das System kontinuierlich vom Anbieter an die sich ändernde Gesetzeslage angepasst wird.

Auch hier können Unternehmen auf webbasierte Systeme zurückgreifen. Es ist jedoch wichtig, vor Vertragsabschluss den Funktionsumfang der Online-Version genau zu prüfen, da dieser bei vielen webbasierten Lösungen immer noch stark eingeschränkt ist. Eine Flatrate für eine solche Online-Version hilft zudem, die Kosten im Griff zu behalten, da bei anderen Kostenmodellen beispielsweise pro Anmeldung und pro Position ein bestimmter Betrag fällig wird.

Konkrete erste Schritte zur Beantragung des AEO-Status

Formulare für die Beantragung des AEO-Status stehen bereits unter www.zoll.de zum Download bereit. Die Anträge werden seit dem 1. Januar 2008 von den zuständigen Hauptzollämtern entgegengenommen. Außer dem Antragsformular müssen die Unternehmen einen Fragebogen zur Selbstbewertung ausfüllen. Zudem sollten dem Antrag – wenn vorhanden – ISO-Zertifikate, Wirtschaftsprüfungsberichte, Nachweise zur Zahlungsfähigkeit und weitere relevante Sachverständigengutachten beigefügt werden.

Nach Bewilligung regelmäßiges Monitoring der AEOs

Nach der Abgabe hat die Zollverwaltung bis zu 300 Tage lang Zeit, den Antrag zu prüfen, im Jahr 2010 reduziert sich diese Frist auf 90 Tage. Die Prüfung geschieht zum einen anhand der eingereichten Unterlagen, zum anderen aber auch aufgrund einer Begehung des Firmengeländes. Im Nachgang der Bewilligung findet ein regelmäßiges Monitoring der AEOs statt. Werden hierbei Unregelmäßigkeiten festgestellt, erfolgt eine Neubewertung und der AEO-Status wird gegebenenfalls vorübergehend ausgesetzt oder entzogen.

Dipl.-Finanzwirt Werner Tholl ist Geschäftsführer der Z-Net Systemhaus GmbH für Logistik, Transport sowie Zoll und Außenhandelsrecht in 65203 Wiesbaden.

Werner Tholl | MM MaschinenMarkt
Weitere Informationen:
http://www.maschinenmarkt.vogel.de/themenkanaele/mmlogistik/distribution/zollversicherungenaussenhandel/articles/140772/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Gewicht von Robomotion-Greifer um 60 Prozent reduziert
31.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht Assistenzsysteme für die Blechumformung
28.07.2017 | Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie