Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Moderner Leichtbau bietet Wachstumschancen für Automobilzulieferer

22.07.2008
Vor dem Hintergrund der aktuellen CO2-Diskussion sowie der stetigen Gewichtszunahme neuer Fahrzeuggenerationen bewegt sich das Wachstumspotenzial für Leichtbau und innovative Karosserie-Werkstoffe langfristig auf einem hohen Niveau. Die fragmentierte Anbieterstruktur aufseiten der Bauteile und Rohstoffe bietet den Automobilzulieferern gute Chancen, über „intelligente“ Neuprodukt- und Verfahrensentwicklungen ihren Marktanteil nachhaltig zu erhöhen.

Gewichtsersparnis ist aktuell nicht das einzige Argument für den automobilen Leichtbau. Insbesondere eine Funktionsintegration bei Bauteilen, die Designfreiheit sowie Komfort und Anmutung sind wesentliche Erfolgsfaktoren eines geeigneten Werkstoffes.

Die Anforderungen der Industrie an Karosserie-Leichtbauwerkstoffe und deren Einsatz in Bauteilen sind vielfältig: Rezyklierfähigkeit, Fußgängerschutz, Online-Lackierfähigkeit, Sicherheit sowie ein niedriges Gewicht bei kostengünstiger Produktion dominieren bei der Auswahl der geeigneten Lösung.

Weil der ideale „universell einsetzbare Leichtbauwerkstoff“ nicht existiert und das Wachstumspotenzial für Commodities nahezu ausgereizt ist, werden in Zukunft primär Composite-Werkstoffe, etwa im Rahmen von Hybridbauweisen, zum Einsatz kommen. Aktuell verwendete dominierende Werkstoffe im Karosseriebereich sind unter anderem PA, PC, PP, ABS, PBT, ASA, PET, PUR, sowie PC-, PA- und PPE-Blends.

... mehr zu:
»Automobilzulieferer »OEM

Für die Großserie ist es mit wenigen Ausnahmen noch nicht gelungen, den Einsatz von Faserverbundwerkstoffen und die damit verbundene Prozesskette wirtschaftlich zu gestalten. Insbesondere bei Stückzahlen größer 30000 bis 50000 Fahrzeugen im Jahr sind wirtschaftliche Lösungen notwendig. Über eine Marktpositionierung als Rohbau-, Verfahrens- und Werkstoff-spezialist liegen genau hier die Wachstumschancen für die Automobilzuliefererindustrie.

Deutsche Automobilhersteller setzen die Maßstäbe beim Einsatz von Leichtbauwerkstoffen

Die deutschen Automobilhersteller sind zweifellos Vorreiter in der wirtschaftlichen Anwendung von Leichtbauwerkstoffen. Diese Rolle erlaubt ihnen die Erhöhung von Komfort und Sicherheit ohne beim Gewicht und der Fahrzeugleistung gegenüber dem Wettbewerb Marktanteile zu verlieren. Audi setzt verstärkt auf Aluminium- und Space-Frame-Bauweisen, BMW forciert die Mischbauweise bei großflächigen Bauteilen (Türen und Seitenwände), Daimler forscht an der Weiterentwicklung von SMC- und CFK-Bauteilen und treibt ebenfalls das Thema Materialmix voran. Schließlich wird Porsche seine Leichtbau-Kompetenz mit CFK und hoch-/höherfeste Stähle demnächst wohl mit VW teilen.

Die Grenze der tolerierbaren Kosten in Abhängigkeit vom Fahrzeugsegment und der Bauteilposition im Fahrzeug pro eingespartem Kilogramm Masse lag vor zwei bis drei Jahren zwischen drei und fünf Euro. Aktuell darf man davon ausgehen, dass die OEM in den Volumensegmenten kurz- bis mittelfristig kaum noch „Mehrkosten“ hinnehmen werden.

Keine klare Zukunftsstrategie der OEM bei Karosserie-Werkstoffen

Sicher ist: Global betrachtet ist keine klare Strategie der OEM im Bereich der Karosserie-Werkstoffe erkennbar. Es bleibt abzuwarten, inwieweit sich Weiterentwicklungen von SMC, LFT/GMT, neuen Folientechnologien bis hin zu CFK und Naturfasern durchsetzen werden. Mittelfristig wird also der Stahleinsatz noch dominieren – hier gibt es in den Bereichen TWB, Hydroforming und High-Tensile-Stähle weitere Optimierungspotenziale.

Aluminium-Anwendungen finden sich bisher im Karosseriebereich primär in den Premiumsegmenten (Jaguar XJ, Audi A8, Lotus), wohingegen Faserverbundwerkstoffe derzeit nur sporadisch zur Anwendung im Exterieur-Bereich kommen.

Allerdings bietet die Ausweitung der Modellvarianten sowie die Modularisierung der Bauteile (Dachmodul/Türmodul/Heckklappenmodul) den Automobilzulieferen in Zukunft viele Möglichkeiten erfolgreich alternative Produktionsverfahren und Composite-Anwendungen zu entwickeln. Hierbei ist eine enge Zusammenarbeit von Werkzeug-/Maschinenherstellern, Rohstofflieferanten, Teileherstellern und OEM entlang der Supply Chain ein unverzichtbarer Bestandteil für einen nachhaltigen Erfolg von Composite-Serienanwendungen.

Dipl.-Ökonom Peter Nagel ist Geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensberatung ANP Management Consulting GmbH, Essen. Seine Beratungsschwerpunkte in der Automobilindustrie liegen in den Bereichen Strategie, Marketing Management, Benchmarking, Competitive Intelligence, und Marktforschung.

Peter Nagel | MM MaschinenMarkt
Weitere Informationen:
http://www.maschinenmarkt.vogel.de/themenkanaele/konstruktion/werkstoffe/articles/137456/

Weitere Berichte zu: Automobilzulieferer OEM

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Luftturbulenzen durch Flugzeuge bald beherrschbar
08.12.2017 | Universität Rostock

nachricht Ein MRT für Forscher im Maschinenbau
23.11.2017 | Universität Rostock

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Im Focus: Towards data storage at the single molecule level

The miniaturization of the current technology of storage media is hindered by fundamental limits of quantum mechanics. A new approach consists in using so-called spin-crossover molecules as the smallest possible storage unit. Similar to normal hard drives, these special molecules can save information via their magnetic state. A research team from Kiel University has now managed to successfully place a new class of spin-crossover molecules onto a surface and to improve the molecule’s storage capacity. The storage density of conventional hard drives could therefore theoretically be increased by more than one hundred fold. The study has been published in the scientific journal Nano Letters.

Over the past few years, the building blocks of storage media have gotten ever smaller. But further miniaturization of the current technology is hindered by...

Im Focus: Successful Mechanical Testing of Nanowires

With innovative experiments, researchers at the Helmholtz-Zentrums Geesthacht and the Technical University Hamburg unravel why tiny metallic structures are extremely strong

Light-weight and simultaneously strong – porous metallic nanomaterials promise interesting applications as, for instance, for future aeroplanes with enhanced...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Papstar entscheidet sich für tisoware

08.12.2017 | Unternehmensmeldung

Natürliches Radongas – zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs

08.12.2017 | Unternehmensmeldung

„Spionieren“ der versteckten Geometrie komplexer Netzwerke mit Hilfe von Maschinenintelligenz

08.12.2017 | Biowissenschaften Chemie