Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der mediale Hype um die Elektromobilität

11.01.2012
Wissenschaftler analysierten, wie das Thema in der Öffentlichkeit diskutiert wird

Seit 2007 gewinnt das Thema Elektromobilität zunehmend an Aufmerksamkeit. Es setzte ein regelrechter Hype um das Thema ein, der insbesondere an der Berichterstattung in den Zeitungen nachvollzogen werden kann. Dass vor über 15 Jahren eine ähnliche Debatte stattgefunden hat, wird in der aktuellen Diskussion kaum thematisiert. Obwohl der damalige Großversuch auf der Insel Rügen mit 60 Elektrofahrzeugen den bis dahin weltweit größten Feldversuch darstellte, endete der Diskurs ebenso plötzlich wie er entstanden war.

Welche Ereignisse und Rahmenbedingungen haben nun erneut einen medialen Hype hervorgerufen, und wie unterscheidet sich dieser von dem vorangegangenen in den 1990er-Jahren? Am TU-Fachgebiet Integrierte Verkehrsplanung von Prof. Dr.-Ing. Christine Ahrend untersuchten Forscher anhand von über 1000 recherchierten Artikeln aus fünf überregionalen Printmedien, wie sich der zeitgenössische Diskurs zum Thema Elektromobilität darstellt und welche Akteure dabei die entscheidenden Rollen einnehmen.

Im Vergleich der beiden Diskurse ergeben sich erstaunliche Gemeinsamkeiten. Eine Wirtschaftskrise als Auslöser, von der insbesondere die Automobilindustrie betroffen ist, der Einfluss des zeitgenössischen Umweltdiskurses und das Elektroauto als Fixpunkt, auf den sich alle beteiligten Akteure, unter anderen Politik und Wirtschaft, mehr oder weniger engagiert verständigen konnten. Damals wurde der Diskurs mit dem Hinweis auf den ungünstigen Strommix, auf dessen Grundlage das Elektroauto keinen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung geleistet hätte, abgebrochen. Demgegenüber zeichnet sich der aktuelle Elektromobilitätsdiskurs durch eine neue Qualität aus, da heute die erneuerbaren Energien einen anderen Stellenwert haben. Die politische Entscheidung für erneuerbare Energien könnte sich auch positiv auf die Entwicklung des Elektroverkehrs auswirken.

Welchen Beitrag leistet der mediale Diskurs jedoch für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung? Es herrscht die Überzeugung vor, dass die Elektromobilität grundsätzlich ein positiver Beitrag zur Verbesserung der Umwelt- und Lebensqualität ist. Demgegenüber zeigt die Diskursanalyse, dass die Diskussion derzeit von energie- und industriepolitischen Argumenten geprägt ist. Das Elektroauto wird damit als Teil einer technikorientierten Lösungsstrategie kommuniziert. Verkehrs- und umweltpolitische Überlegungen spielen bisher eine untergeordnete Rolle. Aus der Gegenüberstellung der beiden Elektromobilitätsdiskurse leiteten die TU-Wissenschaftler eine zentrale verkehrspolitische Einsicht ab: Das Elektroauto kann nur im Rahmen einer integrierten verkehrspolitischen Gesamtstrategie seine positiven Potenziale entfalten.

Die Diskursanalyse diente der gesamtgesellschaftlichen Einordnung des TU-Teilprojektes „Analyse Nutzerverhalten und Raumplanung regionale Infrastruktur“. Diese Forschungen finden im Rahmen des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderten Pilotprojektes „e-mobility – IKT-basierte Integration der Elektromobilität in die Netzsysteme der Zukunft“ statt.

Der Bericht mit dem Titel „Elektromobilität – Hoffnungsträger oder Luftschloss. Eine akteurszentrierte Diskursanalyse über die Elektromobilität 1990 bis 2010“ ist hier verfügbar: http://www.tu-berlin.de/ivp/e-mobility.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Dr. Oliver Schwedes, Fachgebiet Integrierte Verkehrsplanung, Institut für Land- und Seeverkehr der TU Berlin, Salzufer 17-19, 10587 Berlin, Tel.: 030/314-78767, E-Mail: oliver.schwedes@tu-berlin.de

Stefanie Terp | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de/ivp/e-mobility

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Mehr Wissenschafts-Enthusiasten als Desinteressierte in der Schweiz
05.02.2018 | Universität Zürich

nachricht Zwischen Filterblasen, ungleicher Sichtbarkeit und Transnationalität
06.12.2017 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics