Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Second Life als Flucht vorm realen Leben?

09.05.2007
Erste Befragung von Avataren durch Studenten der Handelshochschule Leipzig

In den letzten Jahren boomt die digitale Online-Welt, die es Nutzern ermöglicht, mittels 3D-Optik eine virtuelle Sphäre zu gestalten, in der gespielt, gehandelt oder auf vielfältigste Art kommuniziert wird.

Das seit 2003 online verfügbare System Second Life hat inzwischen mehr als sechs Millionen registrierte Nutzer. In einer Umfrage unter Leitung von Prof. Dr. Manfred Kirchgeorg und seiner wissenschaftlichen Mitarbeiterin Kathrin Jung haben Studenten der Handelshochschule Leipzig 90 Avatare in der Second Life-Welt interviewt. Das Hauptinteresse in der Befragung von durch reale Menschen erschaffene, grafisch aufbereitete Personen in der virtuellen Welt, lag in den Fragen: Ist die virtuelle Second Life-Welt noch schnelllebiger als die Realität? Wollen Menschen aus der realen Welt flüchten? Warum gehen sie ins Second Life? Was tun sie dort? Sind sie von ihrem realen Leben gelangweilt?

Internationale Befragung

... mehr zu:
»Avatar »Life »Second

Fast 30% der Befragten verbringen mehr als 20 Stunden pro Woche in der virtuellen Welt Second Life. Ihr Durchschnittsalter liegt bei 29 Jahren und unterscheidet sich damit nur geringfügig vom künstlichen Alter der Avatare, das bei 27,5 Jahren liegt. Meist behalten die Befragten ihr reales Alter auch in der virtuellen Welt bei. Wenn jedoch Unterschiede zu beobachten sind, zeigt sich, dass Männer sich leicht älter machen und weibliche Personen sich um einige Jahre verjüngen. Mehr als die Hälfte der Befragten verfügt über einen Hochschulabschluss, Insgesamt konnten 78% der Interviews mit ausländischen Avataren geführt werden. Dafür arbeiteten die Studenten oft nachts, um den Zeitunterschied zu überbrücken. Schließlich gaben Personen von 20 unterschiedlichen Ländern Antwort auf die vorbreiteten Fragen. Die meisten kommen aus Deutschland und den USA, gefolgt von Spanien und Frankreich.

Besonders spannend war die Frage nach der Persönlichkeit der Avatare. Werden diese ähnlich dem realen Charakter gestaltet oder haben sie völlig andere Merkmale? Hierbei zeigt sich ein geteiltes Antwortspektrum.

Ca. 19% der Befragten stellen sich in der virtuellen Welt so dar, wie es Ihren Träumen und Wünschen entspricht. Noch ein größerer Anteil gab an, sich im Second Life völlig anders darzustellen, darunter fallen Phantasiefiguren als auch völlig gegensätzliche und skurrile Figuren zur eigenen Person.

Motivation der Nutzer von Second Life

Diese Erkenntnisse korrespondieren sehr gut mit den Motivationsgründen für die Teilnahme an Second Life. Hierbei scheinen sich drei Gruppen herauszukristallisieren. Zum einen jene, die gern ihrem realen Leben entfliehen. Eine zweite Gruppe, die einfach gern mit anderen Leuten kommuniziert und für die Second Life spannende neue Funktionalitäten bietet. Zum Dritten scheint ein Teil der Personen, vornehmlich die Intension zu haben, zu den bisher wenigen erfolgreichen Geldverdienern in der virtuellen Welt gehören zu wollen. Gegenwärtig befindet sich dieser Motivationsgrund bei der Gesamtheit der interviewten Personen jedoch noch auf einen unteren Rangplatz.

Die meisten Interviewpartner geben an, dass sie in Second Life vor allem aktiv sind, um Menschen von überall aus der Welt kennenzulernen. Ein relativ hohes Gewicht fällt auch dem Ausleben der Kreativität in Second Life zu. Fast schein es, als sei es ein Spiel für Erwachsene.

Langeweile und das Vergessen der realen Welt ist für die meisten Befragten kein Beweggrund. Diesen Punkten wird insgesamt am wenigsten zugestimmt. Second Life ist sie eher eine sich entwickelnde faszinierende "Parallelwelt".

Zukünftig ist anzunehmen, dass mit der verbesserten Funktionalität des Systems sowie gestiegener technischer Voraussetzungen bei den Nutzern, die Anzahl an Second Life Bewohnern drastisch zunehmen wird. In der aktuellen Studie sind heute jedoch bereits 67% der Befragten zufrieden oder gar sehr zufrieden mit Second Life. Je länger sie jedoch im System sind und je mehr sie Erfahrungen mit der Nutzung machen, je höher sind ihre Erwartungen.

Second Life voll im Trend

Namhafte Firmen investieren bereits heute weit über 100.000 Euro, um ihren Second Life Auftritt zu kreieren. Auch von Privatpersonen ist zukünftig eine Second Life-Flut zu erwarten und damit wird dem Handel deutlich mehr Schwergewicht beigemessen werden als heute. Das ganze befindet sich sozusagen noch in den Kinderschuhen. Gegenwärtig, gibt ca. ein Fünftel der befragten Personen an, bisher noch nicht die durch reales Geld zu erwerbende virtuelle Währung `Linden Dollars? ausgegeben zu haben.

Auf die Frage, welche Marken die Befragten gern in Second Life sehen würden, herrschen erste wage Vorstellungen. Am meisten wurden bekannte Luxusmarken wie Chanel, Ferrari oder Mercedes angeführt. Häufig tauchten Unternehmen der Bekleidungsindustrie unter den Antworten auf.

Nun steht der nächste Schritt der Auswertung der ersten Studie der HHL im Second Life an. Es gilt nun, weiter ins Detail zu gehen. Wie unterscheiden sich Frauen und Männer in Bezug auf ihr Verhalten im Second Life? Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen denen, die Second Life mehr als 20 Stunden in der Woche nutzen und Nutzern, die sich dort nur gelegentlich aufhalten? Wird Second Life zu einer ernst zu nehmenden Parallelwelt avancieren oder ist das ganze lediglich eine temporäre Modeerscheinung? Die aktuellen Diskussionen zu diesem Thema können intensiver nicht sein - egal ob innerhalb der Lehre, Forschung oder Praxis.

Weitere Informationen:
HHL - Leipzig Graduate School of Management
Lehrstuhl Marketingmanagement
Frau Kathrin Jung
Jahnallee 59
D-04109 Leipzig
T: +49(0)341-9851-680
F: +49(0)341-9851-684
eMail: Kathrin.Jung@hhl.de

Volker Stößel | idw
Weitere Informationen:
http://www.hhl.de/marketing

Weitere Berichte zu: Avatar Life Second

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Soundbar reduziert Höranstrengung
25.10.2017 | Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT

nachricht Moderne Medientechnik im Atlasgebirge
17.08.2017 | Universität Siegen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spin-Strom aus Wärme: Neues Material für höhere Effizienz

20.11.2017 | Physik Astronomie

Satellitenbilder zur Erfassung von Biodiversität nur bedingt tauglich

20.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Fall aus dem Datenrettungslabor – USB Sticks mit fehlerhaften Angaben

20.11.2017 | Unternehmensmeldung