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Bild verdrängt Text: TV-Nachrichten immer unpolitischer

10.05.2006


Langzeitstudie sieht Trend zu "bunten" Themen quer durch alle Fernsehanbieter



Der verstärkte Trend zu "bunten" und oberflächlichen Themen lässt die Nachrichtensendungen im deutschen Fernsehen immer unpolitischer werden. Zu diesem eindeutigen Fazit kommt die neue Studie ("Der Wert von Nachrichten im deutschen Fernsehen") der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) in Düsseldorf, die als weitere zentrale Erkenntnis die übergeordnete Rolle der Faktoren Prominenz, Kontroversen und Aggression bei der Nachrichtenwahl herausgearbeitet hat. Zudem lasse sich ein Rückgang der klassischen Sprecher-Nachrichten mit hohem Personalisierungsgrad gerade im privaten Fernsehen konstatieren - beim Thema deutsche Innenpolitik sank dort beispielsweise der Anteil von 30 Prozent (1992) auf nur noch zwei Prozent (2004). Stattdessen setzen die kommerziellen TV-Anbieter von RTL bis ProSieben zunehmend auf die Präsentation von ausdrucksstarken Bildern.



Die auf zwölf Jahre von 1992 bis 2004 angelegte Langzeitanalyse von über 3.000 Fernsehnachrichten unter Leitung von Professor Dr. Georg Ruhrmann (Universität Jena) in Zusammenarbeit mit Professorin Dr. Michaela Maier (Landau) und unter Mitarbeit von Kathrin Klietsch (Stuttgart-Hohenheim) zeigt danach einen klaren Anstieg von unpolitischen Themen in der Berichterstattung - besonders stark übrigens bei SAT.1 und beim ZDF. So bestimmen immer häufiger die "Human Touch"-Meldungen oder Boulevard-Themen die Inhalte. Während bis 2001 die Entpolitisierung der Nachrichten nur die privaten Fernsehanbieter betraf, ist seitdem auch bei den öffentlich-rechtlichen Veranstaltern ein Anstieg von unpolitischen Themen zu verzeichnen. Insgesamt jedoch überwiegt im Gegensatz zu den privaten Programmen bei ARD und ZDF nach wie vor die politische Berichterstattung.

"Vor allem Emotionen und der Transport von Sensationen, Kontroversen und Konflikten diktieren immer öfter die Themenauswahl. Dabei stehen gerade Nachrichten natürlich besonders im Fokus, weil sie grundsätzlich als verlässlicher Part des wichtigen Informationsangebotes von Programmen gelten. Auch die dadurch mögliche Meinungsbildung wird erheblich beeinflusst", erläuterte Studienleiter Ruhrmann gegenüber pressetext. Auffällig sei außerdem, dass Nachrichten in bewegten Bildern in den vergangenen 15 Jahren die abgelesene Textmeldung deutlich überholt haben. Dank der nun vorliegenden Studie stehen den Sendern wie der interessierten Öffentlichkeit verlässliche Daten bereit, damit programmliche Trends erkannt und entsprechende Reaktionen darauf ausgelöst werden können.

Frank-Michael Rall | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.lfm.de

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