Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

UWE-1 soll das Internet weltraumtauglich machen

29.06.2005


Uni Würzburg realisiert ersten deutschen Pico-Satelliten

... mehr zu:
»Pico-Satellit »Satellit »Solarzelle »UWE »UWE-1

Premiere für Deutschland: UWE-1, der erste deutsche Pico-Satellit, hat erfolgreich seine Testkampagne überstanden und steht nun vor der Auslieferung an seinen Startplatz in Russland. Das Kürzel UWE steht für "Universität Würzburg Experimentalsatellit".
Einen Satelliten bauen, der kleiner als eine Milchtüte ist? Am Lehrstuhl für Technische Informatik der Uni Würzburg wurde dies im Team von Professor Klaus Schilling realisiert. Der gesamte UWE wiegt nur ein Kilogramm und hat die Form eines Würfels mit einer Seitenlänge von lediglich zehn Zentimetern. Er ist aber trotzdem ein kompletter Satellit. Dies wurde durch modernste Mikrotechnologie ermöglicht, und derartig kleine Satelliten bezeichnet man auch als Pico-Satelliten. Professor Schilling stellte das Projekt gemeinsam mit Universitätspräsident Axel Haase bei einem Pressegespräch vor.

Die Bodenkontrollstation des Satelliten befindet sich im Institut für Informatik der Uni Würzburg. Hier arbeiten die Wissenschaftler daran, die Methoden der Datenübertragung im Internet für Weltraumbedingungen fit zu machen. Auf der Erde funktioniert der Transport von Daten im WWW sehr zuverlässig, doch im Weltraum treten Verzögerungen und Störungen auf. Darum gilt es, die gängigen Internet-Protokolle an diese erschwerten Bedingungen anzupassen.

"Ziel soll es auch sein, den Satelliten vernünftig ins Erdnetz einzubinden", sagt Schilling. Aus diesem Grund ist die Würzburger Bodenkontrollstation über Standard-Internet mit weiteren Empfangsantennen in Stanford (USA) und Tokio vernetzt. So können die Forscher die von UWE empfangenen Daten über das "normale" Internet austauschen und weiterverarbeiten.

Durch die Vernetzung verlängern sie auch die Zeit, in der sie Kontakt zum Satelliten haben. Wenn UWE die Erde umkreist, vergehen mindestens 90 Minuten, bis er wieder über Würzburg auftaucht. Nur jeweils zehn Minuten lang können die Informatiker dann seine Daten direkt empfangen oder Steuerbefehle nach oben schicken. Die Internet-Verbindung mit Japan und den USA sorgt jedoch dafür, dass UWE auch dazwischen erreichbar bleibt.

Pico-Satelliten lassen sich schnell und kostengünstig in eine Umlaufbahn um die Erde bringen. Das eröffnet neue Anwendungsbereiche. Schilling kann sich zum Beispiel vorstellen, dass künftig einzelne Wissenschaftler oder Meteorologen ihre eigenen Satelliten im Weltraum haben. So könnten sie sich genau die Daten beschaffen, an denen sie interessiert sind.

Die UWE-1-Mission hat noch einen weiteren Auftrag: Der Würzburger Pico-Satellit trägt hoch effiziente Solarzellen, deren Haltbarkeit und Leistungsfähigkeit im Orbit untersucht werden sollen. Sie bestehen aus Galliumarsenid und liefern eine Energieausbeute von 28 Prozent. Herkömmliche Zellen aus Silicium schaffen dagegen nur 15 Prozent. Dieser Materialtest für die Industrie nützt auch den Wissenschaftlern: "Die Solarzellen versorgen den Satelliten mit Energie", sagt Schilling.

UWE-1 wurde im internationalen CubeSat-Programm entwickelt, initiiert von Professor Bob Twiggs aus Stanford. In diesem Netzwerk arbeiten weltweit 40 Universitäten an der Realisierung von Kleinsatelliten. Den Studierenden bietet das die Chance, in diesem internationalen Verbund Erfahrungen in der Weltraumtechnik zu sammeln. Am Bau von UWE-1 haben seit Ende 2003 in Würzburg unter anderem Studierende aus Deutschland, Kanada, Indonesien, Japan, Rumänien und Indien mitgewirkt.

Das Projekt UWE-1 wurde von zahlreichen Sponsoren gefördert, darunter die Europäische Raumfahrtagentur ESA, Noordwijk (Raketenstart), IABG (Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft mbH, Ottobrunn: Tests unter Weltraumbedingungen), RWE Solutions, Heilbronn (GaAs-Solarzellen), EADS Astrium GmbH, Ottobrunn/Friedrichshafen (Aufbringung der Solarzellen, Thermalanalysen).

Unterstützung kam auch aus Würzburg, und zwar durch Wölfel Beratende Ingenieure (Strukturanalysen), den Universitätsbund und den Technischen Betrieb der Universität. UWE-1 wird nach Plan am 25. August vom russischen Weltraumbahnhof Plesetsk aus mit einer Cosmos-Rakete in seine Umlaufbahn geschossen. Mit dabei sind ein japanischer und ein norwegischer Pico-Satellit sowie SSETI-Express - das ist ein Kleinsatellit, den Studenten im Rahmen der "ESA Student Space Exploration and Technology Initiative" gebaut haben.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Klaus Schilling, T (0931) 888-6647, E-Mail: schi@informatik.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Berichte zu: Pico-Satellit Satellit Solarzelle UWE UWE-1

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Virtuell und 360°: die Zukunft bewegter Bilder
04.10.2016 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Content-Marketing: In der Praxis angekommen - Studie zu Content-Marketing-Strategien
15.07.2016 | PFH Private Hochschule Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie