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Das Papp-Handy kommt - zu spät

07.06.2001

Sie sind billig und klein. Bestehen aus einer mit Schaltkreisen bedruckten Recyclingpappe mit Mikrofon und Ohrstöpsel: Handys zum Wegwerfen. Angeblich liegen den amerikanischen Herstellern bereits mehr als 100 Millionen Bestellungen vor. Doch sind die Einmal-Handys trotz Niedrigpreisen keine ernst zu nehmende Konkurrenz zu den marktbeherrschenden High End-Geräten, so die Einschätzung der Mummert + Partner Unternehmensberatung. Der Grund: Sie kommen zu spät, die Ansprüche der Verbraucher sind gestiegen. Bei modernen Mobile Commerce-Anwendungen beispielsweise gucken die Papp-Handy-Nutzer in die Röhre.

Auch wenn sie zu Weihnachten der neueste Kult sein könnten, avancieren die Wegwerf-Handys aus Pappe allenfalls zu Nebendarstellern auf dem Mobilfunkmarkt. Der Grund: Solange die Mobilfunkanbieter hochwertige Geräte subventionieren, entsteht kein Bedarf an technisch unterentwickelten Billig-Handys. Ein weiterer Grund für die Pleite der Papp-Telefone: Komplexe M-Commerce-Anwendungen funktionieren nicht auf dem Billig-Gerät. Hinzu kommt, dass der Besitzer lediglich telefonieren, aber nicht angerufen werden kann. Grundsätzlich geht der Trend zum zielgruppenspezifischen Mobiltelefon. Die kommende Handy-Generation wird auf die individuellen Bedürfnisse der Verbraucher abgestimmt sein. Will der eine mit dem Handy nur seine Termine verwalten, so braucht der andere das Gerät zum Surfen im Internet.

Die Wegwerfhandys werden daher nur ein Nischendasein fristen. Ein vorstellbarer Markt wäre aus Sicht der Mummert + Partner-Experten das Handy für den Notfall: Man verstaut es zum Beispiel im Auto oder hat es als Ersatz dabei, falls das eigentliche Gerät nicht funktioniert. Besonders für alte Menschen und Kinder wären die einfach zu bedienenden Mobiltelefone eine Alternative.

Auch regionale Marktunterschiede machen den Papp-Handy-Anbietern das Leben schwer. Während in den USA 60 Prozent der Bevölkerung immer noch kein Handy haben, telefonieren in Deutschland mittlerweile zwei von drei Bürgern mobil. Die Grundregel: Jenseits von 50 Prozent Marktdurchdringung wird es immer schwieriger, neue Kunden zu gewinnen. Eine Chance auf dem hiesigen Mobilfunkmarkt wird den Papp-Handys nur eingeräumt, wenn die Preise für technisch anspruchsvolle Handys beispielsweise durch geringere Subventionen deutlich weiter steigen. Die Wegwerf-Handys werden nach der Devise "möglichst billig" hergestellt.

Jörg Forthmann | ots
Weitere Informationen:
http://www.mummert.de.

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