Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

System imitiert Schwindel nach Raumflug

26.08.2010
Elektrostimulation für besseres Simulatortraining von Astronauten

Bei der Rückkehr auf die Erde nach einem Raumflug stellen sich bei Astronauten oft Schwindelgefühle ein, welche die Leistungsfähigkeit beeinflussen. Ein Forscherteam am National Space Biomedical Research Institute (NSBRI) hat nun ein System entwickelt, um eben diesen Effekt zu simulieren. Durch sogenannte "Galvanic Vestibular Stimulation" (GVS) gibt die Lösung elektrische Impulse an das Gleichgewichtsorgan im Ohr.

"Das GVS-System wird Missionssimulationen realistischer machen. Das ist sehr nützlich für das Astronautentraining, besonders bei Astronauten, die noch keinen Raumflug hinter sich haben", sagt Steven Moore vom Sensorimotor Adaptation Team des NSBRI. Denn da sich die Simulatorpiloten wie nach einem Raumflug fühlen, machen sie auch die damit verbundenen Fehler.

Gestörtes Gleichgewicht

Die Schwerelosigkeit stört das Gleichgewichtsempfinden von Astronauten, was sich gerade bei der Rückkehr auf die Erde bemerkbar macht. "Um diese negativen Effekte eines gestörten Gleichgewichtsorgans kennenzulernen, mag dieses System probat sein", meint Peter Weber vom Raumfahrtmanagement, Bemannte Raumfahrt, ISS und Exploration des Deutschen Zentrums fürr Luft- und Raumfahrt http://www.dlr.de , gegenüber pressetext. Allerdings glaubt er nicht, dass das System der Prävention dieser Effekte am Astronauten dienen kann.

Das GVS-System sendet über Elektroden hinter dem Ohr elektrische Impulse an den Gleichgewichtsnerv und somit das Gehirn. "Durch GVS-Stimualtion der Nerven glauben Simulatorpiloten, dass sich das Raumfahrzeug bewegt", sagt Moore. Dadurch stellen sich sensomotorische Störungen ein, die Tests zufolge tatsächlich jenen bei realen Shuttlelandungen entsprechen.

Das haben die Forscher am Vertical Motion Simulator des NASA Ames Research Center mithilfe von zwölf Testpiloten überprüft, darunter ein erfahrener Shuttlekommandant. Ohne GVS haben die Piloten dabei beispielsweise die idealen Landegeschwindigkeit von 204 Knoten gut getroffen. "Mit GVS hat die Durchschnittsgeschwindigkeit 210 Knoten aber erreicht, an der Obergrenze der Zielvorgabe", sagt Moore. Eben das ist von echten Schuttlelandungen bekannt.

Trainingsinstrument

Die NSBRI-Forscher sehen im GVS-System ein potenziell vielseitiges Trainingsinstrument. Wenngleich Shuttlelandungen als Testszenario gedient haben, sollte das auch für andere Raumfahrzeuge und Aufgaben wie Marslandungen gelten. Abseits der Raumfahrt soll auch die Ausbildung von Flugzeugpiloten profitieren. Zudem könnte das System Patienten mit Gleichgewichtsstörungen helfen, sich auf die Auswirkungen einer Operation vorzubereiten.

Thomas Pichler | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.nsbri.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Speiseröhrenkrebs einfacher erkennen
06.03.2017 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

nachricht Neues Labor für die Aufbautechnik von ultradünnen Mikrosystemen
21.02.2017 | Hahn-Schickard

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kontinentalrand mit Leckage

27.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das anwachsende Ende der Ordnung

27.03.2017 | Physik Astronomie

Einfluss der Sonne auf den Klimawandel erstmals beziffert

27.03.2017 | Geowissenschaften