Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Grand Prix d´Eurovision de la Chanson: Legenden und Fakten bei der Punktvergabe

10.05.2002


Statistische Analyse von Psychologen der Justus-Liebig-Universität Gießen für die Jahre 1993 bis 2001

Alle Jahre wieder freuen sich Schlagerfreunde Europa-weit auf den "Grand Prix d´Eurovision de la Chanson", der auch in diesem Jahr wieder Ende Mai in der estnischen Hauptstadt Tallinn stattfindet. Der "Grand Prix d´Eurovision de la Chanson" ist ein Musikwettbewerb, an dem zahlreiche europäische Länder teilnehmen. Psychologen an der Justus-Liebig-Universität Gießen wollten kürzlich herausfinden, ob für den Erfolg der Teilnehmerinnen und Teilnehmer "nur" die Bewertung ihres jeweiligen Liedes entscheidend ist oder ob dabei auch andere Faktoren eine Rolle spielen.

In jedem Jahr werden im Wettbewerb von den einzelnen Ländern unterschiedliche Lieder vorgestellt. Im Gegensatz hierzu bleiben andere Faktoren - wie Kultur, Politik oder geographische Lage - über die Jahre relativ konstant. Wenn für die Punktvergabe aber nicht die Bewertung der Lieder sondern letztgenannte Faktoren entscheidend wären, müssten sich über mehrere Jahre bestimmte Punktvergabemuster ergeben. (Zur Erinnerung: Die Ermittlung des Siegerbeitrages erfolgt durch ein Punktsystem. Jedes Land kann einem anderen Land entweder 12, 10, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2 oder einen Punkt geben. Nachdem alle Länder ihr Votum abgegeben haben, wird für jedes Land die Punktsumme bestimmt. Das Land mit der höchsten Punktsumme gewinnt.)

Die Punktmatrizen aus den Jahren 1993 bis 2001 wurden nun mit unterschiedlichen statistischen Verfahren untersucht. Eines hiervon war die sogenannte "Multidimensionale Skalierung". Die Idee des Verfahrens lässt sich vereinfacht wie folgt darstellen: Wenn ein Land einem anderen maximale Punktzahl (12 Punkte) gibt, spricht dies für eine maximale Nähe zwischen beiden Ländern; wenn keine Punkte vergeben werden, für maximale Entfernung. Aufgrund dieser Angaben wurde versucht, die Landkarte Europas zu rekonstruieren. Wenn man beispielsweise eine Entfernungstabelle in Kilometern zwischen Städten aus einem Autoatlas in dieser Weise analysiert, erhält man auf diese Weise eine "Landkarte" mit der ungefähren Position der Städte.

Die Ergebnisse der Untersuchung:
- Zwischen der "Grand-Prix"-Landkarte und der realen Landkarte Europas gibt es erhebliche Abweichungen.
- Eine systematische Bevorzugung gibt es nur innerhalb der Skandinavischen Länder (inklusive Estland), nicht aber beispielsweise zwischen der Türkei und Deutschland.

Unter psychologischen Gesichtspunkten ist es natürlich interessant zu fragen, warum trotzdem oft behauptet wird, dass beispielsweise Österreich Deutschland immer wenig Punkte gebe oder Deutschland der Türkei immer viele Punkte. Eine wahrscheinliche Erklärung: Einzelereignisse aus einigen Jahren bleiben der Grand Prix-Fangemeinde in Erinnerung. Deutschland hat beispielsweise nach 1992 in der Tat ein einziges Mal an ein Land 12 Punkte vergeben und von diesem auch 12 Punkte bekommen, nämlich der Türkei im Jahr 1999. Aufgrund einer derartig bemerkenswerten Punktevergabe kann man jedoch nicht allgemein auf das Abstimmungsverhalten bei zukünftigen Wettbewerben schließen.

Dies sollte nach Ansicht der Forscher bedacht werden, wenn in Kürze anlässlich des Wettbewerbs wieder eine Legendenbildung beginnt ...Projektleiter war Dr. Günter Molz, die statistischen Analysen führte der Student Bastian Stippekohl durch, der auch in diesem Rahmen seine Semesterarbeit angefertigt hat.

Kontakt:

Dr. Günter Molz
Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaft
Abt. Methodik
Otto-Behaghel-Str. 10F
35394 Gießen
Tel.: 0641/99-2 6122/99-26121
Fax: 0641/99-2 6139 
guenter.molz@psychol
.

Christel Lauterbach | idw

Weitere Berichte zu: Prix Psychologe Punktvergabe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Blick unter den Gletscher
12.06.2017 | Universität Bern

nachricht ROBOLAB generiert neue Forschungsansätze und Kooperationen
08.05.2017 | Hochschule Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften