Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Präzisionsgesteuerte Zellwanderung

07.03.2002


Präzisionsgesteuerte Zellwanderung
Botenstoffe des Immunsystems als Quartiermeister

Die Schlagkraft des Immunsystems hängt entscheidend von der Mobilität und Lernfähigkeit der Abwehrzellen ab. Treibende Kraft dabei sind Botenstoffe des Immunsystems, so genannte Chemokine. Sie locken Immunzellen (T- und B-Lymphozyten) zu einem Infektions- oder Entzündungsort. Sie weisen ihnen aber auch den Weg zu ihren Ausbildungsstätten in den Lymphorganen, den T- und B-Zell-Zonen, wo sie lernen, Erreger zu erkennen und zu vernichten. Jetzt konnten Wissenschaftler in den USA gemeinsam mit PD Dr. Martin Lipp (Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, MDC, Berlin-Buch in der Helmholtz-Gemeinschaft) zeigen, dass die Botenstoffe nicht nur als Wegweiser und Ausbilder fungieren, sondern auch als Quartiermeister. Sie legen fest, welche Immunzelle zu welchem Zeitpunkt in welche Ausbildungszone gelangt. Die Arbeit von Dr. Karin Reif, Eric Ekland und Dr. Jason Cyster (Howard Hughes Medical Institute und Universität von Kalifornien, San Francisco/USA), Dr. Lipp sowie Prof. Reinhold Förster (Universität Erlangen) und Dr. Hideki Nakano (Toho Universität, Tokyo/Japan) ist jetzt in der Zeitschrift Nature (Volume 416, Number 6876, pp 94-99) * erschienen.

Chemokine sind von körpereigenen Zellen gebildete Signalstoffe. Ihre Bildung wird aktiviert von verschiedenen Faktoren, unter anderem von dem Genregulationsfaktor NF-kappaB. Solche Faktoren senden zum Beispiel bei Virusinfektionen oder Entzündungsprozessen, Signale aus. Immunzellen können diese Signale mit speziellen Antennen, den Chemokin-Rezeptoren empfangen und sich damit den richtigen Weg zeigen lassen. Dr. Lipp und seine Mitarbeiter hatten vor wenigen Jahren als erste einen Chemokin-Rezeptor auf B-Lymphozyten nachweisen können, der das zielgerichtete Wanderverhalten von Immunzellen in die B-Zell-Zonen und Keimzentren steuert.

Lymphozyten gehen aus dem Knochenmark hervor und werden in zwei große Gruppen unterteilt: die T-Lymphozyten - so benannt nach einem kleinen über dem Herzen liegenden Organ, in dem sie heranreifen, der Thymusdrüse - und die B-Lymphoyzten (B-Zellen), die sich im Knochenmark entwickeln. Die herangereiften B- und T-Zellen sind jedoch noch nicht voll funktionstüchtig. Sie müssen erst auf Wanderschaft gehen und in verschiedenen Stationen - zum Beispiel in der Milz und in den Lymphknoten - ein Ausbildungsprogramm absolvieren. Dort treffen sie auf bereits von anderen Immunzellen dingfest gemachte Erreger, die quasi zur Fahndung ausgeschrieben sind und deren Merkmale sich die B- und T-Zellen einprägen müssen.

T- und B-Zell-Zonen in den Lymphorganen
Dies geschieht in den T-Zell- und B-Zell-Zonen der Lymphknoten und Milz sowie in den so genannten Keimzentren, die sich innerhalb der B-Zell-Zone entwickeln. Dort reifen die Lymphozyten aus und werden für ihre Aufgabe bei der Immunabwehr fit gemacht. In den Keimzentren werden die B-Zellen beispielsweise so geschult, dass sie nicht nur hochaktive Antikörper zur Bekämpfung von Erregern produzieren, sondern auch ihr "immunologisches Gedächtnis" ausbilden. In den Lymphorganen tauschen sie zudem Informationen über Eindringlinge aus, um eine Armada spezialisierter Zellen für deren Bekämpfung zu mobilisieren. Dieses fein ausbalancierte Zusammenspiel zwischen benachbarten Territorien wird durch Chemokine und ihre Rezeptoren gesteuert und ist mitentscheidend für ein funktionierendes Immunsystem. Kann dieses Zusammentreffen nicht stattfinden, etwa weil die Immunzellen den Weg zu den "Informationszentralen" innerhalb der T-Zell oder B-Zell-Zone nicht finden, ist die Immunantwort des Körpers gestört.


*Responsiveness to chemoattractants from adjacent microenvironments determines B-cell position
Karin Reif* , Eric H. Ekland* , Lars Ohl, Reinhold Förster , Hideki Nakano$, Martin Lipp§, and Jason Cyster*
*Howard Hughes Medical Institute and Department of Microbiology and Immunology, University of California San Francisco, 513 Parnassus Ave., San Francisco, CA 94143-0414, USA; §Molecular Tumorgenetics and Immunogenetics, Max-Delbrück-Center for Molecular Medicine, MDC, 13092 Berlin, Germany; $Department of Immunology, Toho University School of Medicine, Ota-Ku, Tokyo 143-8540, Japan, ; University Clinic for Surgery, Nikolaus-Fiebiger-Center, 91054 Erlangen, Germany

Weitere Informationen erhalten Sie von der Pressestelle des
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
Barbara Bachtler
Robert-Rössle-Strasse 10; 13125 Berlin
Tel.: 0049/30/94 06 - 38 96; Fax: 0049/30/94 06 - 38 33
E-Mail: presse@mdc-berlin.de

Barbara Bachtler | idw
Weitere Informationen:
http://www.mdc-berlin.de

Weitere Berichte zu: B-Zell-Zone Immunsystem Immunzelle Keimzentren T-Zelle Zellwanderung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht ROBOLAB generiert neue Forschungsansätze und Kooperationen
08.05.2017 | Hochschule Mainz

nachricht Wie Coronaviren Zellen umprogrammieren
28.04.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Detaillierter Blick auf molekularen Gifttransporter

Transportproteine in unseren Körperzellen schützen uns vor gewissen Vergiftungen. Forschende der ETH Zürich und der Universität Basel haben nun die hochaufgelöste dreidimensionale Struktur eines bedeutenden menschlichen Transportproteins aufgeklärt. Langfristig könnte dies helfen, neue Medikamente zu entwickeln.

Fast alle Lebewesen haben im Lauf der Evolution Mechanismen entwickelt, um Giftstoffe, die ins Innere ihrer Zellen gelangt sind, wieder loszuwerden: In der...

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Center Smart Materials CeSMa erhält SilverStar Förderpreis 2017 für innovativen Druckmessstrumpf

30.05.2017 | Förderungen Preise

Alternative Nutzung von Biogasanlagen – Wachse aus Biogas für die Kosmetikindustrie

30.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Detaillierter Blick auf molekularen Gifttransporter

30.05.2017 | Biowissenschaften Chemie