Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ökologischer und kultureller Wandel in West- und Zentralafrika im Fokus der Wissenschaft

24.07.2003


DFG-Forschergruppe an der Universität Frankfurt eingerichtet



Das Programm der Forschergruppe ist auf den Zeitraum zwischen 2.000 v. Chr. und der Zeitenwende fokussiert. Weite Gebiete Afrikas haben sich in dieser Zeit kulturell und ökologisch tiefgreifend verändert. Mit diesen Umgestaltungen, die auf entscheidende Weise den Weg Afrikas in die Neuzeit beeinflusst haben, werden sich die Forschungen in den kommenden Jahren beschäftigen.

... mehr zu:
»Regenwald »Sahelzone »Zeitenwende


Im Mittelpunkt der geplanten kulturwissenschaftlichen Forschungen steht der Übergang von einer Jäger- und Sammlerkultur hin zu bäuerlich-pastoralen Gemeinschaften mit produzierender Wirtschaftsweise. Er bildet eine tiefe Zäsur in der Menschheitsgeschichte, denn wo immer er sich in den letzten Jahrtausenden auf der Erde einstellte, löste er folgenreiche Entwicklungen aus.

Auffälligstes Kennzeichen im sub-saharischen Afrika ist das späte Auftreten dieses kulturellen Wandels ab etwa 2000 v. Chr. - im Gegensatz zu bis 10.000 v. Chr. in Vorderasien. Die regionalen Fallstudien konzentrieren sich zunächst auf die Sahelzone Nordost-Nigerias und den Rand des tropischen Regenwaldes in Süd-Kamerun. Sie gründen in Teilen auf den Ergebnissen des im vergangenen Jahr ausgelaufenen Sonderforschungsbereichs 268 (’Westafrikanischen Savanne’); eine räumliche Verlagerung und ein Ausbau des Projektes ist in einer zweiten Phase vorgesehen. Ausgangspunkt in Nordost-Nigeria ist insbesondere das 1. Jahrtausend v. Chr., das mit seinen turbulenten Kulturentwicklungen eine zentrale Rolle spielt. Parallel mit den Umbrüchen, die sich im 2. und 1. Jahrtausend v. Chr. in der Sahelzone ereigneten, wanderten in größerem Umfang Bevölkerungsgruppen in den Regenwald ein. Welche Rolle die Entwicklung in der Sahelzone dabei spielte, ist noch weitgehend unbekannt. Dies liegt daran, dass es bislang noch keine entsprechend koordinierte Forschung gab.

Die kulturellen Umbrüche in den beiden vorchristlichen Jahrtausenden erfolgen in einem auffälligen Gleichtakt mit Klimaschwankungen. Es gibt Hinweise, dass Trockenphasen in dieser Zeit zum Verschwinden der meisten permanenten Gewässer in der Sahara und im Sahel sowie zum teilweisen Zusammenbruch des Regenwald-Ökosystems geführt haben. Die Belege hierfür sind noch sehr lückenhaft und sollen mit entsprechenden Daten unterfüttert werden. Die Arbeitsregionen liegen günstig in den ökologischen Übergangszonen Sahara/Sahel und Savanne/Regenwald, die sensibel auf Klimaänderungen reagieren.

Ziel der beteiligten Disziplinen ist eine gleichermaßen feine zeitliche Auflösung der kulturellen Entwicklung und der Klimaereignisse. Auf dieser Grundlage kann der zentrale interdisziplinäre Ansatz der Forschergruppe erörtert werden. Dabei geht es um die Frage, ob es in der Zeit von 2000 v. Chr. und der Zeitenwende einen Zusammenhang gab zwischen den Änderungen des Klimas und der Landschaft auf der einen und den kulturellen Umbrüchen und Innovationen auf der anderen Seite. Aufgrund der großräumigen Perspektive (Sahel bis Regenwald) und der vermuteten Bedeutung des Raumes für die weitere Entwicklung bis nach Südafrika darf man dem Ergebnis eine panafrikanische Relevanz beimessen.

An der Forschergruppe, deren Einrichtung an der Universität Frankfurt die DFG am 1. Juli beschlossen hat, sind folgende Institute beteiligt: Von der Universität Frankfurt das Institut für Physische Geographie, Prof. Jürgen Runge, sowie die Archäologie und Archäobotanik Afrikas des Seminars für Vor- und Frühgeschichte, Prof. Peter Breunig und PD Katharina Neumann. Von der Eberhard-Karls-Universität Tübingen das Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Prof. Manfred Eggert. Hinzu kommen afrikanische Partner und Institutionen, mit denen die Forschergruppe aufs Engste kooperiert. Für die Afrikaforschung an der Universität Frankfurt bedeutet das Projekt eine Fortsetzung der im SFB 268 über 15 Jahre lang erfolgreich praktizierten interdisziplinären Forschung. Sie soll auch auf andere Weise fortgesetzt werden: Nahezu alle Frankfurter Afrikaforscher aus sieben Fachbereichen haben sich gerade darauf verständigt, ein ’Zentrum für Interdisziplinäre Afrikaforschung’ (ZIAF) zu gründen.

Kontakt:

Prof. Peter Breunig
Archäologie und Archäobotanik
Campus Westend
Tel.: 069 - 798-32094, Fax: -32121
E-Mail: breunig@em.uni-frankfurt.de

Dr. Ralf Breyer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-frankfurt.de

Weitere Berichte zu: Regenwald Sahelzone Zeitenwende

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Innovation: Optische Technologien verändern die Welt
01.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht SeaArt-Projekt startet mit Feldversuchen an Nord- und Ostsee
18.11.2016 | Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops