Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Duftende Teddybären - Textilien als Speicher für Gerüche und Parfums

28.03.2001


Gardinen, die Zigarettengestank einsperren, und Kleidung, die Schweiß schluckt - seit kurzem sind Textilien auf dem Markt, die der Kunde mit Gerüchen "beladen" kann, die aber auch auf Wunsch Düfte freisetzen.
Wissenschaftler vom Deutschen Textilforschungszentrum Nord-West in Krefeld entwickelten im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen "Otto von Guericke" (AiF) diese neue Art der Stoffveredelung, die es auch schon für Teddybären gibt.

Grundlage für das innovative Verfahren aus der industriellen Gemeinschaftsforschung sind Cyclodextrine - ringförmige Zuckermoleküle, die beim Abbau des Naturproduktes Stärke mit Hilfe von Enzymen gewonnen werden. Die Substanz ist biologisch abbaubar und völlig ungiftig. Auf Textilien aus Natur- und Kunstfasern kann Cyclodextrin dauerhaft verankert werden. Die einzelnen Moleküle haben die Form von winzigen Bechern ohne Boden. Sie können Substanzen aufnehmen, die eine Abneigung gegen Wasser haben, beispielsweise leicht flüchtige Duftstoffe. Diese hydrophoben Substanzen werden erst dann freigesetzt, wenn sie von Wassermolekülen verdrängt werden. Schon geringste Mengen Hautschweiß reichen aus, um die Duftstoffe zu aktivieren. Während die Cyclodextrin-Moleküle ihre Parfums abgeben, schließen sie gleichzeitig den Schweiß ein, bevor er seinen unangenehmen Geruch verbreitet. Bei der nächsten Wäsche werden die winzigen Becher vollständig entleert und können, beispielsweise per Duftspray, wieder gefüllt werden.

Besonders mittelständische Unternehmen der Textilindustrie profitieren von diesen Forschungsergebnissen der Gemeinschaftsforschung. Die F. W. Brinkmann-Gruppe aus Herford bietet unter dem Namen bugatti eine erste Kollektion für Herrenoberbekleidung mit den feuchtigkeitssensiblen Molekülen an. Zigarettenrauch und Essensdünste, die sich beispielsweise während eines Kneipenbesuchs leicht im Gewebe verfangen, werden sicher eingeschlossen und dringen erst beim Waschen wieder nach außen. Und weil Cyclodextrin auch Schweiß aufnimmt, kann er Bakterien nicht als Nährboden dienen. Auch Dekorationsstoffe sind mit den winzigen Geruchsspeichern ausgerüstet. Vorhänge und Gardinen der Firma Indes aus Gummersbach schlucken Gerüche - besonders in Hotels und Gaststätten, aber auch im privaten Haushalt verbessert dies die Wohnatmosphäre. In umgekehrter Weise nutzt die Firma Bärenwelt aus Moers das Verfahren für ihre textilen Spielzeuge: Die Felle der Teddybären können, beispielsweise bei Erkältungskrankheiten, ätherische Öle freisetzen und die Heilung des Kindes fördern, wenn es seinen Liebling an sich drückt.

Den Stoff für diese "intelligenten" Textilien liefert die Firma Führen Tuche, eine Tochter der Becker-Gruppe aus Aachen. Es hat die im Krefelder Labor erarbeitete Technik für die Massenproduktion weiterentwickelt und vertreibt veredelte Stoffe unter dem Werbemotto "Smell Off". Auch einer der weltweit größten Produzenten von Cyclodextrin ist in Deutschland beheimatet: die Firma Wacker-Chemie aus Burghausen. Cyclodextrin findet bereits Verwendung als Geruchsabsorber in Haushalts- und Hygieneprodukten und als Stabilisator in Arzneimitteln und Kosmetika.

Die Krefelder Forscher sind überzeugt, dass das innovative Verfahren zahlreiche weitere Anwendungsmöglichkeiten eröffnet: In Zukunft könnten Unterwäsche, Sportbekleidung, Socken und Schuheinlagen unangenehmen Schweißgeruch verhindern. Denkbar sind Krankenhaus-Textilien mit keimtötenden Substanzen ebenso wie Moskitonetze mit Insekten abweisenden Mitteln. Cyclodextrin könnte auch als Depot für pharmazeutische Wirksubstanzen dienen und beispielsweise einem Patienten mit einer großflächigen Hauterkrankung das stundenlange Liegen in einem Salbenbett ersparen - indem er medizinische Unterwäsche trägt.

Ansprechpartner:
Dr. Hans-Jürgen Buschmann, Deutsches Textilforschungszentrum Nord-West e.V. in Krefeld, Telefon: (0 21 51) 8 43 - 2 10
Tanja Bobel, F. W. Brinkmann-Gruppe in Herford,
Telefon (0 52 21) 8 84 - 1 27
Georg Hünnemeyer, Indes Wohntextil GmbH in Gummersbach,
Telefon: (0 22 61) 80 58 - 7 00
Frank Grenzel, Bärenwelt Teddybär Idee & Service GmbH in
Moers, Telefon (0 28 41) 13 11
Thomas Osterloh, Führen Tuche GmbH in Aachen, Telefon
(02 41) 52 97 - 4 10
Dr. Jens-Peter Moldenhauer, Wacker-Chemie GmbH in
Burghausen, Telefon (0 86 77) 83 - 19 69

Pressearbeit: AiF, Silvia Behr, Bayenthalgürtel 23,
50968 Köln, Telefon: (02 21) 3 76 80-55,
Fax: (02 21) 3 76 80-27,
E-Mail: presse@aif.de,
Internet: www.aif.de

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Silvia Behr |

Weitere Berichte zu: Cyclodextrin Gerüche Parfum Schweiß Teddybär Textil

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Wie Coronaviren Zellen umprogrammieren
28.04.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

nachricht Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden
26.04.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie