Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Forschung wird jünger

26.03.2001


Alle reden von der Juniorprofessur - die VolkswagenStiftung schafft die Voraussetzungen

8:0 für die Forschung. Einladung zur Vorstellung der Leiterinnen und Leiter der acht Berliner Nachwuchsgruppen am 18. April im Magnus-Haus

Was ist modern? Das deutsche Hochschuldienstrecht sicher nicht. Seit einiger Zeit steht es, wie die deutsche Universität an sich, unter Reformdruck. Einer der Kritikpunkte: Wissenschaftler erlangen zu spät wissenschaftliche Selbstständigkeit. Das durchschnittliche Berufungsalter für eine Professur liegt bei 42 Jahren; bis zu 14 Prozent aller in Deutschland promovierten Nachwuchswissenschaftler, so wird geschätzt, wandern dauerhaft in die USA ab, weil sie dort unabhängiger forschen können. "Zur längst überfälligen Modernisierung der Hochschulen gehört folglich auch, dass junge Wissenschaftler früher die Möglichkeit erhalten, eigenverantwortlich arbeiten zu können", fordert Dr. Wilhelm Krull, Generalsekretär der VolkswagenStiftung.

Hier einen Innovationsschub zu leisten, hat die VolkswagenStiftung bereits 1996 ihr Programm "Nachwuchsgruppen an Universitäten" eingerichtet. Es gibt jungen, besonders qualifizierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Chance, fünf Jahre lang eigenständig und selbstverantwortlich ihre Forschungen voranzutreiben. Und das unabhängig von den aus dem vergangenen Jahrhundert stammenden Strukturen an deutschen Hochschulen und befreit von den persönlichen und wissenschaftlichen Zwängen, die mit der Habilitation als bislang üblichem Verfahren zur Qualifizierung für eine Professur nur allzu oft verbunden sind. Das Besondere an dem Programm: Die jungen Wissenschaftler können sich mit ihrer Forschungsidee selbst um eine Aufnahme in das Programm bewerben.

Inzwischen hat die VolkswagenStiftung bundesweit 40 Nachwuchsgruppen mit insgesamt rund 80 Millionen Mark an den Start gebracht. Besonders erfolgreich im Wettbewerb um die besten Ideen und Köpfe sind die Berliner Hochschulen. Acht Gruppen nahmen dort inzwischen die Arbeit auf:

Wir möchten Ihnen die Arbeit der Berliner Nachwuchsgruppen ebenso wie die Ideen und Ziele, die hinter diesem speziellen Förderengagement der Stiftung stehen, am Mittwoch, den 18. April 2001 ab 11.15 Uhr im Berliner Magnus-Haus, Am Kupfergraben 7, vorstellen bei der Veranstaltung "8:0 für die Forschung - Berliner Nachwuchsgruppen in der Offensive".

Dort haben Sie Gelegenheit zu Gesprächen mit dem Generalsekretär der VolkswagenStiftung, Dr. Wilhelm Krull, den Präsidenten bzw. Vizepräsidenten der Berliner Hochschulen und den Leitern der Nachwuchsgruppen.

Das beiliegende Programm informiert Sie über den genauen Ablauf. Gesondert hinweisen möchten wir Sie vor allem auf die Vorstellung der beiden neuen Berliner Gruppen, beginnend um 16 Uhr mit einem Grußwort von Dr. Wilhelm Krull, Generalsekretär der VolkswagenStiftung, und Professor Dr. Jürgen Mlynek, Präsident der Humboldt-Universität Berlin.

Eine der bereits etablierten Gruppen ist die von Dr. Thomas Noll an der Technischen Universität Berlin: "Computergestützte Repräsentation, Analyse und Vermittlung musikalischer und musiktheoretischer Strukturen" lautet sein Thema. Gemeinsam mit einer Musikwissenschaftlerin, einem Informatiker sowie Mathematiker versucht Noll, neue Einsichten in die Musik zu gewinnen - jenseits der klassischen Regeln von Metrik, Harmonielehre und Kontrapunkt. Näheres dazu und erste Einsichten wird er am 18. April um 11.30 Uhr vorstellen (s. Programm). "Dass ich mit 36 Jahren die Leitung einer Nachwuchsgruppe übernehmen konnte, gibt mir die einzigartige Gelegenheit, mein Forschungsinteresse an der Entwicklung einer mathematischen Musiktheorie zu verfolgen; es ist fraglich, ob mir das sonst als Grenzgänger zwischen den akademischen Disziplinen möglich gewesen wäre", meint Dr. Noll.

In ihren Forschungsarbeiten zur "Olfaktorischen Codierung im Antennallobus der Fruchtfliege Drosophila melanogaster" gehen die Nachwuchswissenschaftler um Dr. Giovanni Galizia von der Freien Universität Berlin der Frage nach, auf welche Art und Weise Insekten sich in einer komplexen Umwelt von Düften zurechtfinden. Zwar scheint der Zahl unterscheidbarer Düfte keine Grenze gesetzt zu sein, jedoch werden die Düfte in ihrer Zusammensetzung offenbar nicht einzeln, sondern als komplexer Duftraum wahrgenommen. Dessen Struktur und innere Ordnung wiederum ist bislang unbekannt. Weiteres zum Thema von Dr. Galizia am 18. April um 14.15 Uhr (s. Programm).

Ein drittes Beispiel: "Interdisziplinäre soziale Gerechtigkeitsforschung" ist das Betätigungsfeld der Nachwuchsgruppe, die Dr. Stefan Liebig von der Humboldt Universität Berlin seit 1998 leitet. Wer hält was aus welchen Gründen für gerecht? - Um diese Frage geht es anhand konkreter Fälle; eine Frage, deren Bedeutung jedem ersichtlich ist: Soziale Gebilde, ob Jugendgruppen, Betriebe oder ganze Gesellschaften, sind nur dann auf Dauer überlebensfähig, wenn deren Mitglieder ein individuelles Gerechtigkeitsempfinden besitzen, dem von der Gruppe dann auch entsprochen wird. Auch darüber mehr am 18. April, und zwar gegen 14.40 Uhr (s. Programm). Stefan Liebig schätzt ebenfalls die Autonomie der Nachwuchsgruppe: "Im Unterschied zu einer normalen Assistentenstelle hat man hier viel größere Freiheiten." Auch der forschungsorganisatorische Ansatz kommt ihm entgegen: "Durch die Interdisziplinarität wird das klassische Lehrstuhlprinzip aufgebrochen." Das ermögliche ein interessantes, facettenreiches Arbeiten.

Die Nachwuchsgruppen - rund ein Dutzend vergibt die VolkswagenStiftung jährlich im Wettbewerbsverfahren - verkörpern in ihren Universitäten ein Stück konkreter Hochschulreform. Leiterin oder Leiter der Forschergruppe ist ein wissenschaftlich ausgewiesener "Post-Doc", der diese, eben ohne einem Professor direkt unterstellt zu sein, in vollständiger personeller und finanzieller Autonomie führen kann: ein mit allen Chancen und Risiken besetzter Freiraum. "Letztlich hat die VolkswagenStiftung einen doppelt innovativen Ansatz geschaffen: Forschung organisiert sich zwangsläufig neu, Interdisziplinarität ist ein Muss", argumentiert Dr. Wilhelm Krull. Die Ergebnisse und die hohe Zahl von Anträgen bestätigen den Erfolg dieser Initiative.

Veranstaltung:
"8:0 für die Forschung" - Nachwuchsgruppen stellen sich vor
18. April 2001 im Magnus-Haus, Am Kupfergraben 7, 10117 Berlin, Tel.: 0 30/20 17 48 - 0

Achtung: Die Hochschulpräsidenten sind nur zum Zeitpunkt der Vorstellungen ihrer jeweiligen Nachwuchsgruppen anwesend.

Programm

11.15 Uhr Begrüßung

Dr. Wilhelm Krull
Generalsekretär der VolkswagenStiftung und Prof. Dr. Kurt Kutzler, 1. Vizepräsident der Technischen Universität Berlin

Technische Universität Berlin
11.30 Uhr Dr. Thomas Noll

Nachwuchsgruppe "Arbeitsgruppe für mathematische Musiktheorie: Computergestützte Repräsentation, Analyse und Vermittlung musikalischer und musiktheoretischer Strukturen"

12.00 Uhr Dr. Leon Urbas
Nachwuchsgruppe "Bedienermodelle in dynamischen Mensch-Maschine-Systemen"

12.30 Uhr Dr. Petra Klumb
Nachwuchsgruppe "Geschlecht, Ressourcen und Gesundheit in der Erwerbs- und Familienarbeit"

13.00 Uhr Mittagessen und Gelegenheit zu Einzelgesprächen

14.00 Uhr Begrüßung
Dr. Wilhelm Krull, Generalsekretär der VolkswagenStiftung
und Prof. Dr. Peter Gaehtgens, Präsident der Freien Universität Berlin

Freie Universität Berlin
14.15 Uhr Dr. Giovanni Galizia
Nachwuchsgruppe "Olfaktorische Codierung im Antennallobus der Fruchtfliege Drosophila melanogaster"

Humboldt-Universität zu Berlin
14.40 Uhr Dr. Stefan Liebig
Nachwuchsgruppe "Interdisziplinäre soziale Gerechtigkeitsforschung"

15.05 Uhr Dr. Laurenz Wiskott
Nachwuchsgruppe "Lernen von Invarianzen aus Sensordaten: Biologische Prinzipien und technische Anwendungen"

15.30 Uhr Kaffeepause

16.00 Uhr Begrüßung
Dr. Wilhelm Krull, Generalsekretär der VolkswagenStiftung
und Prof. Dr. Jürgen Mlynek, Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin

Eröffnung von zwei neuen Nachwuchsgruppen
16.30 Uhr Dr. Gerhard Kempermann
Nachwuchsgruppe "Permissive Bedingungen für Neurogenese im erwachsenen ZNS"

17.00 Uhr Dr. Roland Beckmann
Nachwuchsgruppe "Cryo-electron microscopy of the endoplasmic reticulum protein targeting and translocation machinery"

anschließend Imbiss

Kontakt:
VolkswagenStiftung: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Christian Jung, Tel.: 0511/8381-380

Zu Grundsatzfragen und für Anträge aus den Natur- und Ingenieurwissenschaften, einschließlich der Mathematik und Medizin: Dr. Claudia Nitsch, Tel.: 0511/8381-217

Für Anträge aus den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften: Dr. Marcus Beiner, Tel.: 0511/8381-289

Hinweis an die Redaktionen: Wir vermitteln Ihnen die gewünschten Gesprächspartner während der gesamten Veranstaltung. Sollten Sie besonderes Interesse an ausgewählten Themen bzw. Nachwuchsgruppen haben, geben Sie uns bitte rechtzeitig Bescheid: Wir bereiten Gespräche und Material im Vorfeld für Sie vor.

Zur Veranstaltung erhalten Sie eine Pressemappe mit ausführlichen Informationen zu den Vorhaben der einzelnen Nachwuchsgruppen.

Dipl.Biol. Dipl.Journ. Christian Jung | idw

Weitere Berichte zu: Autonomie Berlin<BR>14 Interdisziplinarität Nachwuchsgruppe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Neues interdisziplinäres Zentrum für Physik und Medizin in Erlangen
25.07.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Entzündungshemmende Birkeninhaltsstoffe nachhaltig nutzen
03.07.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie