Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Blutsaugende Tiere liefern neue Medikamente

29.07.2002


Speichel von Parasiten beinhaltet wertvolle chemische Substanzen

Blutsaugende Tiere wie Zecken, Moskitos und Läuse haben in ihrem Speichel Substanzen, die in der modernen Medizin Verwendung finden könnten, meinen Wissenschaftler. Dort konnten Forscher die Substanz Hidurin aus dem Speichel von Läusen gewinnen. Diese wird zur Blutverdünnung verwendet, berichtet die Straits Times in ihrer jüngsten Ausgabe.

Der einzige Nachteil an Hirudin ist die Tatsache, dass dieser Stoff nur ein paar Mal verabreicht werden kann, da das menschliche Immunsystem ihn erkennt und dann die Wirkung ausschalten kann. Daher suchen die Wissenschaftler neue Substanzen in den rund 40.000 blutsaugenden Lebewesen, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist. So sind zum Beispiel Hakenwürmer, die sich von menschlichem Blut ernähren und sich in den Organen festsetzen, Kandidaten für weitere Untersuchungen. Das amerikanische Pharma-Unternehmen Corvas hat entdeckt, dass die Hakenwürmer ein gerinnungshemmendes Protein erzeugen, das für einige operative Eingriffe verwendet werden könnte. Im vergangenen Jahr konnte in einem Versuch an Knieoperierten die Substanz gegen die Bildung von Blutklumpen verabreicht werden.

Das britische Pharmaunternehmen Evolutec arbeitet intensiv daran, das Geheimnis der Speichelsekrete von Zecken zu erforschen: Mehr als 300 Chemikalien sind darin verborgen. Sie sorgen dafür, dass die Zecken unentdeckt und unbemerkt so lange am Wirt bleiben, bis sie vollgepumpt mit deren Blut abfallen. "Bis zu 14 Tage kann das dauern", so Wynee Weston-Davies, Development Director von Evolutec. "Wir wissen, dass dahinter ein kluger Schachzug steckt", meint der Wissenschaftler. Normalerweise würde ein Biss zu einer Schwellung und Entzündung führen, die dann zu einem Juckreiz führt. Aber der Zeckenspeichel verfügt über histaminbindende Proteine, die das Histamin neutralisieren und so eine Entzündung verhindern.

Da Histamine auch zu allergischen Reaktionen wie Heuschnupfen oder Asthma führen, verspricht sich das Unternehmen die Entwicklung von neuartigen Arzneimitteln. Evolutec sucht gezielt nach der Substanz EV 131, die im Speichel von Zecken vorhanden ist. Bereits in wenigen Monaten soll mit den ersten Tests von neuen Präparaten gegen Bindehautentzündung begonnen werden. Wenn die Tests erfolgreich verlaufen, könnte schon in zwei Jahren das neue Präparat aus Zeckenspeichel in den Regalen stehen. Das Medikament wird das Immunsystem des Menschen nicht beeinflussen. "Zecken gibt es länger als Dinosaurier, daher haben sie während dieser Zeit genug Möglichkeiten gefunden, eine optimale Strategie zu entwickeln", so Weston-Davies.

Wolfgang Weitlaner | pte.online
Weitere Informationen:
http://straitstimes.asia1.com.sg/
http://www.corvas.com/
http://www.evolutec.co.uk/

Weitere Berichte zu: Blutsaugen Entzündung Speichel Zecke

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Innovation: Optische Technologien verändern die Welt
01.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht SeaArt-Projekt startet mit Feldversuchen an Nord- und Ostsee
18.11.2016 | Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie