Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Innovative Inkontinenzhose bringt Sicherheit im Alltag - Neue Lösung für ein sensibles Problem

21.02.2012
Wissenschaftler der Empa haben zusammen mit einem Industriepartner eine «Mehrschicht»-Einlage und eine spezielle Hose entwickelt, die den Alltag von Menschen mit Inkontinenz erleichtern. Die Produkte sind seit kurzem auf dem Markt.

Die Menschen werden immer älter, die Gesellschaft muss sich darum vermehrt mit Altersbeschwerden und ihren Auswirkungen auseinander setzen. Ein unangenehmes und dabei häufiges Problem – nicht nur – alter Menschen ist Inkontinenz. Sie reicht von der milden Form der Tröpfcheninkontinenz bis zum völligen Kontrollverlust über die Blase.


Die neu entwickelte Inkontinenzhose trägt nicht auf und bringt doch Sicherheit.

Zwar können Windeln oder speziell saugfähige Binden Abhilfe leisten, diese zeichnen sich jedoch meist unter der Kleidung ab oder rascheln beim Gehen verräterisch. Unangenehm für die Betroffenen sind zudem Nässe, die damit einhergehende Abkühlung sowie der Uringeruch.

Eine Idee, wie sich die Auswirkungen des lästigen Problems mildern liessen, hatte Peter Gloor, der seit 20 Jahren auf diesem Gebiet tätig ist und über seine Vertriebspartner viel über die Anliegen und Wünsche der Betroffenen erfährt. Er wandte sich an Empa-Forscher Markus Weder von der Abteilung «Schutz und Physiologie», der ihm bei der Umsetzung seiner Idee half.

Konkret ging es darum, eine wiederverwendbare Einlage zu entwickeln, die nach dem so genannten «Wasserfallen-Prinzip» arbeitet. Dabei rinnt der Urin durch ein Abstandsgewirk hindurch vom Körper weg in eine Absorberschicht. So wird die Abkühlung verhindert, es entsteht kein Nässegefühl. Denn ist die Flüssigkeit erst einmal absorbiert, kann sie nicht wieder zurück auf die Haut gelangen. Soweit die Theorie – in der Praxis fiel der erste Entwurf allerdings durch, da der Urin vom hydrophilen Abstandsgewirk selber aufgesogen und zurückbehalten wurde und nicht bis zur Absorberschicht vordringen konnte.

Ein ausgeklügeltes System gegen ein sensibles Problem

Schnell war klar, dass ein hydrophobes Abstandsgewirk eingesetzt werden musste. Das Gewirk selber darf keine Flüssigkeit aufnehmen, damit es sich trocken anfühlt. Es ist von Löchern durchzogen, durch die die Tropfen fliessen, um von der darunter liegenden Absorberschicht aufgenommen zu werden. «Es war nicht einfach, die richtige Lochgrösse zu finden. Sind die Löcher zu klein, können die Urintropfen nicht abfliessen und bleiben auf dem Abstandsgewirk liegen», so Weder.

Mit einer Infrarotkamera mass das Empa-Team die Wirkung der Einlagen. Die hydrophobe Einlage kühlte sich um lediglich ein Grad ab und war immer noch um die 30 Grad warm, was in Probandenversuchen, die Auskunft über das subjektive Empfinden geben sollten, als angenehm eingestuft wurde. Ausserdem können in die «Einlagen-Hülle» mit dem Abstandsgewirk verschiedene Absorber eingelegt werden – sowohl wiederverwendbare wie auch kostengünstige Einweg-Binden. Die Hülle kann gewaschen und ebenfalls wiederverwendet werden.

Einen hundertprozentigen Auslaufschutz bietet die Einlage allerdings nicht. Da ihr «Bündchen» fehlen, wie es sie bei Windeln gibt, kann bei grossen Urinmengen die Flüssigkeit «überlaufen». Darum haben Markus Weder und sein Team zusätzlich eine eng anliegende, atmungsaktive Hose entwickelt, ähnlich einer Sporthose, die unter den Alltagskleidern getragen werden kann. Eine wasserdichte Membran verhindert, dass Urin nach aussen dringt. Lediglich Wasserdampf diffundiert und lässt so die Hose langsam trocknen. Geruch dringt viel weniger intensiv nach aussen.

Rémy Nideröst | EMPA
Weitere Informationen:
http://www.incosan.ch/
http://www.empa.ch/plugin/template/empa/3/117346/---/l=1

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Innovative Produkte >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten