Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hilfe für Senioren: Pflaster ruft bei Sturz Notarzt

17.06.2013
Notruf per Pflaster: Ein neues System, das bei einem Sturz umgehend den Notarzt verständigt, ist ab Ende 2013 für jedermann erhältlich.
Das Erkennungssystem „Vigi’Fall“ gewährleistet dank eines kleinen dreieckigen Pflasters auf der Haut, dass jeder ernsthafte Sturz erkannt und ein Notfalldienst benachrichtigt wird. Rund drei Millionen Senioren in ganz Europa könnten davon profitieren. Allein in Deutschland starben 2011 fast zehntausend Menschen an den Folgen eines Sturzes, die meisten von ihnen Senioren.

Entwickelt wurde das System vom FallWatch-Konsortium, an dem Forscher aus ganz Europa mitarbeiten. Federführend im Konsortium ist das französische Start-up Vigilio S.A. Mit der AEMtec GmbH aus Berlin ist auch ein deutsches Technologieunternehmen an Vigi‘Fall beteiligt. Das gesamte Projekt wurde von der Europäischen Kommission mit rund zwei Millionen Euro gefördert.

„Man schätzt, dass in Europa jährlich über 20 Millionen Menschen der Altersgruppe 65+ einen Sturz erleiden“, erklärt Jean-Eric Lundy, Gründer von Vigilio S.A. und Arzt in der Notfallaufnahme des Hôpital Cochin, Paris. „Damit ist ein Sturz die Hauptursache für traumatisch bedingte Todesfälle in diesem Alter. Sofortige medizinische Hilfe ist hier ausschlaggebend, da sie über Leben und Tod entscheiden kann. Viel zu oft machen wir die Erfahrung, dass ältere Patienten vor der Einlieferung ins Krankenhaus stundenlang hilflos zu Hause gelegen haben, weil sie nicht um Hilfe rufen konnten. Dabei entstehen oft irreversible physische und psychische Schäden.“

So funktioniert Vigi’Fall

Vigi’Fall basiert auf einem Sensorensystem: einem Biosensor, der vom Anwender selbst getragen wird, sowie Wandsensoren in den Wohnräumen. Damit ist er in etwa vergleichbar mit einer Alarmanlage. Im Falle eines Sturzes sendet der Biosensor am Körper ein Signal aus; darüber hinaus registrieren die Wandsensoren, dass keine Bewegungen mehr stattfinden. Sie teilen diese Information der zentralen Kontrollbox im Wohnbereich mit. Diese benachrichtigt per Telefon das Pflegepersonal oder – falls sich der Sturz in einer Privatwohnung ereignet – ein Callcenter.

Um zwischen tatsächlichen Stürzen und einem Fehlalarm unterscheiden zu können, verfügt Vigi’Fall über eine spezielle Software, die den Sturz (mit oder ohne Aufprall) und die anschließende Lage des Patienten analysiert. In einer Pflegeeinrichtung kann das Personal im Ernstfall sofort reagieren. Menschen, die allein leben, werden zur zusätzlichen Sicherstellung von einem Callcenter-Mitarbeiter angerufen. Bleibt der Anruf unbeantwortet, wird umgehend die Familie oder ein Notfalldienst benachrichtigt.

Das Vigi’Fall-Konsortium mit deutscher Beteiligung

Die größte Herausforderung bei der Entwicklung von Vigi’Fall bestand darin, dass Pflaster möglichst klein zu halten, damit es problemlos und bequem getragen werden kann. Dazu holte das FallWatch-Konsortium europäische Partner mit unterschiedlichen Spezialisierungen ins Boot.

Neben Unternehmen aus Frankreich, Italien, Großbritannien und Spanien wurde ein deutsches Unternehmen zur Mitarbeit im Konsortium ausgewählt: Die AEMtec GmbH in Berlin ist bei dem FallWatch-Projekt Single-Source-Prozessentwicklungspartner für AVT (Aufbau- und Verbindungstechnologie) sowie für die Serienfertigung verantwortlich. Neben dem Zusammenbau schließt dies auch die Endmontage und den Test ein.

Das Resultat der Zusammenarbeit des Konsortiums: Der Sensor funktioniert selbst unter der Dusche – und braucht dank der langlebigen Stromversorgung nicht weiter beachtet zu werden, sobald er einmal auf der Haut platziert ist. Was bleibt, ist die Gewissheit, dass bei einem Sturz sofort Hilfe unterwegs ist.

Erfolgreiche klinische Tests und Vermarktung

Das Vigi’Fall-Pflaster wurde unter Laborbedingungen und in den Bereichen Krankenhaus, Pflegeeinrichtung und Privathaushalt erfolgreich geprüft. Seit November 2012 ist Vigi’Fall am Markt erhältlich. Die Home-Version von Vigi’Fall wird ab dem dritten Quartal 2013 erhältlich sein. Ab September 2013 beginnen in den USA und Europa zudem die klinischen Tests der zweiten Systemgeneration, die auch dem amerikanischen RFID-Standard entsprechen wird. Diese marktreife Version, die für Ende 2014 erwartet wird, eröffnet erhebliche Geschäftschancen: Neben Europa und den USA haben mehrere asiatische Länder Interesse an der einzigartigen Technologie bekundet. In den EU-Ländern, die an den FallWatch-Projekten beteiligt sind, werden dadurch in den kommenden drei Jahren schätzungsweise 100 qualifizierte Arbeitsplätze entstehen.

„Das FallWatch-Projekt zeigt, welche Fortschritte in der medizinischen Versorgung möglich sind, wenn die Besten der europäischen Wirtschaft zusammenarbeiten“, kommentiert Michael Jennings, Sprecher der Europäischen Kommission für die Bereiche Forschung, Wissenschaft und Innovation. „Diese Innovation bringt den Menschen einen spürbaren Nutzen und ist gleichzeitig gut für die europäische Wettbewerbsfähigkeit, die von der Kommission im Rahmen des EU-Forschungs- und Innovationsprogramms ‚Horizon 2020‘ kontinuierlich gefördert wird.“

Hier können Sie Vigi’Fall in Aktion sehen:
www.youtube.com/watch?v=6sFhILZ1jmA

Folgen Sie dem Projekt auf Twitter: #Fallwatch
FallWatch ist eins von vielen Projekten im Bereich Healthcare, das durch Forschungs- und Innovations-Programme der Europäischen Union gefördert wird.

Hier finden Sie aktuelle Informationen zu Forschung und Innovation in Europa:
www.facebook.com/innovation.union
twitter.com/innovationunion

Über das FallWatch/FallWatch Demo-Konsortium
Zum FallWatch-Konsortium unter der Leitung von Vigilio S.A. gehören führende Unternehmen und Forschungsinstitute: Plastod (IT), Hersteller von Wundpflastern und Verbandmaterial, BSE (FR), Spezialist für elektronische Komponenten, Statice (FR), Entwickler und Hersteller medizinischer Geräte, PMBL (UK), Hersteller von Akkus, Inspiralia (ES), Spezialist für RFID-Kommunikation, die Université Joseph Fourier (FR) mit anerkannter Kompetenz im Bereich Gesundheitsparameter, QinetiQ (UK), ein führendes internationales Unternehmen der Verteidigungs- und Sicherheitstechnik, NanoCAT (IT), Hersteller von Nanowerkstoffen, das LCPO (FR), ein Spitzenforschungslabor im Bereich Klebstoffe und Polymere, Europ Assistance (FR), der führende europäische Anbieter von Assistance-Leistungen, und AEMtec (DE), Spezialist für komplexe elektronische Mikrosysteme.

Kontakte

Pressebeauftragte:

• Mirjam Schaper (E-Mail: Mirjam.Schaper@cohnwolfe.com;
Tel.: +49 (0)40 808016-111)

• Ina Bauer (E-Mail: Ina.Bauer@cohnwolfe.com;
Tel.: +49 (0)69 7506-1597)

Zuständiger EU-Repräsentant:

• Michael Jennings (E-Mail: Michael.Jennings@ec.europa.eu)

• Nikola John (E-Mail: Nikola.John@ec.europa.eu;
Tel.: +49 (0)30 2280-2410)

VIGILIO S.A.:
• Dr. Jean-Eric Lundy (E-Mail: Jean-Eric.Lundy@vigilio.fr;
Tel.: +33 (0)16 9476030)

Ina Bauer | Europäische Kommission GFuI
Weitere Informationen:
http://www.ec.europa.eu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Innovative Produkte:

nachricht Neu entwickelter Therapiesitz hilft beeinträchtigten Menschen
18.05.2017 | Jade Hochschule - Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth

nachricht Schnell schweben: Studierende konstruieren Transportkapsel
04.04.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Innovative Produkte >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie