Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nichtklebender Kaugummi erfunden

14.09.2007
Ausgespuckte Süßwaren machen Stadtverwaltungen das Leben schwer

Ausgespuckte Kaugummis machen Stadtverwaltungen und Betreiber öffentlicher Verkehrsmittel das Leben schwer, denn die Süßwaren haben die Eigenschaft, dass sie sich nur unter schwierigsten Bedingungen entfernen lassen. Eine neue Substanz im Kaugummi soll nun Abhilfe schaffen: Der Clean Gum vom Forscherteam um Terence Cosgrove von der Universität Bristol hat die Eigenschaft, dass er sich leicht ablösen lässt. Die Forschungsergebnisse wurden beim BA Festival of Sciences in York vorgestellt.

Der Hersteller Revolymer, ein Spin-out-Unternehmen der Universität Bristol hat umfangreiche Tests mit dem neuentwickelten Kaugummi auf verschiedenen Oberflächen wie etwa Straßenbelag, Teppichböden, Schuhen und sogar Haaren durchgeführt. Die Untersuchungen haben deutlich gezeigt, dass sich der Clean Gum in den meisten Fällen innerhalb von 24 Stunden so zersetzt hatte, dass er sich leicht ablösen ließ.

Hinter dem neuen Kaugummi steckt ein chemisches Geheimnis: Lange Molekülketten, so genannte Polymere, die sowohl hydrophile als auch hydrophobe Eigenschaften aufweisen. Das sei in mehrfacher Hinsicht gut, denn einerseits lasse sich das Polymer deshalb leicht mit den üblichen Zutaten eines Kaugummis vermengen, andererseits bewirke das hydrophile Verhalten eine Verringerung der Adhäsion, erklärt Cosgrove, der auch wissenschaftlicher Leiter von Revolymer ist, gegenüber pressetext. "Die Bezeichnung klebefreier Kaugummi ist nicht ganz richtig, denn es handelt sich um einen Kaugummi mit verringerter Adhäsionskraft", betont der Forscher.

"Die hydrophile Beschichtung sorgt dafür, dass sich um die Kaumasse immer ein dünner Film von Wasser bildet. Das ist schließlich auch der Grund, warum er sich so leicht entfernen lässt, beziehungsweise auf manchen Oberflächen gar nicht haftet", erklärt der Wissenschaftler. Dem Clean Gum fehlen bis jetzt noch die notwendigen europäischen Gesundheits- und Sicherheitstests. "Dazu muss nämlich das Polymer als Lebensmittel akzeptiert werden. Erst dann können wir ihn verkaufen." Das dürfte aber nach Ansicht des Forschers kein großes Problem sein. Ersten Tests zufolge ist der neue Kaugummi mit derzeit am Markt befindlichen Produkten sowohl im Geschmack als auch in der Textur vergleichbar.

Im kommenden Jahr soll der Clean Gum bereits in den Geschäften angeboten werden. Ob Cosgrove mit den großen Süßwarenherstellern in Kooperation treten wird, ist noch nicht klar. Er sei für alles offen. "Wir haben aber deutlich gesehen, dass das Interesse etwas Neues anbieten zu können, sehr groß ist", erklärt Cosgrove abschließend im pressetext-Gespräch.

Ausgespuckte Kaugummis verursachen in den Städten große Schäden und sorgen für explodierende Reinigungskosten. Allein in der City of Westminister fallen jährlich Kosten in der Höhe von 150.000 Euro nur für die Beseitigung der klebrigen Süßigkeiten an, berichtet BBC-Online. Auch der Stadtstaat Singapur, Vorreiter in Sachen Sauberkeit, hat den Import und den Verkauf von Kaugummis deshalb verboten. Vandalen haben mit ausgekauten Kaugummis das gesamte High-Tech-U-Bahn-System für Stunden lahm gelegt, weil sie die Überreste der Kaumasse in die Reflektoren der Tür-Lichtschranken geklebt hatten. Daraufhin hat man kurzerhand jegliches Kauvergnügen untersagt. Wer dennoch seine süßen Kaugummireste ausspuckt, dem drohen hohe Geldstrafen.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.bristol.ac.uk
http://www.the-ba.net
http://www.revolymer.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Innovative Produkte:

nachricht Schnell schweben: Studierende konstruieren Transportkapsel
04.04.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Weltweit erste fliegende Selfie-Kamera im Handyformat in Berlin vorgestellt
09.03.2017 | AirSelfie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Innovative Produkte >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie