Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Saarbrücker Informatiker schützen Smartphones und Tablet-Rechner vor Datenklau

26.02.2013
Manche Mini-Programme spähen auf internetfähigen Mobiltelefonen und Tablet-Rechnern private Daten aus.

Diesem Datenmissbrauch schieben Saarbrücker Informatiker mit einem neuen Verfahren den Riegel vor. Der Clou: Die verdächtigen Programme müssen weder vorab bekannt sein, noch muss das Betriebssystem des Smartphones verändert werden. Stattdessen durchleuchtet eine kostenlos erhältliche App den Programmcode der digitalen Spione. Die Forscher stellen die App auf der Computermesse Cebit vom 5. bis 9. März am saarländischen Forschungsstand (Halle 9, Stand F34) vor.


Mit der App „SRT Appguard“ geben die CISPA-Informatiker Anwendern die Selbstkontrolle über ihre Privatsphäre zurück. CISPA

„Android-Schadcode auf dem Weg zur Massenplage“, so lautet die Überschrift einer Studie, die ein deutsches Software-Unternehmen für Anti-Viren-Programme in diesen Tagen herausgeben hat. Dass es sich dabei nicht nur um einen Verkaufstrick handelt, untermauert die Analyse der staatlich geförderten Stiftung Warentest. Diese hatte im Mai des vergangenen Jahres gleich 37 populäre Apps als „kritisch“ eingestuft.

„Mich überrascht das nicht. Mein Smartphone weiß doch fast alles über mich: Angefangen von meinem Namen, meiner Telefonnummer, meiner E-Mail-Adresse über meine Interessen bis hin zu meinem aktuellen Aufenthaltsort“, erklärt Informatik-Professor Michael Backes von der Universität des Saarlandes. Dort ist er auch wissenschaftlicher Direktor des Center für IT-Security, Privacy and Accountability (CISPA), eines der drei vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Kompetenzzentren für IT-Sicherheit.

Damit Smartphones und Tablet-Rechner nicht zu Verrätern werden, haben die CISPA-Forscher eine Methode entwickelt, die für das Smartphone-Betriebssystem Android greift. „Wie bei der Gepäckkontrolle am Flughafen durchleuchtet diese jede beliebige App auf Ihrem Smartphone und zeigt Ihnen an, was diese unter der Oberfläche alles macht: Auf Ihre Kontakte zugreifen, eine Verbindung zum Internet aufbauen oder Ihren Aufenthaltsort abfragen“, erklärt Backes.

Ein Anwender könne nun jederzeit der jeweiligen App die Rechte dafür entziehen oder neu gewähren. Ein von Backes gegründetes Unternehmen hat bereits dazu eine App programmiert, die auf dem vorab veröffentlichten Verfahren basiert. Sie heißt „SRT Appguard“ und kann kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden. unterstützt nun auch Android ab Version 2.x . Im Gegensatz zu einer früheren Version garantiert sie auch, dass die überwachten Apps weiterhin ihre Updates aus dem Google Play Store erhalten.

Technischer Hintergrund

Für ihren Ansatz nutzen die Saarbrücker Informatiker die Tatsache aus, dass die Android-Apps, die in der Programmiersprache Java geschrieben sind, in einer sogenannten virtuellen Maschine laufen. Im Gegensatz zu anderen Betriebssystemen ist der Speicher dieser virtuellen Maschine auf Android für die ausgeführte App frei zugreifbar. Hier setzt der SRT Appguard an. Bevor die verdächtige App startet, durchsucht er den Speicher der virtuellen Maschine nach sicherheitskritischen Funktionen, die ihm von den Saarbrücker Experten eingetrichtert wurden. Diese leitet er nicht wie bisher im Bytecode, sondern direkt in der virtuellen Maschine auf den Sicherheitsmonitor um. Dieser kann dann die suspekten Funktionsaufrufe überwachen und sogar völlig blocken.

Das Center for IT-Security, Privacy and Accountability (CISPA)

CISPA ist eines der drei Kompetenzzentren für IT-Sicherheit, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert. Es entwickelt Methoden und Expertise, die verlässlich sichere Computersysteme und deren Robustheit gegen neuartige Angriffe ermöglichen. Darüber hinaus arbeitet es Konzepte für den Schutz persönlicher Daten aus, die sowohl die Privatsphäre wahren, als auch eine freie, verantwortliche Interaktion zwischen Anwender und System gewährleisten. Um Lösungen für die Kernprobleme der IT-Sicherheit in der digitalen Gesellschaft zu finden, verwirklicht CISPA einen ganzheitlichen Ansatz. Es arbeitet mit weltweit renommierten Forschungsinstituten zusammen, die in Saarbrücken nur wenige Schritte entfernt sitzen: Das Max-Planck-Institut für Informatik, das Max-Planck-Institut für Softwaresysteme, der Exzellenzcluster „Multimodal Computing and Interaction“ und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI).

Weitere Informationen:

Michael Backes, Sebastian Gerling, Christian Hammer, Matteo Maffei and Philipp von Styp-Rekowsky: The Android Monitor – Real-time policy enforcement for third-party applications

http://www.infsec.cs.uni-saarland.de/projects/android-monitor/android-monitor.pdf

Center for IT-Security, Privacy and Accountability:
http://www.cispa-security.de
Fragen beantworten:
Prof. Dr. Michael Backes
Direktor des CISPA
Tel. +49 681 302-3259
E-Mail: backes@cispa.uni-saarland.de
Sebastian Gerling
Administrativer Leiter des CISPA
Tel. +49 681 302-57373
E-Mail: sgerling@cispa.uni-saarland.de
Redaktion:
Gordon Bolduan
Forschungskommunikation
Exzellenzcluster „Multimodal Computing and Interaction“
Tel. +49 681 302-70741
E-Mail: bolduan@mmci.uni-saarland.de
Weitere Informationen:
http://www.infsec.cs.uni-saarland.de/projects/android-monitor/android-monitor.pdf
http://www.cispa-security.de
http://www.backes-srt.de/produkte/srt-appguard/

Friederike Meyer zu Tittingdorf | Universität des Saarlandes
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Smart Living: VDE-Institut entwickelt Cloud-basierte interoperable Testplattform
15.02.2017 | VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.

nachricht Saarbrücker Informatiker machen „Augmented Reality“ fotorealistisch
15.02.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie