Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Digitale Ameisen" jagen Computer-Würmer

29.09.2009
Schwarmintelligenz zum Aufspüren von Netzwerk-Bedrohungen

Biologische Vorbilder sind in der Robotik bereits gang und gebe, doch nun hat ein US-Forscherteam auch in Sachen Cybersecurity Anleihen bei der Natur genommen. Sie setzen auf "digitale Ameisen", die in Netzwerken umherwandern und dabei helfen sollen, Sicherheitsbedrohungen wie Würmer rasch aufzuspüren.

Denn wenn eine Ameise eine potenzielle Gefahr entdeckt, konvergieren dank Schwarmintelligenz nach biologischem Vorbild schnell viele Ameisen um die Bedrohung. In einem Test konnten die Forscher der Wake Forest University und des Pacific Northwest National Laboratory (PNNL) zeigen, dass ein Ameisenschwarm erfolgreich einen Wurm aufspürt.

"Wir wissen aus der Natur, dass sich Ameisen sehr effektiv gegen Bedrohungen wehren", meint Errin Fulp, Informatikprofessor an der Wake Forest. Denn die Insekten bauen schnell eine massive Verteidigung auf, um nach Ausschalten einer Bedrohung wieder zur normalen Routine zurückzukehren. Bei der digitalen Umsetzung dieses Schwarmverhaltens setzen die Forscher darauf, dass jede Ameise bei der Suche nach Hinweisen auf Bedrohungen im Netzwerk eine Spur hinterlässt, die den Duftmarken ihrer biologischen Vorbilder ähnelt.

"Eine digitale Ameise ist programmiert, einen stärkeren Duft zu hinterlassen, wann immer sie Hinweise identifiziert", sagt Fulp. Die stärkere Spur locke weitere Ameisen an, wodurch bei einer potenziellen Infektion ein Schwarm entstehe. In einem gemeinsamen Projekt von PNNL und Wake Forest wurde der Ansatz des digitalen Ameisenschwarms im Sommer auf einem Netzwerk aus 64 Computern getestet, wobei die Ameisen tatsächlich einen eingeschleusten Wurm aufspüren konnten.

"Generell begrüßen wir alle Forschungsansätze, die es sich zum Ziel gesetzt haben, Frühwarnsysteme und Schutzmechanismen vor der steigenden Malware-Flut zu entwickelt", meint Ralf Benzmüller, Leiter der G Data Security Labs, auf Nachfrage von pressetext. Daher sei die Idee von Fulp und seinen Kollegen sicherlich interessant. "Theoretisch könnte der Einsatz einer Ameisen-Patrouille, die autonom nach Schädlingen sucht, Malware frühzeitig aufspüren und womöglich unschädlich machen", so Benzmüller. Allerdings müsse erst nachgewiesen werden, dass das Konzept effizienter und nachhaltiger zum Schutz vor Malware beitragen könne als andere Intrusion-Detection-Verfahren.

"Das Konzept erinnert an die Antiviren-Viren aus den späten 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts", meint Benzmüller. Dabei wurde versucht, Schadcode mit Antiviren-Viren zu entdecken und zu beseitigen. Der erste Vertreter dieser Art war 1988 "Den Zuk", der den Brain-Virus von infizierten Rechnern entfernen konnte. "Dieses Konzept war und ist jedoch äußerst fragwürdig, denn auch ein sogenannter guter Virus bleibt nichts anderes als ein Schädling", betont der G-Data-Experte. Zu einem unerwünschten Einnisten der digitalen Ameisen auf Rechnern kann es den US-Forschern zufolge hingegen nicht kommen. Denn ohne spezielle Software-"Wachposten" in einem System "überleben" die Ameisen dort nicht. Die Wachposten wiederum leiten Informationen an "Feldwebel" im Netzwerk weiter, die wiederum menschlichen Operatoren als oberste Entscheidungsinstanz unterstellt sind.

Thomas Pichler | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.wfu.edu
http://www.pnl.gov

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Industrie 4.0: Fremde Eindringlinge im Unternehmensnetz erkennen
16.04.2018 | Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT

nachricht Die Thermodynamik des Rechnens
11.04.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Metalle verbinden ohne Schweißen

Kieler Prototyp für neue Verbindungstechnik wird auf Hannover Messe präsentiert

Schweißen ist noch immer die Standardtechnik, um Metalle miteinander zu verbinden. Doch das aufwändige Verfahren unter hohen Temperaturen ist nicht überall...

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Metalle verbinden ohne Schweißen

23.04.2018 | HANNOVER MESSE

Revolutionär: Ein Algensaft deckt täglichen Vitamin-B12-Bedarf

23.04.2018 | Medizin Gesundheit

Wie zerfallen kleinste Bleiteilchen?

23.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics