Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Intelligenter Raum hört und sieht Nutzer

05.02.2009
85 Mikrophone und acht Kameras als Computer-Interface

Forscher an der Universitat Politècnica de Catalunya (UPC) arbeiten mit "Smart Room" an einem Projekt, das den Traum einer möglichst menschlichen Interaktion mit Computern zu verwirklichen hilft. 85 Mikrophone und acht Kameras im intelligenten Raum sind dabei die Augen und Ohren, mit denen ein projizierter sprechender Kopf Personen erkennen kann.

Entworfen wurde der Smart Room schon 2004 im Rahmen des EU-Projekts CHIL (Computer in the Human Interaction Loop) , nun wird an weiteren Verbesserungen geforscht. "Im Audio-Bereich liegt ein Schwerpunkt auf der Erkennung akkustischer Ereignisse", erklärt der projektbeteiligte Wissenschaftler Josep Ramón Casas im Gespräch mit pressetext.

"Geräusche, die keine gesprochene Worte sind, werden normalerweise nicht erkannt", beschreibt Casas eine Einschränkung aktueller Systeme. Dabei sind für Menschen auch Schritte, das Geräusch einer Tür, die geöffnet wird, oder das Ablegen von Gegenständen Hinweise darauf, was um sie herum geschieht. Daher arbeiten die Forscher an der UPC derzeit daran, diese Möglichkeit auch mit ihren Algorithmen zu eröffnen. Dabei bauen sie auf den Ergebnissen von CHIL auf, denn das gesprochene Wort kann das System bereits verstehen und entsprechend reagieren. Dabei dient ein Teil der Mikrofone im Raum dazu, "eine Art Geräusch-Karte" zu erstellen, mit der Sprecher lokalisiert werden, so Casas. Dadurch können weitere Mikrofone für die Spracherkennung entsprechend ausgerichtet werden. Die Spracherkennung wurde außerdem mit ausgereifter Bilderkennung kombiniert, die neben Gesichtern auch Gesten interpretiert. Auf all das kann der projizierte Kopf entsprechend reagieren.

Ein Anwendungsbeispiel, das aktuell im Fachjournal "Personal and Ubiquitous Computers" vorgestellt wird, ist eine Lernumgebung. Der Lehrende kann beispielsweise darauf hingewiesen werden, wenn sich ein Student durch Handheben zu Wort meldet. Auch kann der Raum darauf hinweisen, wenn sich Lernende bei einer Aufgabe zu viel Zeit lassen oder geeignete Mitteilungen wiedergeben, wenn der Vortragende oder die Studenten den Raum verlassen. "Ich denke, dass einzelne Ideen aufs wirkliche Leben übertragen werden", meint Casas. Vorstellbar seien etwa Mikrophone, die Befehle verstehen und dann entsprechende Informationen auf Displays wiedergeben. Im Pflegebereich wiederum könnte eine geeignete Bildanalyse helfen, Gefahrensituationen und Notfälle schnell zu erkennen.

Das CHIL-Projekt war dabei noch ambitionierter, als nur die Interaktion zwischen Mensch und Computer zu verbessern, so CHIL-Mitarbeiter Joachim Neumann, der mittlerweile für Telefonica Research http://www.tid.es tätig ist. "Es ging darum, Computer für eine bessere zwischenmenschliche Interaktion zu nutzen", betont er gegenüber pressetext. Ein Beispiel dafür wäre, einem zu spät kommenden Teilnehmer an einem Meeting einen Überblick über dessen bisherigen Verlauf zu geben. "Das verbessert die zwischenmenschliche Interaktion, da der Betreffende gut informiert zum Meeting stößt und weniger stört", erklärt Neumann.

Damit die Forschungsergebnisse schneller auf reale Anwendungen übertragen werden können, wurden laut Casas auch gewisse Anforderungen an die Hardware gestellt. "Wir haben versucht, keine Hochleistungsrechner zu nutzen", erklärt der Wissenschaftler. Stattdessen kommt eine Reihe normaler Desktop-Geräte unter Linux zum Einsatz. Insgesamt werden zwölf Geräte für die Videoanalyse und sechs weitere für die Audioanalyse genutzt, so Casas.

Thomas Pichler | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.upc.edu
http://chil.server.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Kieler Wissenschaft entwickelt exzellentes Forschungsdatenmanagement
21.08.2017 | ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft

nachricht Computer mit Köpfchen
18.08.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik