Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Computeranimierte Wesen werden realistischer

06.01.2010
Optimale Stimmungs-Deutung nach Zehntel-Sekunden-Film

Forscher des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik haben gezeigt, dass man einen Gesichtsausdruck live oder in einem Film viel besser erkennen kann als auf einem Foto.

Um die Stimmung der dargestellten Personen zuverlässig deuten zu können, muss ein Film jedoch mindestens eine Zehntel-Sekunde lang sein, berichten die Forscher im Journal of Vision. Die aktuellen Forschungsergebnisse könnten dazu beitragen, dass computeranimierte Wesen in Zukunft noch realistischer und glaubwürdiger aussehen.

Auch in der digitalisierten Welt findet ein Großteil der Kommunikation im direkten Austausch mit dem Gegenüber statt. Damit man vom anderen verstanden wird, setzt man nicht nur die Stimme, sondern zusätzlich ein vielfältiges Repertoire an Gestik und Mimik ein. Auch wenn letzteres meist mehr oder weniger unbewusst geschieht, ist es essenziell, damit sich unser Gesprächspartner in uns hinein versetzen kann.

Filmsequenz am besten erkannt

Um zu untersuchen, in wie weit die Stimmungen eines Gesprächspartners anhand der Mimik erkennbar sind, haben die Forscher Probanden Bilder von Menschen mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken vorgespielt. Darunter befanden sich einfache emotionale Ausdrücke wie glücklich und traurig, aber auch komplexere wie Zustimmung, Verwirrung oder Überraschung.

Um zu vergleichen, ob bewegte oder statische Bilder besser erkannt werden, wurde den Testpersonen sowohl eine kurze Videosequenz der Mimik vorgespielt als auch ein Bild derselben gezeigt. Die Probanden mussten anschließend jeweils eine Emotion dem Bild oder der Videosequenz zuordnen. Außerdem wurde ihnen eine Bilderreihe einer Mimik gezeigt. Trotz der Bilderfolge erkannten die Probanden die Gestik auf der Filmsequenz besser.

Kombination der richtigen Reihenfolge entscheidend

Um heraus zu finden, inwiefern das Erkennen der Mimik von der Bewegung abhängig ist, hat das Forscherteam den Probanden eine Videosequenz mit 25 Bildern pro Sekunde vorgespielt. In einer weiteren Versuchsreihe wurden jedoch die einzelnen Bilder durcheinander gewürfelt und erneut abgespielt. Auch diesmal haben die Testpersonen die Mimik in den Originalvideosequenzen besser erkannt.

Das macht deutlich, dass weder mehrere Bilder noch die Bewegung allein von Bedeutung sind, sondern die Kombination der richtigen Reihenfolge und der dynamische Ablauf der Gesichtsbewegungen. Wichtig ist zudem auch die zeitliche Richtung. Wurden die Filmsequenzen rückwärts abgespielt, konnten die Testpersonen die Stimmung deutlich schlechter erkennen.

"Gesichtsausdrücke sind ein dynamisches Phänomen und müssen, genauso wie Körperbewegungen oder Gesten, mit Hilfe von Videos untersucht werden, um ein genaues Bild von der Verarbeitung dieser wichtigen kommunikativen Signale erstellen zu können", so Studienleiter Christian Wallraven. "Unsere Ergebnisse haben auch für die Computeranimation eine große Bedeutung, da es deren Ziel ist, künstliche Avatare und Gesichtsanimationen zu schaffen, die vollkommen realistisch und glaubwürdig kommunizieren können", erklärt der Physiker und Wahrnehmungswissenschaftler.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.tuebingen.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Plattformübergreifende Symbiose von intelligenten Objekten im »Internet of Things« (IoT)
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB

nachricht Von Fußgängern und Fahrzeugen: Uni Ulm und DLR sammeln gemeinsam Daten für das automatisierte Fahren
09.12.2016 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie