Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Trierer Telematik-Wissenschaftler warnen: "Unternehmen sparen leichtsinnig an IT-Sicherheit"

17.04.2002


"Unternehmen werden auf dem Gebiet der Sicherheit in der Informationstechnologie zunehmend leichtsinniger". Diese Beobachtung hat der Direktor des gemeinnützigen Instituts für Telematik, Professor Christoph Meinel (48) gemacht. Auf Grund wirtschaftlicher Probleme fingen immer mehr Firmen an, bei den Ausgaben für IT-Sicherheit zu sparen, kritisierte Meinel zu Beginn einer Online-Vorlesung über Informationssicherheit im Internet, die dienstags und donnerstags von 8 bis 10 Uhr live im World Wide Web übertragen wird. Erstaunlich ist nach Worten des Informatik-Professors, dass Investitionen für IT-Sicherheit gekürzt würden, obwohl es vor allem nach den Terroranschlägen vom 11. September deutlich mehr Sensibilität für Bedrohungen gibt. "Wenn aber tatsächlich dann etwas passiert, ist der Schaden für die Unternehmen meist höher, als die Maßnahmen für erhöhte IT-Sicherheit gekostet hätten", warnt Meinel nach den Erfahrungen seines wirtschaftsnah arbeitenden Hightech-Forschungs- und Entwicklungszentrums, das von der Fraunhofer-Gesellschaft betreut wird. Die Bedrohungen wachsen nach Meinels Angaben mit der Zunahme an Vernetzung.

Auf aktuelle und verlässliche Zahlenangaben zu den Schadenssummen kann derzeit offenbar niemand zurückgreifen. Nach Worten des Trierer Informatik-Professors ist es Unternehmen meistens "peinlich, öffentlich über angerichtete Schäden in ihren IT-Bereichen zu berichten". Die Dunkelziffer sei deshalb sehr hoch. Oft würden genaue Zahlen erst nach vielen Jahren bekannt, wenn es im Management der Firmen Veränderungen gegeben habe und man über die Fehler der Vergangenheit offener zu reden bereit sei. Meinel zitierte amerikanische Umfragen, wonach deutlich mehr Unternehmen einen Angriff auf die IT-Infrastruktur durch eigene Mitarbeiter registrierten, als durch externe "Hacker".

Nicht immer handele es sich bei den internen Sicherheitsproblemen in Unternehmen um Folgen böswilligen Verhaltens von Mitarbeitern, betonte der Direktor des Instituts für Telematik, der in Personalunion auch Lehrstuhl-Inhaber (C4) für Informatik an der Uni Trier ist. Oft führe vielmehr die Sorglosigkeit vieler Computernutzer zu Schwierigkeiten. Meinel verwies zum Beispiel darauf, dass die Hälfte aller benutzten Passwörter auf Zetteln im Umkreis von einem Meter rund um die Rechner zu finden sei.

Was die Zuverlässigkeit biometrischer Verfahren bei der elektronischen Zugangskontrolle betrifft, zeigte sich der Trierer Telematik-Spezialist zurückhaltend: "Die Fehlerquote liegt noch zwischen 10 und 15 Prozent. Das ist für den Praxiseinsatz viel zu hoch", erklärte Meinel und forderte während der ersten Online-Vorlesung der neuen Reihe zu verstärkten Anstrengungen in der Entwicklung auf.

Durch eine in Trier entwickelte drastisch vereinfachte Zugangstechnik für Online-Vorlesungen ("Tele-TASK") kann jeder PC-Nutzer mit geeignetem Internetanschluss - ob interessierter Laie, Fachspezialist oder eingeschriebener Student - von der Wohnung oder vom Büro aus die Lehrveranstaltung zur Informationssicherheit komfortabel mitverfolgen. Einzige Voraussetzung: Eine ISDN- oder - noch besser - DSL-Verbindung und das in jedem gängigen Browser verfügbare Standard-Programm "Real Player". Informationen dazu finden sich auf der Homepage des Instituts für Telematik www.ti.fhg.de oder unter www.informatik.uni-trier.de/TI/teleteaching.html.

Hans-Joachim Allgaier | idw
Weitere Informationen:
http://www.ti.fhg.de/
http://www.informatik.uni-trier.de/TI/teleteaching.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Cybersicherheit für die Bahn von morgen
24.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT

nachricht Schutz vor Angriffen dank flexibler Programmierung
22.03.2017 | FZI Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE