Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Navigation per Handy

29.05.2007
In einer fremden Stadt den Weg zum Bahnhof oder zu einer Sehenswürdigkeit zu finden, kann sich als nervenaufreibende Angelegenheit herausstellen. Viel schneller und bequemer geht es mit dem Fahrplanauskunftssystem für Mobiltelefone, das Forscher des Lehrstuhls für Informatik 8 (Künstliche Intelligenz) der Universität Erlangen-Nürnberg entwickelt haben.

Wie bei der Bordnavigation für Autofahrer kann die Orientierung dem elektronischen Helfer überlassen bleiben, nur dass Handy-Navigation für Benutzer gedacht ist, die sich zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegen. Das System ist einfach zu bedienen; es genügt, den Namen des Ziels in das Handy einzugeben, um die nächste Busverbindung zu erfahren und sich zur Haltestelle lotsen zu lassen. Die Erfindung hat Innovationskraft: "Handy-Navigation könnte im Tourismus, aber auch in anderen Anwendungsbereichen von großem Nutzen sein", sagt Dr. Bernd Ludwig, Mitarbeiter des Lehrstuhls für Künstliche Intelligenz.

Navigation mit verteilten Rollen

Kleine tragbare Endgeräte wie Handys sind meist nicht leistungsfähig genug, um gute Verbindungen zum Internet zu gewährleisten, größere Datenmengen zu speichern und komplexe Rechenoperationen durchzuführen. Datenspeicherung und -verarbeitung für die Navigation per Mobiltelefon werden deshalb innerhalb eines Netzwerks aufgeteilt. Arbeitsstationen (Clients) greifen dabei auf einen zentralen Server zu, der bestimmte Ressourcen anbietet. Im Fall des Auskunftssystems übernimmt der Client die Darstellung auf dem Display und ermittelt zudem den aktuellen Aufenthaltsort des Benutzers. Dazu verwendet er Informationen, die über Satellit gesendet werden. Die Angaben, die für die aufwändige Suche nach dem Wunschziel und den relevanten Fahrplänen gebraucht werden, übermittelt der Client an eine Server-Komponente.

Auf dem Server sind Daten gespeichert, die speziell zu diesem Zweck erstellt wurden, etwa die Koordinaten aller Haltestellen oder Fußwegverbindungen zu ausgewählten Orten. "Exemplarisch haben wir aus Wikipedia-Artikeln Angaben dazu entnommen, wo und wie Sehenswürdigkeiten zu finden sind", erklärt Dr. Ludwig. Die Einträge können fortlaufend erweitert werden, so dass jeder angeschlossene Client automatisch von den neuesten Informationen profitiert. Sowohl diese spezifischen Daten als auch verschiedene Informationsquellen aus dem Internet werden auf dem Server ausgewertet und an den Client übermittelt.

Ist eine Anfrage bearbeitet, zeigt das Display eine Liste mit Ergebnissen. Der Benutzer kann sie nach verschiedenen Kriterien sortieren lassen, beispielsweise nach der Entfernung zum derzeitigen Standort, und dann den Zielpunkt auswählen, der ihn am meisten interessiert. Ein Ziel, das häufiger angesteuert wird, kann auch auf dem Client gespeichert und von dort künftig abgefragt werden, ohne dass eine erneute Suche über den Server nötig ist.

Will der Benutzer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Ziel gelangen, weist er den Client auf seinem Handy an, seinen gegenwärtigen Aufenthaltsort und die Informationen zum ausgewählten Zielpunkt an den Server zu senden. Der ermittelt die besten Fahrpläne zur aktuellen Zeit und schickt diese wiederum zurück an den Client. Dort wird automatisch die nächste Verbindung ausgewählt und der Weg angegeben, der zur Starthaltestelle führt.

Ideal für Großveranstaltungen

"Diese Version würde sich ausgezeichnet für einen Touristen eignen, der in einer fremden Stadt eine individuelle zusammengestellte Rundfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln planen und zeitlich flexibel durchführen will", erläutert Dr. Ludwig. Grundsätzlich aber lassen sich die Methoden, die am Lehrstuhl für Künstliche Intelligenz erarbeitet wurden, für unterschiedliche Szenarien einsetzen. So könnte man die Anwendung mit entsprechenden Modifikationen etwa auf Massenveranstaltungen wie Messen oder örtlich verteilten kulturellen Veranstaltungen, wie den in letzter Zeit immer beliebteren Langen Nächten einsetzen. Die Besucher ließen sich zwischen den einzelnen Stationen von ihren Mobilgeräten lotsen und zusätzlich mit Informationen versorgen. Eine weitere Möglichkeit wäre es, auf dem Server regelmäßig die neuesten Informationen zu kulturellen Veranstaltungen, beispielsweise Konzerten oder Ausstellungen, zu hinterlegen und mit Wegbeschreibungen und Fahrplänen zu kombinieren, die die Veranstaltungsorte leicht erreichbar machen.

Weitere Informationen für die Medien:

Dr.-Ing. Bernd Ludwig
Tel.: 09131/85-29909
bernd.ludwig@informatik.uni-erlangen.de

Ute Missel | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erlangen.de/

Weitere Berichte zu: Client Handy Intelligenz Künstlich Navigation Server Verkehrsmittel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Brain-Computer-Interface: Wenn der Computer uns intuitiv versteht
18.01.2017 | Technische Universität Berlin

nachricht »Lernlabor Cybersicherheit« startet in Weiden i. d. Oberpfalz
12.01.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise