Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lernen in der Spinnstube

01.02.2007
Wenn Schüler aus Büchern lernen, finden sie das oft trocken und langweilig. Die Spinnstube dagegen ist äußerst unterhaltsam: Sie kombiniert die reale Welt mit virtuellen, dreidimensionalen Objekten und erklärt Schülern die Wissenschaft auf spielerische, anschauliche Weise.

Mit eigenen Augen verfolgt der Schüler, wie Fette und Eiweiße als virtuelle Objekte den Mundraum passieren, durch die Speiseröhre rutschen und im Magen verdaut werden. Statt Bücher zu wälzen, beobachtet er die Verdauungsprozesse virtuell. Möglich macht dies die Spinnstube, ein futuristisch anmutendes Lernlabor, das Forscher des Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS gemeinsam mit ihren Partnern im europäischen Projekt "ARiSE" entwickelt haben. Analog zur historischen Spinnstube können Schüler aus Rohmaterial etwas Neues entwickeln - und Ideen spinnen.

"Der Schüler sitzt vor einem schräg angebrachten, halbdurchlässigen Spiegel", sagt Jürgen Wind, Projektleiter am IAIS. "Unter dem Spiegel liegt ein Kunststoffmodell der Verdauungsorgane - vom Mund über den Magen bis zum Darm. Schaut der Schüler durch den Spiegel, sieht er das unter dem Spiegel liegende reale Modell, aber auch virtuelle Informationen." Diese virtuellen Informationen und Bilder, etwa die Zersetzung verschiedener Nährstoffe im Magen, werden von oben auf den Spiegel projiziert. Den Ort des Verdauungsprozesses, den er genauer anschauen will, steuert er über einen Marker an, den er an die entsprechende Stelle des Kunststoffmodells hält.

Doch wie gelingt es, das virtuelle Bild dreidimensional erscheinen zu lassen? "Der Computer stellt abwechselnd ein Bild für das rechte und eins für das linke Auge her, insgesamt 120 Bilder pro Sekunde", erklärt Wind. "Zudem trägt der Anwender eine Brille, die im gleichen Takt jeweils ein Brillenglas dunkel schaltet." Solch schnelle Bildwechsel können Augen und Gehirn gar nicht auflösen, vielmehr überlappen die eigentlich getrennt folgenden Bilder im Gehirn des Betrachters zu einem dreidimensional erscheinenden Objekt, ähnlich wie bei Stereoskopen oder 3-D-Kinos. Das Besondere: Die Hardware für die Projektion befindet sich hinter dem Schüler. Somit kann die Fläche vor ihm uneingeschränkt für die realen Modelle genutzt werden - wie im Beispiel für das Kunststoffmodell des Verdauungstraktes.

... mehr zu:
»IAIS »Kunststoffmodell »Spinnstube

"Die Einsatzmöglichkeiten der Spinnstube sind unbegrenzt", sagt Wind. "Neben Schulen könnte man sie in sämtlichen Entwicklungs- und Designprozessen für industrielle Produkte einsetzen." Auf der Messe LearnTec, die vom 13. bis 15. Februar in Karlsruhe stattfindet, präsentieren Wind und seine Kollegen ihre Erfindung erstmalig einem breiten Publikum (Halle 4, Stand D132).

Dr. Janine Drexler | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/fhg/press/pi/2007/02/Mediendienst22007Thema3.jsp

Weitere Berichte zu: IAIS Kunststoffmodell Spinnstube

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft
27.04.2017 | Kompetenzzentrum - Das virtuelle Fahrzeug Forschungsgesellschaft mbH

nachricht Ergonomie am Arbeitsplatz: Kamera erkennt ungesunde Bewegungen
24.04.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie