Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Musiksuche per Pfeifton

03.05.2001



Bonner Informatiker entwickeln Suchmaschinen für Musikstücke

"Ich habe da im Radio so ein Stück gehört, das mir total gut gefällt. Ich weiß aber nicht, wie es heißt - es klingt so ein bisschen wie von U2, aber der Sänger hat ’ne ganz andere Stimme..." Anfragen wie diese können den versiertesten CD-Verkäufer zur Verzweiflung bringen. Rettung ist in Sicht: Informatiker an der Universität Bonn haben ein Programm entwickelt, das anhand einer kurzen Notenfolge in Sekundenbruchteilen das entsprechende Musikstück "heraushört". In Zukunft soll der Computer sogar gesummte oder gepfiffene Melodiefragmente erkennen können. Auf ganz ähnlicher Technologie basiert ein System, das selbst feine Experten-Ohren übertrumpft: Es erkennt beispielsweise, ob die Aufzeichnung einer Symphonie vom Orchester der Bonner Beethovenhalle oder von den Berliner Philharmonikern stammt.

"notify!" heißt die pfiffige Software, die inhaltliche Anfragen an Musikstücke beantworten kann. "Sie können das Prinzip mit der Volltextsuche einer Internet-Suchmaschine vergleichen", erklärt Informatik-Professor Dr. Michael Clausen. Möchte man beispielsweise wissen, aus welchem Text der Satz "Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?" stammt, so wird man unter google.de oder yahoo.com schnell fündig - aha, Goethes "Erlkönig". Die Möglichkeit, durch Eingabe eines Musikfragments Informationen zum entsprechenden Titel zu finden, gab es dagegen bislang nicht.

"notify!" beherrscht diese Kunst - momentan allerdings nur, sofern der Benutzer die Kunst des Notenschreibens beherrscht: "Unser Programm arbeitet auf MIDI-Basis", erklärt der Wissenschaftler. "Der Nutzer gibt per Mausklick oder angeschlossenem MIDI-Keyboard die gesuchte Notenfolge ein." Auch mehrstimmige Musikanfragen lassen sich so stellen. In weniger als einer Zehntel Sekunde findet das System eine Folge von 10 Noten in einer Datenbank von mehr als 12.000 Musikstücken. Doch "notify!" ist nicht nur flott - "es ist auch ausgesprochen fehlertolerant", betont Clausens Mitarbeiter Dr. Frank Kurth. Und das muss es auch sein, wenn es in einem geplanten nächsten Schritt auch ins Mikrophon gesummte oder gepfiffene Anfragen beantworten soll. "Schließlich stimmt da der Rhythmus nie ganz, oder der Ton wird nicht genau getroffen", erläutert Kurth.

Gerade Musikwissenschaftler werden an der Suchmaschine ihre Freude haben - lässt sich mit ihr doch beispielsweise die Frage beantworten, wer alles Beethoven beklaute. Dabei findet das Programm die eingegebene Notenabfolge auch in solchen Stücken, in denen sie eine andere Tonhöhe hat oder im Takt an einer anderen Stelle beginnt. Sogar nach leichten Variationen des Themas kann der Nutzer suchen.

Kurth hat eine Software entwickelt, die deutlich genauer hinhört: "audentify!" identifiziert nicht nur das vorgespielte Klassik-Stück als "Vivaldis Vier Jahreszeiten" - sondern erkennt auch, dass es sich um die Version vom 15. März in der Bonner Beethoven-Halle handelt und nicht um die der Berliner Philharmoniker. Dennoch ist es robust gegen Veränderungen, wie sie beispielsweise bei der Aufnahme im Internet-Format mp3 entstehen. An "audentify!" sind momentan vor allem die Musikfirmen interessiert, da sich mit der Software Filter realisieren lassen, die den Austausch rechtlich geschützter Musikdateien im Internet kontrollieren.


Dass das kommerzielle Verwertungspotenzial der Software groß ist, belegen auch verschiedene Preise, die Clausen und Kurth in Unternehmerwettbewerben gewonnen haben. Die beiden Wissenschaftler planen nun, ihr Know-how über eine eigene Firma zu vermarkten. Musikkenner Clausen ist auf die Hilfe seines Programms selbst wohl nicht angewiesen. "Ich wollte ursprünglich sogar Musik studieren", gesteht der Wissenschaftler. "Aber mein Vater hielt das für brotlose Kunst."

Weitere Informationen: Prof. Dr. Michael Clausen, Institut für Informatik III der Universität Bonn, Tel.: 0228/73-4296, Fax: 0228/73-4402, E-Mail: clausen@cs.uni-bonn.de

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Frank Luerweg | idw

Weitere Berichte zu: Musikstück Musiksuche Suchmaschine

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Smart Living: VDE-Institut entwickelt Cloud-basierte interoperable Testplattform
15.02.2017 | VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.

nachricht Saarbrücker Informatiker machen „Augmented Reality“ fotorealistisch
15.02.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

Physikerinnen und Physiker diskutieren in Bremen über aktuelle Grenzen der Physik

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mehr Sicherheit für Flugzeuge

22.02.2017 | Messenachrichten

HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

22.02.2017 | Verkehr Logistik

Positronen als neues Werkzeug für die Forschung an Lithiumionen-Batterien: Löcher in der Elektrode

22.02.2017 | Energie und Elektrotechnik