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Trotz erkennbarer Fortschritte: Inklusion ist gefährdet

09.04.2014

Bertelsmann Stiftung: Anstieg der Schüler mit Förderbedarf um 10 Prozent /
Bundesländer entwickeln sich sehr unterschiedlich / Nationale Kraftanstrengung gefordert

In Deutschland gibt es immer mehr Schüler mit besonderem Förderbedarf. Seit sich Deutschland vor fünf Jahren dazu verpflichtet hat, Schüler mit und ohne Handicaps gemeinsam zu unterrichten, wurde bei 10 Prozent mehr Schülern bis zur zehnten Klasse besonderer Förderbedarf festgestellt (Anteil von 6,0 auf 6,6 Prozent gestiegen). Mehr als ein Viertel dieser Schüler besucht inzwischen eine reguläre Schule.

Zugleich geht jedoch der Anteil der Kinder, die in Sonderschulen unterrichtet werden, nicht zurück. Die Chancen dieser Förderschüler auf einen anschlussfähigen Schulabschluss sind nach wie vor schlecht: Im letzten Schuljahr verließen fast drei Viertel (73 Prozent) der betroffenen Schüler die Sonderschule ohne einen Hauptschulabschluss.

Das zeigt der aktuelle "Datenreport Inklusion“ der Bertelsmann Stiftung. „Die Sonderschule bleibt für zu viele Jugendliche eine Sackgasse. Ein Schulabschluss ist für die gesellschaftliche Teilhabe aber sehr wichtig", sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Positiv ist, dass sich die allgemeinen Schulen immer mehr für Förderschüler öffnen. Der so genannte Inklusionsanteil, der den Fortschritt beim gemeinsamen Unterricht belegt, hat sich in den vergangenen Jahren stetig vergrößert. Im Schuljahr 2012/13 besuchten 28,2 Prozent der insgesamt knapp eine halbe Million Förderschüler eine Regelschule.

Vor fünf Jahren lag der Inklusionsanteil noch bei 18,4 Prozent. Dennoch ist ein wirklich inklusives Schulsystem noch nicht in Sicht. Seit mehreren Jahren bleibt der Anteil der Förderschüler, die keine Regelschulen besuchen, konstant: Die Förderschulbesuchs- bzw. Exklusionsquote stagniert bei rund 4,8 Prozent. So wurde im Schuljahr 2008/09 bei 60 von 1.000 Schülern in Deutschland ein Förderbedarf diagnostiziert. Von diesen 60 Kindern besuchten 48 eine Förderschule.

Im vergangenen Schuljahr wurde bei 66 von 1.000 Kindern Förderbedarf festgestellt, von denen immer noch 48 auf eine Sonderschule gehen. "Von einem Systemwandel kann hier noch nicht die Rede sein, denn das Doppelsystem aus Regel- und Sonderschulen bleibt bestehen", sagte Dräger. "Der Anstieg der Schüler mit besonderen sonderpädagogischen Bedarfen deutet einen bisher verdeckten Förderbedarf an, für den jetzt zusätzliche personelle und finanzielle Ressourcen benötigt werden. Bleiben dann auch noch die bisher vorhandenen Ressourcen im Förderschulsystem gebunden, ist die Inklusion in den Regelschulen ernsthaft gefährdet."

Bei der Inklusion zeigt sich Deutschland als Flickenteppich. So haben in Mecklenburg-Vorpommern anteilig doppelt so viele Kinder Förderbedarf wie in Rheinland-Pfalz (10,1 versus 5,1 Prozent). In Bremen besuchen vier Mal so viele Schüler mit Behinderung eine reguläre Schule wie in Niedersachsen (63,1 versus 15 Prozent). Und in Sachsen-Anhalt gehen nahezu drei Mal mehr Schüler auf eine Sonderschule als in Schleswig-Holstein (7,1 versus 2,5 Prozent). "Inklusion ist die aktuell größte Herausforderung im deutschen Schulsystem. Damit Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf in den Regelschulen angemessen gefördert werden, brauchen wir konzeptionell wie finanziell eine nationale Kraftanstrengung von Bund und Ländern", sagte Jörg Dräger.

Methodik
"Update Inklusion" ist ein Datenreport zum Zwischenstand in Deutschland und seinen 16 Bundesländern auf dem Weg zu einem inklusiven Schulsystem. Er beschreibt durch die Analyse aktueller, öffentlich verfügbarer Daten den im Schuljahr 2012/13 erreichten Entwicklungsstand und dokumentiert die Entwicklung in den vergangenen fünf Jahren seit der Unterzeichnung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (auch: Behindertenrechtskonvention, BRK). Analysiert werden die ausgewählten Kennwerte Inklusionsanteil, Exklusionsquote, Förderquote und Sonderschulabgänger mit mindestens Hauptschulabschluss im Schuljahr 2012/13 im Verhältnis zu den Vorjahren.

Rückfragen an: Ulrich Kober, Telefon: 0 52 41 / 81 81598
E-Mail: ulrich.kober@bertelsmann-stiftung.de

Dr. Nicole Hollenbach-Biele, Telefon: 0 52 41 / 81 81541
E-Mail: nicole.hollenbach-biele@bertelsmann-stiftung.de

Weitere Infos: Den Datenreport „Update Inklusion“, die 16 Pressemitteilungen zu den Bundesländern, Presse-Grafiken und Schulportraits der aktuellen Jakob Muth-Preisträger als Beispiele guter inklusiver Schulen finden Sie unter:

Weitere Informationen:

http://www.bertelsmann-stiftung.de

Ute Friedrich | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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