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Trendumkehr in Europa: Geburten steigen

09.12.2009
Eltern entscheiden sich wieder früher für ein Kind

Erstmals seit dem Babyboom der 60er hat sich der Trend der rückläufigen Geburten umgekehrt. Das zeigen Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock (MPIDR) in der Zeitschrift Population and Development Review.

Lagen die Geburtenzahlen 2002 noch in 16 europäischen Ländern unter 1,3 Kindern pro Frau, so unterschritt 2008 nur Moldawien diese Marke. In der ehemaligen DDR ist diese Rate sogar doppelt so hoch als der Minimalwert von 0,77 im Jahr 1994.

Späte Elternschaft ist Auslaufmodell

Als wichtigste Ursache für den Anstieg sehen die Autoren einen rechnerischen Effekt, der in früheren Jahren ein verzerrtes Bild von extrem niedrigen Geburtenziffern geliefert hätte. "Seit den 90er Jahren verschieben Eltern den Zeitpunkt der Geburt des ersten Kindes nach hinten. Da diese Tendenz nun abflaut, erholen sich die Geburtenraten", berichtet Studien-Mitautor Thomas Sobotka vom Institut für Demografie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften http://www.oeaw.ac.at/vid gegenüber pressetext. Dieser Faktor könne etwas mehr als die Hälfte des aktuellen Anstiegs an Geburten erklären.

Der Rest geht laut dem Wiener Demografen auf das Zusammenwirken mehrerer Umstände zurück. "Einerseits unterstützen die Regierungen aller Länder Europas Eltern heute mehr als früher und erleichtern daher die Entscheidung für Kinder. Ein kleiner Einfluss haben auch noch immer die höhere Fertilität der Zuwanderer sowie die positive wirtschaftliche Entwicklung seit der Jahrtausendwende. Die Folgen der Wirtschaftskrise können derzeit noch nicht gezeigt werden." Nicht messbar sei, wie offen eine Gesellschaft mit Kindern umgehe.

Wirtschaftskrise als Geburtenhemmer

Es sei zu erwarten, dass die Wirtschaftskrise die Geburtenzahl wieder sinken lasse. "Für die nächsten zwei bis drei Jahre ist ein leichter Rückgang um bis zu fünf Prozent zu erwarten", so Sobotka. Mitspielen dürfte dabei besonders die schlechtere Jobsituation, mehren sich doch die Hinweise, dass Frauen beim Arbeitsplatz-Verlust häufig die Schwangerschaft auf später verschieben (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/090817033/ ). In den meisten Ländern sanken mit steigender Arbeitslosigkeit die Geburten, wie auch etwa in Spanien und Polen diese Rate genau dann wieder nach oben kletterte, als sich die Jobsituation besserte.

Dennoch muss eine Krise nicht immer die Geburten beeinträchtigen, berichtet Sobotka. "Das Beispiel Finnland zeigt, dass die Familienpolitik besonders in Krisenzeiten starken Einfluss haben kann. Die Geburten stiegen in dem skandinavischen Land in den 90ern trotz der damals wirtschaftlich schwierigen Lage. Damals erleichterte die Regierung den Eltern das Daheimbleiben bei den Kindern bis zum dritten Geburtstag durch finanzielle Unterstützungen, da es zuwenig Betreuungsplätze gab." Dass nicht allein die Wirtschaft zählt, verdeutliche auch die steigenden Geburtenziffer in Ungarn in Zeiten zunehmender Arbeitslosigkeit.

Deutschsprachige Länder im Hintertreffen

In den deutschsprachigen Ländern, die sich schon seit 35 Jahren durch niedrige Fruchtbarkeit kennzeichnen, erkennt Sobotka allerdings auch in den vergangenen acht Jahren keinen bedeutenden Anstieg der Geburten. "In diesen Ländern ist die freiwillige Kinderlosigkeit wie auch ihre gesellschaftliche Akzeptanz außergewöhnlich hoch. Außerdem spielen hier auch teilweise fehlende Plätze für die Betreuung von Kleinkindern eine Rolle." Regionale Unterschiede seien jedoch stark, wie das Beispiel Ostdeutschland zeige.

Download der Originalstudie unter http://www.mpg.de/pdf/pri/Goldstein_Article.pdf

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.demogr.mpg.de

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