Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schwieriges Wachstum

12.11.2010
Bevölkerungsdynamik – das vergessene Thema der Entwicklungspolitik
Afrikas Wirtschaft boomt. In vielen Ländern wächst die Mittelschicht und mit ihr die Kaufkraft.

Damit ist Afrika für Investoren interessant geworden: In nur einem Jahrzehnt haben sich die Direktinvestitionen auf dem Kontinent beinahe versiebenfacht.

Doch der Aufschwung vollzieht sich keineswegs überall in Afrika. Afrika südlich der Sahara ist noch immer die ärmste Region der Welt. Gleichzeitig wächst die Bevölkerung hier am stärksten. Das beeinträchtigt die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Trinkwasser und Energie, das Angebot an Krankenhausbetten, Schul- und Arbeitsplätzen sowie das friedliche Zusammenleben der Menschen. Das neue Discussion Paper „Schwieriges Wachstum“ des Berlin-Instituts erklärt, wie die demografische Situation eines Landes und seine sozioökonomische Entwicklung zusammenhängen.

Vor einem halben Jahrhundert war die Ausgangslage in Ostasien ähnlich schlecht wie heute in Subsahara-Afrika: Die Kinderzahlen waren hoch, der Entwicklungsstand niedrig. Damals rechnete kaum ein Experte damit, dass China eines Tages zur Weltmacht aufsteigen und die Wirtschaft der meisten ostasiatischen Länder rekordverdächtig wachsen könnte. Das Discussion Paper „Schwieriges Wachstum“ stellt die Entwicklungslage in Afrika und Asien einander gegenüber und geht der Frage nach, warum ein Land wie Südkorea heute zu den 15 reichsten Nationen der Welt zählt und warum der afrikanische Sahelstaat Niger bei Entwicklungsrankings stets den letzten Platz belegt.

Die Antwort lautet, dass Südkoreas Politik der Altersstruktur der Bevölkerung Rechnung getragen hat: Der Tigerstaat hat vor Jahrzehnten Familienplanung propagiert und in seine vielen jungen Menschen investiert, sie ausgebildet und Arbeitsplätze geschaffen. Weil in der Folge die Geburtenraten sanken, übertraf die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter schließlich die Zahl der wirtschaftlich abhängigen jüngeren und älteren Menschen stark. In Niger werden dagegen immer noch durchschnittlich sieben Kinder pro Frau geboren. Auf jeden Erwachsenen kommt ein Kind unter 15 Jahren, das versorgt werden muss. Kaum jemand kann lesen oder schreiben, und außerhalb der Landwirtschaft sind Arbeitsplätze rar. Das starke Bevölkerungswachstum bremst jegliche Entwicklungsbemühungen des Landes.

Die Entwicklungspolitik umschifft seit Jahrzehnten den Zusammenhang zwischen hohen Kinderzahlen und wirtschaftlicher Rückständigkeit. Sie ignoriert weitgehend die Tatsache, dass die hohe Geburtenrate eines Landes die Ursache vieler Entwicklungsprobleme bildet, weil das Thema Bevölkerungspolitik auch aus historischen Gründen umstritten und deshalb heikel ist. Entscheidungen über die Größe der Familie werden immer auf der individuellen Ebene getroffen und müssen freiwillig erfolgen. Staatliche Familienplanungsprogramme wie etwa die chinesische Ein-Kind-Politik verletzen diese Menschenrechte.

Die Politik kann jedoch die Rahmenbedingungen beeinflussen, unter denen Frauen und Männer sich für mehr oder weniger Kinder entscheiden. Wenn ein Staat beispielsweise Bildung und Frauenerwerbstätigkeit fördert, so wirkt sich das auf die Geburtenraten aus. Denn Frauen, die gebildet oder finanziell unabhängig sind, bekommen in der Regel später und weniger Kinder. Gleichzeitig trägt die stärkere Teilhabe von Frauen am Arbeitsmarkt zur wirtschaftlichen Entwicklung bei.

Neben der Kinderzahl verlangen zwei weitere Aspekte der demografischen Entwicklung in der Entwicklungszusammenarbeit Beachtung: die Alterung vieler Gesellschaften und die Migration. Zum einen dürften bis 2050 weltweit etwa 1,5 Milliarden Menschen leben, die älter als 64 Jahre sind – drei Viertel von ihnen in den heutigen Entwicklungsländern, in denen es in der Regel keine funktionierenden Gesundheits- und Sozialsysteme gibt. Zum anderen haben zurzeit insgesamt rund 214 Millionen internationale Migranten ihre Heimat verlassen. Die meisten von ihnen ziehen von einem Entwicklungsland in ein anderes, weshalb die Aufnahmeländer zunehmend damit überfordert sind, die Zuwanderer zu integrieren.

Dr. Margret Karsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.berlin-institut.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Daseinsvorsorge in Stadt und Land sichern
08.11.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

nachricht 3, 2, 1, meins: Kaufentscheidungen im Labor erforscht
28.08.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gammastrahlungsblitze aus Plasmafäden

Neuartige hocheffiziente und brillante Quelle für Gammastrahlung: Anhand von Modellrechnungen haben Physiker des Heidelberger MPI für Kernphysik eine neue Methode für eine effiziente und brillante Gammastrahlungsquelle vorgeschlagen. Ein gigantischer Gammastrahlungsblitz wird hier durch die Wechselwirkung eines dichten ultra-relativistischen Elektronenstrahls mit einem dünnen leitenden Festkörper erzeugt. Die reichliche Produktion energetischer Gammastrahlen beruht auf der Aufspaltung des Elektronenstrahls in einzelne Filamente, während dieser den Festkörper durchquert. Die erreichbare Energie und Intensität der Gammastrahlung eröffnet neue und fundamentale Experimente in der Kernphysik.

Die typische Wellenlänge des Lichtes, die mit einem Objekt des Mikrokosmos wechselwirkt, ist umso kürzer, je kleiner dieses Objekt ist. Für Atome reicht dies...

Im Focus: Gamma-ray flashes from plasma filaments

Novel highly efficient and brilliant gamma-ray source: Based on model calculations, physicists of the Max PIanck Institute for Nuclear Physics in Heidelberg propose a novel method for an efficient high-brilliance gamma-ray source. A giant collimated gamma-ray pulse is generated from the interaction of a dense ultra-relativistic electron beam with a thin solid conductor. Energetic gamma-rays are copiously produced as the electron beam splits into filaments while propagating across the conductor. The resulting gamma-ray energy and flux enable novel experiments in nuclear and fundamental physics.

The typical wavelength of light interacting with an object of the microcosm scales with the size of this object. For atoms, this ranges from visible light to...

Im Focus: Wie schwingt ein Molekül, wenn es berührt wird?

Physiker aus Regensburg, Kanazawa und Kalmar untersuchen Einfluss eines äußeren Kraftfeldes

Physiker der Universität Regensburg (Deutschland), der Kanazawa University (Japan) und der Linnaeus University in Kalmar (Schweden) haben den Einfluss eines...

Im Focus: Basler Forschern gelingt die Züchtung von Knorpel aus Stammzellen

Aus Stammzellen aus dem Knochenmark von Erwachsenen lassen sich stabile Gelenkknorpel herstellen. Diese Zellen können so gesteuert werden, dass sie molekulare Prozesse der embryonalen Entwicklung des Knorpelgewebes durchlaufen, wie Forschende des Departements Biomedizin von Universität und Universitätsspital Basel im Fachmagazin PNAS berichten.

Bestimmte mesenchymale Stamm-/Stromazellen aus dem Knochenmark von Erwachsenen gelten als äusserst viel versprechend für die Regeneration von Skelettgewebe....

Im Focus: Basel researchers succeed in cultivating cartilage from stem cells

Stable joint cartilage can be produced from adult stem cells originating from bone marrow. This is made possible by inducing specific molecular processes occurring during embryonic cartilage formation, as researchers from the University and University Hospital of Basel report in the scientific journal PNAS.

Certain mesenchymal stem/stromal cells from the bone marrow of adults are considered extremely promising for skeletal tissue regeneration. These adult stem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Mai zum 7. Mal an der Hochschule Stralsund

12.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Aus dem Labor auf die Schiene: Forscher des HI-ERN planen Wasserstoffzüge mit LOHC-Technologie

19.04.2018 | Verkehr Logistik

Neuer Wirkmechanismus von Tumortherapeutikum entdeckt

19.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics