Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

SAPV oder: Zum Sterben zuhause bleiben können

01.06.2012
Aufbauend auf den Ergebnissen einer umfassenden sozialwissenschaftlichen Analyse der spezialisierten ambulante Palliativversorgung in Bayern untersucht ein vom Augsburger Soziologen Prof. Dr. Werner Schneider geleitetes Forschungsteam jetzt in einer Anschluss-Studie speziell die Struktur- und Prozesseffekte der SAPV.

Unmittelbar anküpfend an seine jüngst abgeschlossene explorative Begleitstudie über die "Wirksamkeit und Qualitätssicherung in der SAPV-Praxis", die die Spezialisierte Ambulante PalliativVersorgung (SAPV) aus einer umfassenden sozialwissenschaftlichen Perspektive untersuchte, leitet der Augsburger Soziologe Prof. Dr. Werner Schneider jetzt ein wieder auf zwei Jahre angelegtes Anschlussprojekt, das - gefördert vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit und von der Paula Kubitscheck-Vogel-Stiftung - speziell über Struktur- und Prozesseffekte der SAPV in Bayern Aufschluss geben soll.

Schwerstkranke und Sterbende, bei denen ein komplexes Symptomgeschehen bei weit fortgeschrittener, fortschreitender und in absehbarer Zeit zum Tode führender Erkrankung vorliegt, haben seit 2007 den gesetzlichen Anspruch auf eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV), in deren Rahmen spezialisierte, multiprofessionelle Palliativteams entsprechende Leistungen erbringen.

Sicherheit in der häuslichen Betreuungssituation

In 2011/12 untersuchte ein multidisziplinäres Forschungsteam unter der Leitung Werner Schneiders in enger Kooperation mit bayerischen SAPV-Diensten bzw. Palliativteams erstmalig in Deutschland diese neue Versorgungsform aus einer umfassenden sozialwissenschaftlichen Perspektive. Deutlich wurde dabei, dass die SAPV - neben der Linderung körperlicher Symptomatik - eine umfassende Versorgung und Betreuung in der existenziellen Krisensituation am Lebensende leisten muss, um wirksam sein zu können. Wesentlich sind neben einer erfolgreichen Schmerzbehandlung vor allem die Schaffung von Sicherheit für die Patientin oder den Patienten und die Angehörigen in der häuslichen Betreuungssituation sowie das möglichst lange Aufrechterhalten von gewohnten Alltagsroutinen und -ritualen trotz fortschreitender Krankheit.

In 4 von 5 Fällen erfüllbar: der Wunsch "zuhause bleiben zu können"

Interviews mit Patienten und Angehörigen sowie die Auswertung von knapp 1.500 Patientenbögen haben gezeigt: SAPV ermöglicht ein Sterben zuhause auch für solche Patienten, deren Krankheits- und Lebenssituation durch eine komplexe Symptom-/Problemlast gekennzeichnet ist. Sie vermeidet Notarzteinsätze am Lebensende und reduziert die Notwendigkeit von Klinikeinweisungen weitestgehend. Geht man davon aus, dass die Erfüllung des Patientenwunsches ein Qualitätsmerkmal von "Palliative Care" darstellt, konnte in weit über 80 Prozent der dokumentierten Fälle dem Wunsch, "zuhause bleiben zu können", entsprochen werden.

Palliativversorgung im ländlichen Raum

Auf der Grundlage dieser Ergebnisse der ersten Studie zur Wirksamkeit und Qualitätssicherung in der SAPV-Praxis (ausführlichere Zusammenfassung als Anhang) werden von Schneider und seinen Kooperationspartnern nun in einer neuen Studie die Struktur- und Prozesseffekte der SAPV in Bayern untersucht. Das im April 2012 gestartete Projekt wird sich in den kommenden beiden Jahren insbesondere mit Fragen der Abgrenzung von SAPV und AAPV (Allgemeine Ambulante PalliativVersorgung) und mit der Palliativversorgung im ländlichen Raum beschäftigen. Über die Betreuungspraxis der Patienten und ihrer Angehörigen hinaus werden insbesondere auch strukturelle Aspekte der Dienste wie z. B. betriebswirtschaftliche Faktoren, Personalausstattung und Finanzierungsmodelle in den Blick genommen.

Die neue SAPV-Studie soll - erneut über reine Versorgungsforschung hinausreichend - vor allem für den ländlichen Raum Möglichkeiten und Grenzen der Erhaltung von Lebensqualität und Selbstbestimmung am Lebensende sowohl in qualitativer wie auch in quantitativer Hinsicht explorieren und Aussagen über die aktuelle Praxis in verschiedenen SAPV-Versorgungsszenarien ermöglichen.

Bundesweit umfassendste Untersuchung

Wie bei Ihrer Vorgängerin handelt es sich bei der jetzt angelaufenen Anschluss-Studie um die bundesweit aktuell umfassendste sozialwissenschaftliche Untersuchung der Praxis der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung. Das Projekt wird mit insgesamt 140.000 Euro vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit und von der Paula Kubitscheck-Vogel-Stiftung gefördert.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Werner Schneider
Philosophisch-Sozialwissenschaftliche Fakultät
Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon 0821/598-5570 oder -5679
werner.schneider@phil.uni-augsburg.de

Klaus P. Prem | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-augsburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie