Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehrkinderfamilien oft in Finanznöten

08.03.2010
Forscher zeigen Alltag von kinderreichen Familien

Familien mit mehr als zwei Kindern sind häufig in finanziellen Notsituationen. Davor warnen Forscher des Deutschen Jugendinstituts, die im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Studien verglichen, die den Alltag von Mehrkinderfamilien untersuchen.

"Für das Familienklima sowie für die Beziehungsqualität der Eltern spielt die Kinderzahl keine Rolle. Allerdings sind Mehrkinderfamilien häufig mit finanziellen Nachteilen und einem schlechten Image in der Gesellschaft konfrontiert", berichtet Studienautorin Barbara Keddi im pressetext-Interview.

Engpässe wegen fehlender Erwerbstätigkeit

Einbußen haben Mehrkinderfamilien vor allem, da die Mütter meist nicht erwerbstätig sind oder es nicht sein können. "Das ist vor allem der Fall, wenn die Eltern sehr jung sind und nur niedrigen oder keinen Bildungsabschluss besitzen. Sind dann auch Väter nur gering qualifiziert oder nicht erwerbstätig, oder sind die Mütter Alleinerzieherinnen, rutschen viele in die Armut ab", so die Münchner Jugendforscherin. Generell sei die Arbeitsteilung in Mehrkinderfamilien deutlich traditioneller als in Ein- und Zweikinderfamilien strukturiert, was Erwerbsleben, Haushalt, Kinderbetreuung und Erziehung betrifft.

Mehrere Handlungsempfehlungen an die Politik leiten die Autoren daraus ab. Sinnvoll sei ein Mix aus flexiblen, verlässlichen und bedarfsgerechten Betreuungsmöglichkeiten für Kinder jeden Alters sowie gezielte monetäre Förderung für die häufig jungen Mütter und Väter. Die Möglichkeiten der Weiterqualifizierung für junge Mütter und Väter sollten ausgebaut werden - ist dies doch meist eine Voraussetzung dafür, dass Familien ihre Lebensbasis durch Erwerbstätigkeit materiell absichern können, zudem stärkt dies Entwicklung und Sozialisation der Kinder. "Es fehlt auch an Beratung für Patchwork-Mehrkinderfamilien, die immer häufiger werden", erklärt Keddi.

Zwei Kinder sind Norm

Laut den Ergebnissen der Studie orientieren sich heute mehr als die Hälfte der 20- bis 39-Jährigen in der Familienplanung an der Zwei-Kind-Familie, 15 Prozent wünschen sich mehr Kinder. Tatsächlich haben derzeit 10,6 Prozent der Paare in Westen Deutschlands und 7,5 Prozent im Osten drei Kinder, während vier Kinder mit 3,3 bzw. 2,1 Prozent die Ausnahme darstellen. Mehrkinderfamilien leben meist in ländlichen Gebieten, im Falle eines Migrationshintergrundes - wobei der Anteil mit mehreren Kindern deutlich größer ist - eher in der Stadt.

Fast alle Paare, die mehr als zwei Kinder haben, wünschen sich meist schon vor der Heirat eine große Familie. Faktoren, die den Wunsch einer großen Kinderzahl begünstigen, sind laut Studie eine stabile Partnerschaft, eine aktiv gelebte Religiosität sowie eigene Erfahrung mit mehreren Geschwistern. Paare, die zwei Kinder anpeilen, sehen darin hingegen die "ideale Kinderzahl schon erreicht", fürchten große finanzielle Belastungen durch weitere Kinder, fehlende Freiräume oder Nachteile für die berufliche Entwicklung.

Schlechtere Bildungschancen, bessere soziale Kompetenz

Keine eindeutigen Ergebnisse liefert die Studie für die Frage, wie die Geschwisterzahl die Entwicklung eines Kindes bestimmt. "Generelle Empfehlungen gibt es nicht. Man kann jedoch erkennen, dass die Bildungschancen umso größer sind, je kleiner die Kinderzahl ist. Bei mehr Kindern sind diese meist ausdifferenziert in unterschiedliche Bildungswege", so Keddi. Soziale Kompetenzen sowie die Selbstständigkeit entwickeln Kinder mit mehreren Geschwistern schneller, zudem helfen sie mehr im Haushalt und bei der Betreuung der Geschwister mit. Allerdings erhalten Einzelkinder am meisten Zeit und Förderung der Eltern.

Der Rückgang großer Familien ist der Hauptgrund des allgemeinen Geburtenrückgangs. Allerdings ist er kein neues Phänomen. "Rückgänge waren historisch schon in den 1920er-, dann wiederum in den 50er- und 60er-Jahren zu verzeichnen", betont die Familienforscherin. Nicht haltbar dürfte allerdings die weit verbreitete Ansicht sein, es hätte früher nur kinderreiche Familien gegeben. "Untersuchungen der Familiengröße der vorindustriellen Zeiten zeigen, dass etwa in Städten wie London oder Frankfurt zwei bis drei Kinder durchaus normal waren."

Kurzfassung und Download der kompletten Studie unter http://www.dji.de/cgi-bin/projekte/output.php?projekt=977&Jump1=LINKS&Jump2=15

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.dji.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Daseinsvorsorge in Stadt und Land sichern
08.11.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

nachricht 3, 2, 1, meins: Kaufentscheidungen im Labor erforscht
28.08.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik