Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kinder psychisch kranker Eltern leiden auch - aber wie?

29.07.2011
Neues Diagnoseinstrument "Resilienzkarte" praxistauglich. "Vergessene Kinder" finden Beachtung

Für Kinder psychisch erkrankter Eltern steht nun erstmals ein Instrument zur Einschätzung ihrer Belastungssituation zur Verfügung: Die "Resilienzkarte" bietet SozialarbeiterInnen, PädagogInnen und MedizinerInnen eine Methode, individuellen Handlungsbedarf aufzuzeigen.

Neu daran ist der positive Zugang: Die persönlichen Stärken der Kinder werden gefördert und deren Schutzfaktoren wie unterstützende Alltagsstrukturen gefestigt. Nun haben die ForscherInnen der FH St. Pölten diese "Resilienzkarte" für die praktische Anwendung im Sozialbereich weiterentwickelt. Das erfolgte im Kontext von "Kids Strengths", einem geförderten, internationalen EU-Projekt, das die Situation dieser "vergessenen Kinder" aufzeigt und umfassende Hilfestellungen für alle Betroffenen bietet.

Wenn die Mama den ganzen Tag im Bett liegt, verstehen Kinder ihre Welt nicht mehr. Solche oder ähnliche Situationen erleben Kinder psychisch erkrankter Eltern - und die einhergehenden Belastungen können weitreichende Folgen für ihr späteres Leben haben. Wie sehr die betroffenen Kinder unter den außergewöhnlichen Lebensbedingungen leiden, stand bisher kaum im Fokus der Aufmerksamkeit seitens der psychosozialen Betreuung.

Um die Situation der Kinder und ihren Zustand nun adäquat einschätzen und beurteilen zu können, steht jetzt ein neues Instrument zur Verfügung: die Resilienzkarte. Dieses klinische Einschätzungsinstrument wurde in dem internationalen EU-Projekt "Kids Strengths" von den SozialarbeitsforscherInnen am Ilse Arlt Institut der FH St. Pölten so weiterentwickelt und evaluiert, dass es ab sofort in der Praxis eingesetzt werden kann.

RESILIENZKARTE - EINE AMPEL FÜR VERGESSENE KINDER

"Es handelt sich hier um einen ganz neuen Zugang, der sehr praktikabel in der Anwendung ist", sagt FH-Professorin DSA Mag. (FH) Christine Haselbacher, die Projektleiterin der FH St. Pölten. "Denn mit der Resilienzkarte werden nicht nur Belastungen und kritische Punkte erhoben, sondern in erster Linie Augenmerk auf die vorhandenen Ressourcen der Kinder und deren Beziehungen gelegt. Diese werden dann in der anschließenden Betreuung besonders gestärkt." Die Resilienzkarte setzt also dort an, wo die Kinder in der Problembewältigung ihre eigenen Charakterstärken einsetzen und positive Strukturen in ihrem Umfeld sie stützen können.

Dazu geben die Betreuenden wie etwa SozialarbeiterInnen, EntwicklungspsychologInnen, KindergartenpädagogInnen, Verwandte aber auch der belastete Elternteil in Interviews ihre Beobachtungen und Einschätzungen zum Alltag, dem Befinden und Verhalten des Kindes ab. Die Ergebnisse dieser Gespräche werden dann in einem Kategorien-Schema zusammengeführt. Es erfasst 22 verschiedene Faktoren wie zum Beispiel die Verfügbarkeit von Bezugspersonen, die soziale Kompetenz des Kindes, oder dessen Informationsstand über die psychischen Erkrankungen des Elternteils. Diese werden individuell bewertet und drei Kategorien zugeordnet: Stärken, Belastungen und neutraler Bereich. Damit visuell leicht erfassbar wird, ob und welcher Handlungsbedarf besteht, entsteht dann eine schematische Darstellung in Form eines Spinnennetzes. Das Zentrum des Spinnennetzes ist kreisförmig rot eingefärbt und verzeichnet die problematischen Aspekte; darauf folgen ein gelber und ein grüner Ring, in denen die latenten Belastungen bzw. die Stärken eingetragen werden. So entsteht eine praktikable Basis für die weitere Auswahl von adäquaten Betreuungsmaßnahmen.

HILFE HEUTE & MORGEN

"In der Betreuung stellt sich für SozialarbeiterInnen die Frage, wie der grüne Bereich - also alle positiven Indikatoren - verstärkt werden können, bzw. wo akuter Handlungsbedarf besteht. Darauf bauen dann die weiteren Betreuungsschritte und Maßnahmen auf", erklärt Frau Mag. (FH) Andrea Viertelmayer, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Projekts, das unter der Konsortialführerschaft von S.I.N.N. Evaluation - Sozial Innovatives Netzwerk steht. Sie vermittelt den Studierenden den effektiven Einsatz der Resilienzkarte bereits in den Studiengängen des Bereichs Soziale Arbeit an der FH St. Pölten. Mit ihrem Engagement nehmen die WissenschaftlerInnen europaweit eine Vorreiterrolle ein. Sie machen sich auch dafür stark, dass das neue Instrument künftig zum Standard-Repertoire von Aus- und Weiterbildungen im Sozialbereich gehört - einer von vielen Schritten, die dafür sorgen, dass die Bezeichnung "vergessene Kinder" bald obsolet wird.

Über die Fachhochschule St. Pölten
Die Fachhochschule St. Pölten ist Anbieterin praxisbezogener und leistungsorientierter Hochschulausbildung in den Bereichen Technologie, Wirtschaft und Gesundheit & Soziales. In mittlerweile 16 Studiengängen werden mehr als 1800 Studierende betreut. Neben der Lehre widmet sich die FH St. Pölten intensiv der Forschung. Die wissenschaftliche Arbeit erfolgt innerhalb der Studiengänge sowie in eigens etablierten Instituten, in denen laufend praxisnahe und anwendungsorientierte Forschungsprojekte entwickelt und umgesetzt werden.
Über das EU-Projekt "Kids Strengths"
Das Projekt Kids Strengths wird von der Europäischen Union innerhalb des Programms Leonardo da Vinci - Lifelong Learning unterstützt (EU-Projekt Nr. 2009-1-AT-LEO05-01199). Das Projekt wird von S.I.N.N. - Sozial Innovatives Netzwerk (AT) koordiniert und umfasst folgende Partnerinstitutionen: Projektbüro für innovative Sozialpolitik (AT), Marie Curie Assocation (BG), The National Institute for Health and Welfare (FI), Netz und Boden - Initiative for Children and Mentally Ill Parents (DE), Eötvös Loránd University Faculty of Elementary and Nursery School Teachers' Training (HU), University of Minho (PT), Comenius University in Bratislava (SK), University of Presov (SK), University Complutense of Madrid (ES), Kütahya Local Education Directorate (TR), Fachhochschule St. Pölten (AT).

Online-Plattform: http://www.strong-kids.eu

Pressetext zum Download verfügbar unter: http://www.fhstp.ac.at/ueberuns/presse/presseaussendungen

Kontakt FH St. Pölten:
Mag.(FH) Christine Haselbacher, DSA
Fachhochschule St. Pölten
Ilse Arlt Institut für Soziale Inklusionsforschung Matthias Corvinus-Str. 15
3100 St. Pölten
T +43 / (0) 2742/ 313 228 - 517
M +43 / (0) 676 / 847 228 - 517
E christine.haselbacher@fhstp.ac.at
W http://www.fhstp.ac.at
Redaktion & Aussendung:
PR&D - Public Relations
für Forschung & Bildung
Mariannengasse 8
1090 Wien
T +43 / 1 / 505 70 44
E contact@prd.at
W http://www.prd.at

Reinhild Wohltan | PR&D - Public Relations
Weitere Informationen:
http://www.fhstp.ac.at
http://www.strong-kids.eu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie