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HSG treibt berufliche Integration von Menschen mit Behinderung voran

06.11.2009
Die Universität St.Gallen (HSG) und die Stiftung MyHandicap haben heute das Center for Disability and Integration (CDI-HSG) eingeweiht. Mit der Veranstaltung "Commitment to Action: Providing Opportunities for People with Disabilities" riefen die HSG-Forscher sämtliche Bereiche der Gesellschaft und insbesondere Unternehmer dazu auf, mehr Menschen mit Behinderung zu beschäftigen.

Als Ehrenschirmherr der Stiftung MyHandicap, die mit einer privaten Zuwendung die Gründung des CDI-HSG ermöglicht hat, brachte Bill Clinton bei der Eröffnungsrede zum Ausdruck, dass das neue Center einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Lebenssituation von Menschen mit Behinderung leiste, sowohl in der Schweiz als auch in Europa.

Dies trage dazu bei, von einem "System der Hilflosigkeit zu einem System der Selbstverwirklichung" zu kommen. Clinton zeigte sich überzeugt, dass sich die dringendsten politischen und gesellschaftlichen Probleme nur gemeinsam von Regierungen, der Privatwirtschaft und Nichtregierungsorganisationen lösen lassen. Der Ansatz der Clinton Global Initiative (CGI), "Commitment to Action", sei daher ein globales Anliegen: Die Verpflichtung, die Zielsetzung der sozialen Verantwortung von Unternehmen in konkrete Ergebnisse umzusetzen.

"The establishment of this centre reflects two very large developments that are going on in society today. The first is to attempt to empower the disabled, the second is the ability to do it through the rise of non-governmental organizations," sagte Clinton in Bezug auf die grosszügige finanzielle Unterstützung der MyHandicap Stiftung, für das CDI-HSG. "We have a lot to learn from brave people with disabilities...it is a form of unconscionable arrogance to consign people, whose disabilities are more physically obvious than others, to be anything less than they can be. This centre is designed to change that," sagte Clinton anlässlich der Einweihungsfeier.

Herausforderung für Sozialsysteme
Die Regierungen der OECD-Länder sind zunehmend beunruhigt über den Anstieg der Anzahl von Invalidenrentenbezügern. In den OECD-Ländern beziehen mehr als fünf Prozent der Bevölkerungs-gruppe zwischen 20 und 64 Jahren Invalidenrente (GB: 7%; Deutschland: 4.4%; Schweiz: 5.4%).

Der wachsende Anteil von Menschen mit Behinderung stellt für die Sozialversicherungssysteme eine grosse Herausforderung dar. 2004 entsprachen allein die Gesamtausgaben für Invalidenrenten in sämtlichen OECD-Ländern einem Prozent des BSP (GB: 1.5%; Schweiz: 2.25%). Dies ist eine gewaltige Bindung von Ressourcen - zum Beispiel beinahe dreimal so viel wie die Ausgaben für die Arbeitslo-senunterstützung. Trotzdem sind die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der Ausrichtung von Behindertenunterstützung sowie die Integration und Reintegration von Menschen mit Behinde-rungen in die erwerbstätige Bevölkerung von der Hochschulforschung in der Vergangenheit weitest-gehend unbeachtet gelassen worden.

Der Begriff "Behinderung" schliesst hier nicht nur körperliche und geistige Behinderungen ein, sondern umfasst auch psychische Behinderungen, wie zum Beispiel Depression oder Burnout. Auffällig hierbei: Die Anzahl der Menschen mit psychischen Leiden steigt beständig. Betroffen sind hier insbesondere hochqualifizierte Arbeitskräfte. Die Folgen: Weltweit wird die Anzahl langfristig behinderter Menschen steigen.

Wissenslücken schliessen
Das Center for Disability and Integration (CDI-HSG) der Universität St.Gallen (HSG) beabsichtigt, die Wissenslücke auf dem Gebiet der Handicap-Forschung zu schliessen. Zu diesem Zweck vereint es die Gebiete der Betriebs- und Volkswirtschaft, der Organisationspsychologie sowie der Angewandten Disability Forschung zur Förderung der nachhaltigen ökonomischen und sozialen Integration von Menschen mit Behinderung. So untersucht das CDI-HSG zum Beispiel, wie Sozialversicherungs-systeme strukturiert sein könnten, was für Anreize die Arbeitgeber zur Anstellung von Menschen mit Behinderung bewegen und wie diese in die Unternehmenskultur eingebunden werden können.

Die Gründung des CDI-HSG wurde durch eine grosszügige Zuwendung des deutschen Internet-Unternehmers Joachim Schoss ermöglicht, der bei einem Motorradunfall den rechten Arm und das rechte Bein verlor. Schoss ist Gründer und Präsident der Stiftung MyHandicap, deren Ehrenschirmherr Bill Clinton ist.

Integration ist wirtschaftlich sinnvoll
Joachim Schoss unterstützt die Initiative "Commitment to Action". Seiner Ansicht nach sollen dabei mitleidsbasierte Beschäftigungsmodelle weniger im Vordergrund stehen. Vielmehr können Menschen mit Behinderung wertvolle Mitarbeiter sein und es bestehen triftige wirtschaftliche Gründe zu ihrer Beschäftigung. "Die Integration von Menschen mit Behinderungen in die erwerbstätige Bevölkerung ist wirtschaftlich sinnvoll, und es gibt reichlich Hinweise darauf, dass sie für die betroffenen Personen äusserst positiv ist. Es gilt, die Arbeitgeber davon zu überzeugen, so dass die den Nutzen der Beschäf-tigung von Menschen mit Behinderung ebenfalls nachvollziehen können", sagte Schoss.

Mit der Initiative "Commitment to Action: Providing Opportunities for People with Disabilities" will das CDI-HSG Unternehmen in den Kategorien "Best Practice" und "Best Ideas" für die Integration von Menschen mit Behinderung auszeichnen. Ziel der Initiative ist nicht nur die Befriedigung des menschlichen Bedürfnisses nach Arbeit, sondern auch eine Verringerung der fiskalischen Verantwor-tung des Steuerzahlers für die Invalidenrenten.

Das deutsche Handelsunternehmen METRO Group, das ein vielfältiges Portfolio an Einzelhandels-unternehmen mit Hypermärkten in Europa, Afrika und Asien unterhält, beschäftigt Menschen mit schwerwiegenden Behinderungen. Die METRO Group ist überzeugt, dass eine auf der Vielfalt grün-dende Unternehmenskultur einen Erfolgsfaktor darstellt. METRO Group Personalvorstand und Vor-standsmitglied Zygmunt Mierdorf gab bei der Eröffnung des CDI-HSG zu verstehen, dass eine Orga-nisation zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit sämtliche gesellschaftlichen Kräfte einbeziehen muss. Dazu gehöre auch, dass Menschen mit Behinderung eine Beschäftigungsmöglichkeit geboten werde.

"Menschen mit Behinderung wollen vor allem eines: Eingebunden sein. So dass sie das leisten können, was ihnen möglich ist. Dafür müssen Barrieren abgebaut werden. Räumliche, technische - und auch mentale. Dafür werden Führungskräfte, Mitarbeiter und Betriebsräte systematisch geschult und auf die Einstellung und Integration von Menschen mit Behinderungen vorbereitet", erläuterte Zygmunt Mierdorf.

Der Direktor des CDI-HSG, Dr. Stephan Böhm, betonte nicht nur den Vorteil, der Menschen mit Be-hinderung aus der Beschäftigung erwächst, sondern hob auch die positiven Auswirkungen für die Unternehmen hervor. "Durch die Förderung von Integration in den Bereichen Führung, Unterneh-menskultur und Human Resource Management können die Unternehmen nicht nur die Produktivität von Mitarbeitern mit Behinderung erhöhen, sondern die ihrer gesamten Belegschaft. So erzielen sie auch einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil", sagte Dr. Böhm während der Pressekonferenz. Möglichst vielen Menschen mit Behinderungen Zugang zum Erwerbsleben zu gewährleisten, ist eine vorrangige Zielsetzung für Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik - und gleichzeitig Ausgangspunkt der Forschung des Centers for Disability and Integration an der Universität St.Gallen (HSG).

Kontakte für inhaltliche Rückfragen:
Dr. Eva Deuchert
Direktorin des Center for Disability and Integration (CDI-HSG)
Tel.: +41 (0)71 224 23 18, Fax: +41 (0)71 224 32 90
eva.deuchert@unisg.ch
Dr. Stephan Böhm
Direktor des Center for Disability and Integration (CDI-HSG)
Tel.: +41 (0)71 224 31 81, Fax: +41 (0)71 224 32 90
stephan.boehm@unisg.ch
Center for Disability and Integration (CDI-HSG)
CDI-HSG: Das Center for Disability and Integration (CDI-HSG) nahm seine Tätigkeit an der Universität St.Gallen im März 2009 auf. Das CDI-HSG ist ein interdisziplinäres Forschungszentrum, an dem Forscher aus den Gebieten der Betriebs- und Volkswirtschaft, der Organisationspsychologie sowie der Angewandten Disability Forschung zusammen die berufliche Integration von Menschen mit Behinderungen nachhaltig vorantreiben. Die Gründung des neuen Zentrums wurde durch eine private Zuwendung der Stiftung MyHandicap ermöglicht.
MyHandicap Foundation
MyHandicap ist eine gemeinnützige Stiftung zur Verbesserung der Lebenssituation von Menschen, deren Alltag durch eine körperliche Behinderung oder eine ernsthafte chronische Krankheit erheblich beeinträchtigt wird. Dies erfolgt mittels umfassender Informations- und Beratungstätigkeit über sämtliche Belange des Alltagslebens von Menschen mit Behinderung und soll den Betroffenen ermöglichen, ein weitgehend selbständiges Leben zu führen. Mit der Internetplattform www.myhandicap.com schuf die Organisation eine virtuelle Kontaktstelle, an der direkt und indirekt Betroffene rasch und unkompliziert Ratschläge und Informationen einholen können. Auf dieser Plattform treffen sich Menschen mit Behinderung seit vielen Jahren in einem offenen, unabhängigen und positiven Umfeld. Hier können sie Motivation und Anregungen zu einem selbstbestimmten Leben finden.
Universität St.Gallen (HSG)
Internationalität, Praxisnähe und eine integrative Sicht zeichnen die Ausbildung an der Universität St.Gallen (HSG) seit ihrer Gründung im Jahr 1898 aus. Heute bildet die HSG 6500 Studierende aus 79 Nationen in Be-triebswirtschaft, Volkswirtschaft, Rechts- und Sozialwissenschaften aus. Mit Erfolg: Die HSG gehört zu den führenden Wirtschaftsuniversitäten Europas (FT-Ranking 2008: Platz 1 im deutschsprachigen Europa). Für ihre ganzheitliche Ausbildung auf höchstem akademischem Niveau erhielt sie mit der EQUIS- und AACSB-Akkreditierung internationale Gütesiegel. Studienabschlüsse sind auf Bachelor-, Master- und Doktorats- bzw. Ph.D.-Stufe möglich. Zudem bietet die HSG erstklassige und umfassende Angebote zur Weiterbildung an. Kris-tallisationspunkte der Forschung an der HSG sind ihre 40 Institute, Forschungsstellen und Centers, welche einen integralen Teil der Universität bilden. Die weitgehend autonom organisierten Institute finanzieren sich zu einem grossen Teil selbst, sind aber dennoch eng mit dem Universitätsbetrieb verbunden.

Marius Hasenböhler | idw
Weitere Informationen:
http://www.cdi.unisg.ch
http://www.myhandicap.com
http://www.unisg.ch

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