Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gesundheit, Qualifikation und Motivation

07.04.2014

Heidelberger Wissenschaftler untersucht Voraussetzungen für längere Lebensarbeitszeit

Die drei Faktoren Gesundheit, Qualifikation und Motivation sind entscheidend für die Frage, ob als Folge des demografischen Wandels Beschäftigte auch noch über das 67. Lebensjahr hinaus erwerbstätig sein können. Um die Potentiale älterer Mitarbeiter optimal nutzen zu können, müssen Arbeitgeber passende Rahmenbedingungen und Voraussetzungen schaffen.

Maßnahmen des Personal- und Gesundheitsmanagements oder der Arbeitsplatzgestaltung dürfen jedoch nicht erst in einem höheren Alter der Mitarbeiter ansetzen, sondern sollten das gesamte Erwerbsleben begleiten. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie, die der Arbeits- und Organisationspsychologe Prof. Dr. Karlheinz Sonntag von der Universität Heidelberg durchgeführt hat.

Für die Untersuchung im Auftrag des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, die die Altersgruppe von 55 bis 70 Jahren in den Blick nimmt, wertete Prof. Sonntag rund 150 Studien und Forschungsberichte zum Leistungsvermögen älterer Beschäftigter aus. Ausgangspunkt für die Untersuchung ist die demografische Entwicklung, die einen deutlichen Rückgang zukünftiger Mitarbeiterzahlen in Unternehmen erwarten lässt, während die allgemeine Lebenserwartung steigt. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung der Arbeitswelt, dass körperlich beanspruchende und manuelle Tätigkeiten eher abnehmen und dafür kognitiv und sozial anspruchsvolle Arbeiten zunehmen.

Wie Prof. Sonntag betont, ist der Ausstieg aus dem Erwerbsleben nicht an eine „natürlich vorbestimmte“ Grenze geknüpft. „Außerdem ist eine altersbedingte Verschlechterung der beruflichen Leistung nicht unausweichlich.“ Die Entwicklung der körperlichen und kognitiven Leistungsfähigkeit verlaufe von Person zu Person höchst unterschiedlich. Gerade im Bereich der Kognition seien Veränderungen nicht immer mit Verschlechterungen gleichzusetzen, betont der Arbeitspsychologe.

Zwar beeinflusse hohe Arbeitsintensität in Verbindung mit Zeitdruck und geringer Autonomie die Leistungsfähigkeit älterer Erwerbstätiger. „Konkret lässt sich aber sagen, dass ältere Beschäftigte nur dann schlechter abschneiden, wenn Informationen schnell verarbeitet werden müssen. Dem stehen aber nachweisbar positive Wirkungen von Erfahrung und Expertise gegenüber, über die ältere Beschäftigte verfügen.“

Für die Nutzung dieses Potentials spielen laut Prof. Sonntag die Faktoren Gesundheit, Qualifikation und Motivation eine entscheidende Rolle. In allen drei Bereichen hätten die Beschäftigten zwar auch eine Eigenverantwortung, um mit zunehmendem Alter noch erfolgreich und zufrieden arbeiten zu können. Nach den Worten des Heidelberger Wissenschaftlers sollten aber auch die Unternehmen entsprechende Fördermaßnahmen ergreifen. „So ist beispielsweise ein präventives Gesundheitsmanagement wichtig, mit dem Belastungen und Ressourcen regelmäßig und systematisch analysiert werden.

Eine große Bedeutung hat auch die Arbeitsgestaltung, bei der gleichermaßen Ergonomie, Organisation und Arbeitsinhalte berücksichtigt werden müssen“, erklärt Prof. Sonntag. Im Bereich der Qualifikation sei eine gezielte und adäquate Personalentwicklung nötig, die selbstgesteuerte Lernzeiten mit individuellem Lerntempo vorsehe und an bestehendes Wissen anknüpfe. Eine wichtige Rolle spielen nach Angaben von Prof. Sonntag auch Vorgesetzte, die sich vorurteilsfrei und wertschätzend verhielten und Anerkennung vermittelten. Auch wenn einige dieser Maßnahmen heute schon gängige Praxis seien, müssten die Unternehmen, die Beschäftigten selbst und auch die Verbände und Gewerkschaften dem Thema noch mehr Aufmerksamkeit widmen.

Informationen im Internet:
http://www.psychologie.uni-heidelberg.de/ae/abo/personen_sonntag_publikationen.html

Kontakt:
Prof. Dr. Karlheinz Sonntag
Psychologisches Institut
Arbeits- und Organisationspsychologie
Telefon (06221) 54-7320
karlheinz.sonntag@psychologie.uni-heidelberg.de

Kommunikation und Marketing
Pressestelle
Telefon (06221) 54-2311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de

Marietta Fuhrmann-Koch | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

Schwerstverletzungen verstehen und heilen

20.02.2017 | Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovative Antikörper für die Tumortherapie

20.02.2017 | Medizin Gesundheit

Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE

20.02.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen

20.02.2017 | Biowissenschaften Chemie