Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Frauenquote kommt! – Aber wie?

22.07.2011
Der Mannheimer Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Marc-Philippe Weller hat für das Bundesfamilienministerium ein Gutachten verfasst. Darin erörtert er, wie eine Frauenquote in Großunternehmen rechtlich durchgesetzt werden kann.

Die geschlechterspezifische Quote an der Spitze von Unternehmen wird kommen.

Einige Großunternehmen wie die Deutsche Telekom und SAP haben sich schon selbst dazu verpflichtet. Doch die Stimmen nach einem Gesetz zur Gleichstellung von Frauen in Führungspositionen werden lauter. Mittlerweile liegen konkrete Gesetzesentwürfe unter anderem von den Grünen sowie vom Land Nordrhein-Westfalen vor. Sie sehen ebenso wie Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen ein starres Quotenmodell vor.

Das Gegenstück zu diesem Entwurf ist das von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder vertretene Flexiquotenmodell, gegebenenfalls verbunden mit einer Mindestquote, die alle Großunternehmen einhalten müssen. Darüber hinaus soll es für Unternehmen jedoch auch möglich sein selbst höhere Quoten zu setzen. Durchgesetzt werden kann das aber nur mit rechtlichen Sanktionen. Wie das Flexiquotenmodell ausgestaltet sein muss, damit sich die Quotenregelung in das schon bestehende Gesetz einfügt, hat Prof. Dr. Marc-Philippe Weller von der Universität Mannheim in einem Gutachten für das Bundesfamilienministerium erörtert. Er ist einer von mehreren Experten, die das Ministerium zur gesetzlichen Einführung einer Frauenquote beraten.

Prof. Weller hält das Fleximodell für die sinnvollere Variante. Bei einem starren Modell, welches Arbeitsministerin Ursula von der Leyen sowie die Grünen bevorzugen, gilt eine Quote für alle Unternehmen. „Eine flexible Quote lässt hingegen Raum für unternehmensspezifische Besonderheiten“, sagt er, „und verträgt sich besser mit einer liberalen Wirtschaftsordnung.“ Mit dem Fleximodell kann der Gesetzgeber laut Prof. Weller einen Impuls setzen, um an die Selbstverantwortung der Unternehmen zu appellieren, ohne sie dabei unzumutbar einzuschränken.

Beim Flexiquotenmodell ist angedacht, dass in Vorstand und Aufsichtsrat jeweils mindestens eine Frau vertreten ist und dass diese Mindestquote für Unternehmen mit mehr als 2000 Mitarbeitern gelten soll. Hierfür müsste insbesondere das Aktienrecht geändert werden. Neben Bußgeldern rät Prof. Weller in seinem Gutachten außerdem zu zivilrechtlichen Sanktionen. Falls bei einer Aufsichtsratswahl zum Beispiel keine Frau in das Gremium gewählt wird, kann die Wahl von Aktionären angefochten werden. Alle fehlerhaft gewählten Aufsichtsräte verlieren dann wieder ihren Posten. Ähnliches gilt für den Vorstand: Wird der festgelegte Frauenanteil nicht eingehalten, ist die Vorstandsbestellung unwirksam, was eine recht scharfe Sanktion darstellt. „Sicher ist, dass das Gesetz kein zahnloser Tiger sein wird“, sagt der Mannheimer Jura-Professor. „Sanktionen sind auch im Interesse der Allgemeinheit, die in einer Demokratie ein Interesse daran haben muss, dass beschlossene Gesetze durchgesetzt werden.“

Prof. Weller ist jedoch auch davon überzeugt, dass die Interessen der Unternehmen und vor allem ihrer Gläubiger gewahrt werden müssen. So sollte im Gesetz vorgesehen werden, dass im Fall einer unwirksamen Vorstandsbestellung alle Rechtsgeschäfte mit Personen außerhalb des Unternehmens wirksam bleiben. Außerdem sollten Ausnahmeregelungen gelten für den Fall, dass eine Kandidatin kurzfristig ausfällt, etwa aufgrund von Krankheit oder plötzlichem Berufswechsel.

Kontakt:

Prof. Dr. Marc-Philippe Weller
Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Internationales Unternehmensrecht und Europäisches Wirtschaftsrecht
Universität Mannheim
Tel: 0621 / 181-1589
E-Mail: weller@uni-mannheim.de

Katja Bär | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-mannheim.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht WSI-GenderDatenPortal: 35,2 Prozent der Alleinerziehenden von Armut betroffen
27.05.2015 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht Wissensarbeit im Zeitalter der Digitalisierung: Digitales Fließband oder neue Humanisierung
06.05.2015 | ISF München - Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forschungsschiff Heincke seit 25 Jahren im Dienst der Wissenschaft

Ein Vierteljahrhundert alt, über 900.000 Kilometer (488.842 nautische Meilen) gefahren und trotzdem auf dem neuesten wissenschaftlichen und technischen Stand: Die Indienststellung des Forschungsschiffes Heincke jährt sich am 8. Juli 2015 zum 25. Mal.

Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), das die Heincke betreibt, nehmen ebenso regelmäßig an...

Im Focus: Solardächer produzieren Strom für Fahrzeuge

Studentische Industriekooperation zwischen HAW Hamburg und Webasto erarbeitet Ergebnisse für EU-Zertifizierungsprozess von Solardächern zur Verbesserung der Öko-Bilanz von Fahrzeugen.

Unter der Leitung von Dr.-Ing. Volker Skwarek, Professor für technische Informatik an der HAW Hamburg, erarbeiteten sechs Studierende des...

Im Focus: Viaducts with wind turbines, the new renewable energy source

Wind turbines could be installed under some of the biggest bridges on the road network to produce electricity. So it is confirmed by calculations carried out by a European researchers team, that have taken a viaduct in the Canary Islands as a reference. This concept could be applied in heavily built-up territories or natural areas with new constructions limitations.

The Juncal Viaduct, in Gran Canaria, has served as a reference for Spanish and British researchers to verify that the wind blowing between the pillars on this...

Im Focus: Aus alt mach neu - Rohstoffquelle Elektroschrott

Der Markt für Unterhaltungselektronik boomt: Rund 60 Millionen Fernsehgeräte wurden im letzten Jahr in Europa verkauft. Früher oder später werden sie zurückkehren – als Elektroschrott.

Die Recycling-Industrie hat darauf reagiert: Kupfer, Aluminium, Eisen- und Edelmetalle sowie ausgewählte Kunststoffe werden bereits wiederverwertet. Allerdings...

Im Focus: Radar schützt vor Weltraummüll

Die Bedrohung im All durch Weltraummüll ist groß. Aktive Satelliten und Raumfahrzeuge können beschädigt oder zerstört werden. Ein neues, nationales Weltraumüberwachungssystem soll ab 2018 vor Gefahren im Orbit schützen. Fraunhofer-Forscher entwickeln das Radar im Auftrag des DLR Raumfahrtmanagement.

Die »Verkehrssituation« im All ist angespannt: Neben unzähligen Satelliten umkreisen Weltraumtrümmer wie beispielsweise ausgebrannte Raketenstufen und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Flurförderzeuge im Zeichen der Zeit

03.07.2015 | Veranstaltungen

Aktuelles aus Forschung und Betrieb: 27. Deutscher Flammentag

02.07.2015 | Veranstaltungen

Call for ideas: Gute Ideen für bessere Städte

02.07.2015 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Siemens erhält Auftrag für Offshore-Windkraftwerk in Großbritannien

03.07.2015 | Unternehmensmeldung

Flurförderzeuge im Zeichen der Zeit

03.07.2015 | Veranstaltungsnachrichten

Kompakter Time Converter für zuverlässigen Einsatz in rauen Umgebungen

03.07.2015 | Energie und Elektrotechnik