Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Demographischer Wandel: Bundesländer können Potenziale besser nutzen

05.02.2007
Demographiemonitor der Bertelsmann Stiftung zeigt Handlungsbedarf und Optionen auf

Der neue Demographiemonitor der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass die 16 Bundesländer nur teilweise für die Zukunft gerüstet sind. Selbst wirtschaftlich starke Länder wie Bayern und Baden-Württemberg haben in mehreren Politikfeldern Handlungsbedarf. Doch auch die "Sorgenkinder" in den neuen Bundesländern haben ihre Stärken.

Alle Bundesländer sind schon heute vom demographischen Wandel betroffen. Zwar schrumpft die Bevölkerung nur in den neuen Bundesländern, aber in allen Bundesländern steigt das Durch­schnittsalter der Bevölkerung. Konsequenz dieser Alterung ist der Rückgang der Aktivenquote, also des Anteils der Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkerung. Insbesondere bei den Männern geht die Tendenz seit Jahren in die falsche Richtung. Erfreulich hat sich die Aktivenquote der Frauen in einigen Bundesländern entwickelt, wobei diese Entwicklung die Abnahme bei den Män­nern nicht kompensieren konnte. Diese Folgen der Alterung wurden in der Vergangenheit vor al­lem durch Produktivitätssteigerungen kompensiert. Die Analysen aus dem Demographiemonitor zeigen allerdings, dass die Steigerung der Produktivität in Zukunft gefährdet ist. So haben bei­spielsweise alle Bundesländer zum Teil erheblichen Nachholbedarf bei den Bildungsausgaben.

Die Forscher der Bertelsmann Stiftung haben die Bundesländer aufgrund der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit in vier Gruppen eingeteilt, gemessen am realen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf. Dieser Systematik zufolge haben die hanseatischen Stadtstaaten Hamburg und Bremen sowie das Land Hessen mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von mehr als 30.000 Euro die besten wirt­schaftli­chen Voraussetzungen für die Bewältigung des demographischen Wandels. Aber auch hier sind erste Warnsignale zu sehen. Der Anteil der Schulabgänger mit einem Abschluss der Sekun­dar­stufe II ist zurückgegangen, auch der Anteil Jugendlicher ohne Schulabschluss bleibt auf einem hohen Niveau.

Die Gruppe der wirtschaftlich starken Flächenländer mit punktuellen Schwächen bilden Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf zwischen 24.000 und 30.000 Euro. Zu den Stärken dieser Länder zählen die Zunahme der Erwerbsbeteili­gung der Älteren und der Frauen. Die Jugendarbeitslosigkeit der unter 25-Jährigen bleibt aber auch in diesen Ländern ein wichtiges Thema.

Im Mittelfeld (BIP zwischen 20.000 und 24.000 Euro) sehen die Forscher das Saarland, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Berlin. Positiv hat sich hier die Anzahl der Er­werbstätigen, bezogen auf die Gruppe der 20 bis 60-Jährigen, mit Ausnahme von Berlin, entwi­ckelt. Aber diese Gruppe weist die geringsten Produktivitätszuwächse auf. Zudem ist im Gegen­satz zu den vorherigen Gruppen kein signifikanter Rückgang der Abbrecherquote bei der berufli­chen Ausbildung auszumachen.

In die Gruppe der demographischen "Sorgenkinder" fallen Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von unter 20.000 Euro. Auch hier konstatieren die Forscher nicht nur Schwächen, wie den stärksten Rück­gang der Erwerbsbeteiligung insbesondere bei den Frauen, sondern auch einige Lichtblicke: So hat etwa bei der Geburtenrate eine Trendwende stattgefunden und die Hochschulabsolventen­quote ist deutlich gestiegen.

"Der Demographiemonitor will in den Bundesländern den Wettbewerb guter Ideen zum gesell­schaftlichen Wandel fördern - über institutionelle und föderale Grenzen hinweg", so Dr. Johannes Meier, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. Anhand von 59 Indikatoren, die für den Zeit­raum von 1991 bis 2004 erstmalig für alle Bundesländer analysiert wurden, sind Vergleiche der unterschiedlichen demographischen Ausgangslagen und Trends in den Bundesländern möglich. Dabei geht es nicht um Rankings, sondern vielmehr um ein besseres Verständnis der Wirkungszu­sammenhänge in unterschiedlichen Politikfeldern.

Über die Bertelsmann Stiftung:

Die Bertelsmann Stiftung setzt sich für das Gemeinwohl ein. Sie engagiert sich in den Bereichen Bildung, Wirtschaft und Soziales, Gesundheit sowie Internationale Verständigung und fördert das friedliche Miteinan­der der Kulturen. Durch ihr gesellschaftliches Engagement will sie alle Bürgerinnen und Bürger ermutigen, sich ebenfalls für das Gemeinwohl einzusetzen. Die 1977 von Reinhard Mohn gegründete, gemeinnützige Einrichtung hält die Mehrheit der Kapitalanteile der Bertelsmann AG. Die Bertelsmann Stiftung arbeitet ope­rativ und ist unabhängig vom Unternehmen sowie parteipolitisch neutral.

Rückfragen an: Dr. Ole Wintermann, Telefon: 0 52 41 / 81-81 232;
E-Mail: ole.wintermann@bertelsmann.de
Dr. Thieß Petersen, Telefon: 0 52 41 / 81-81 218;
E-Mail: thiess.petersen@bertelsmann.de

Julia Schormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.aktion2050.de/demographiemonitor
http://www.bertelsmann-stiftung.de

Weitere Berichte zu: Bruttoinlandsprodukt Demographiemonitor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie