Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Statt "Krieg der Generationen" den demografischen Wandel gestalten

17.01.2007
Anmerkungen aus dem Institut Arbeit und Technik zur aktuellen Demografiedebatte

Das Schreckensszenario von der schrumpfenden Altenrepublik Deutschland verbaut den Blick auf die Chancen der demografischen Entwicklung für Innovation und Wandel. Denn die Umkehr der Alterspyramide - immer mehr alte und immer weniger junge Menschen - schafft Probleme, aber die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen sind berechenbar und gestaltbar.

Darauf weist Prof. Dr. Franz Lehner, Chef des Instituts Arbeit und Technik (IAT) der Fachhochschule Gelsenkirchen, in seinem Beitrag für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift für Wirtschaftsgeographie hin. Er geht der Frage nach, wie die Reaktionen auf die demografische Entwicklung gestaltet werden können, damit sich möglichst günstige regionalwirtschaftliche Auswirkungen ergeben.

Das Ruhrgebiet wird voraussichtlich bis zum Jahr 2010 über 250 000 Einwohner (fast die Gesamtbevölkerung Gelsenkirchens) verlieren, bis 2015 mehr als 370 000 Einwohner (fast die Bevölkerung Bochums) - das sind dann 7 Prozent, während im übrigen NRW die Schrumpfung bei lediglich 1,2 Prozent liegt. Entsprechend verschiebt sich die Altersstruktur: 2015 wird es 1,3 Millionen unter 18-Jährige in der Region geben, aber 1,67 Millionen über 55-Jährige - 2002 waren es 1,6 Millionen unter 18-Jährige und 1,5 Millionen über 55-Jährige.

... mehr zu:
»IAT »NRW »Ruhrgebiet »Seniorenwirtschaft

Die Schrumpfung hat im Ruhrgebiet wesentlich früher als im Bund und NRW eingesetzt und eilt der übrigen Entwicklung um etwa 25 Jahre voraus. Die "Völkerwanderung" im Ruhrgebiet mit Wachstum im Umland und Schrumpfung im Kernbereich hat zudem zu erheblichen sozialen und wirtschaftlichen Verwerfungen geführt. "Diese Probleme qualifizieren das Ruhrgebiet aber auch als Modellregion, frühzeitig Lösungen zu entwickeln und den anderen damit einen Schritt voraus zu sein", meint PD Dr. Josef Hilbert, Leiter des Forschungsschwerpunkts Gesundheitswirtschaft und Lebensqualität am IAT. Die Frage, wie das Altern der Gesellschaft wirtschaftlich und sozial bewältigt werden kann, ist seit über zehn Jahren ein zentrales Forschungsthema am IAT, das auch zu der vom Institut wissenschaftlich unterstützten Landesinitiative Seniorenwirtschaft NRW geführt hat und das mittlerweile unter dem Stichwort "Silver Economy" von einem Netzwerk von 15 Europäischen Regionen aufgegriffen wurde.

Die Seniorenwirtschaft ist ein Beispiel für eine innovative Reaktion auf die demografische Entwicklung, durch die neue Wachstums- und Beschäftigungspotenziale entwickelt und für den Strukturwandel im Ruhrgebiet nutzbar gemacht werden können. Maßgeschneiderte, innovative Angebote und Marketingkonzepte für ältere Menschen sind (noch) eine "Marktlücke". Zwar liegt die Region bezüglich der Hauhaltseinkommen und des verfügbaren Einkommen älterer Menschen hinter den "reicheren" Regionen des Landes etwas zurück, verfügt aber allein schon durch Zahl und Dichte der Bevölkerung über attraktive Potenziale für die Seniorenwirtschaft.

Dazu zählen so unterschiedliche Märkte wie Wohnen, Tourismus, Kosmetik, Gesundheit und Wellness, Nahrungs- und Genussmittel, Freizeit und Unterhaltung, Bildung, Medien oder Finanzdienstleistungen. In diesen Bereichen lassen sich erhebliche Wachstums- und Beschäftigungspotenziale ausschöpfen, wenn die spezifischen Bedürfnisse der über 55-Jährigen systematisch berücksichtigt werden.

Der Ausbau der Seniorenwirtschaft könnte nach Berechnungen des IAT
bis zum Jahre 2015 bis zu 130.000 neue Arbeitsplätze in Nordrhein-Westfalen schaffen, schätzt PD Dr. Josef Hilbert. Allein diese können aber vermutlich die Abwanderung junger Menschen, die mit den Wohn- und Lebensbedingungen in vielen Ruhrgebietsstädten unzufrieden sind, nicht stoppen. Auch bessere Randbedingungen wie gute Kinderbetreuung, Infrastrukturen und Dienstleistungen für Familien, Integration von Bürgern ausländischer Herkunft sind gestaltbar.

Franz Lehner: "Die Politik muss bedenken, dass eine Entwicklung, die besonders gut prognostizierbar ist und deren Folgen auch früh absehbar sind, am Ende vor allem deshalb zu Problemen führt, weil auf diese Entwicklung nicht rechtzeitig reagiert wurde!"

Lehner, Franz, 2006: Die Gestaltung des Wandels - Regionalwirtschaft und Demographie im Ruhrgebiet. In: Zeitung für Wirtschaftsgeographie, 50. Jahrgang, 2006, Heft 3 / 4: Auf dem Weg zur Metropole Ruhr? - Strukturwandel im Ruhrgebiet

Autorin: Claudia Braczko
Durchwahl: 0209/1707-176
Ansprechpartner:
PD Dr. Josef Hilbert
Durchwahl: 0209/1707-120
E-Mail: hilbert@iatge.de
Prof. Dr. Franz Lehner
Durchwahl: 0209/1707-113
E-Mail: lehner@iatge.de

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://www.iatge.de
http://www.seniorenwirt.de

Weitere Berichte zu: IAT NRW Ruhrgebiet Seniorenwirtschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau