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Auf dem Hintergrund der wissenschaftlichen Bestandsaufnahme, die das Modellprojekt "Migrant/inn/en in der Altenpflege - Bestandsaufnahme, Personalgewinnung und Qualifizierungen in NRW" zu Anfang seiner Tätigkeit erstellt hat, wird der Gehalt der Eingangsbemerkung deutlich: Rund 30% der Beschäftigten in der stationären Altenpflege NRWs haben einen Migrationshintergrund, diese Mitarbeiter arbeiten im Durchschnitt schon mehr als fünf Jahre im Beruf, sind aber als Adressaten für die berufliche Weiterbildung bisher wenig wahrgenommen worden.
Leiter/innen von Altenheimen beklagen häufig, dass Altenpfleger/innen mit Migrationshintergrund einen Bildungsbedarf im Bereich der deutschen Sprache haben, der sich besonders im Bereich der schriftlichen Dokumentation ergäbe. "Doch Sprache ist das zentrale Element 'der personengebundenen Dienstleistung Altenpflege' und entscheidend für ihre Qualität", betont Dr. Jens Friebe, zuständiger Projektleiter beim DIE. Altenpfleger/innen nutzen gleichzeitig mehrere "Sprachregister", indem sie mit den Bewohnern einer Altenpflegeeinrichtung sehr nah auf der Ebene der Familiensprache kommunizieren, ihre Beobachtungen im Team sprachlich mitteilen und schließlich fachsprachlich korrekt die Pflege planen und dokumentieren müssen. Es ist zum Beispiel äußerst wichtig zu unterscheiden, ob der Bewohner seinen Schmerz als stechend oder als pulsierend, brennend, dumpf usw. bezeichnet. Zur besseren Erfüllung der komplexen Handlungserfordernisse in der Altenpflege hilft ein herkömmlicher Deutschkursus wenig weiter. Das DIE setzt daher auf das Konzept der "Sprachbewusstheit", das auch der Europarat zur Förderung der Mehrsprachigkeit bereits vor fünf Jahren empfohlen hat. Der bewusste Umgang mit Sprache zeichnet sich dabei durch die Reflexion der Absichten der Gesprächspartner, des Umfeldes in dem die Kommunikation stattfindet und durch die Wahrnehmung der jeweiligen Interpretationen der Beteiligten aus. Nicht der perfekte sprachliche Ausdruck, sondern der angemessene Gebrauch der Sprache in professionellen Situationen ist daher das Ziel des vorgestellten Projektes.
Das Projekt wurde knapp zwei Jahre lang vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales Nordrhein-Westfalen gefördert. Im Rahmen einer Abschlusskonferenz werden am 21. September 2006 in der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn der Fachöffentlichkeit und Medienvertreter/inn/en die Ergebnisse vorgestellt. Referent/inn/en aus dem Ministerium, der Pflegewissenschaft und der Erwachsenenbildung werden durch ihre Einschätzungen die Bedeutung dieses Qualifizierungsthemas erläutern.
Aus der Sicht des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung sind mit dem Projekt erste Grundlagen für die Verbesserung der beruflichen Integration von Migrant/inn/en in der Altenpflege gelegt, doch bedarf es weiterer Anstrengungen. Die Arbeitgeber müssen ihre Verantwortung wahrnehmen und Formen des arbeitsplatzintegrierten Lernens ermöglichen, die Beschäftigten müssen ihre Selbstlernpotentiale stärker einbringen und die Politik muss auf dem Hintergrund der demografischen Entwicklung die bessere Nutzung der Erwerbspotentiale von Migrant/inn/en unterstützen. Ein dringender nächster Schritt wäre es, eine Bestandsaufnahme für den ambulanten Pflegebereich durchzuführen und ein vergleichbares Fortbildungsangebot zu entwickeln.
Informationen:
Dr. Jens Friebe
Deutsches Institut für Erwachsenenbildung
German Institute for Adult Education
Friedrich-Ebert-Allee 38
53113 Bonn
Germany
T +49 (0)228 3294-330
F +49 (0)228 3294-4330
friebe@die-bonn.de
Marianne Massing M. A. | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.die-bonn.de
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