Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Beruf, Familie - oder doch beides? Psychologen untersuchen Spill-over-Effekte

24.05.2006


In allen Lebensphasen unterhalten Menschen vielfältige Beziehungsgefüge. Diese Strukturen spiegeln wider, wie Individuen das eigene Leben mit seinen verschiedenen Herausforderungen und oftmals komplexen Aufgaben gestalten und meistern. Ausgehend von zwei Lebensbereichen, der Familie und dem Beruf, analysiert Prof. Dr. Frieder Lang vom Institut für Psychologie mit einem Team die Wechselwirkungen dieser beiden Komplexe unter dem Aspekt gesellschaftlichen Wandels.



"Beruf und Familie haben sich schon immer gegenseitig beeinflusst", erklärt Lang. Doch könne man seit einigen Jahren beobachten, dass sich die Zusammenhänge zwischen ihnen stark verändern. Heutzutage gewichte man anders als noch vor 20 oder 30 Jahren. Zwar seien Menschen im Beruf oft erfolgreicher, wenn sie eine intakte Familie hinter sich wissen, doch habe der Beruf für viele Menschen mittlerweile einen höheren Stellenwert, so dass sich vor allem junge Menschen häufig für einen Job und gegen Kinder entscheiden.



Gerade in Politik und Gesellschaft sind aufgrund der demographischen Entwicklung Deutschlands viele Diskussionen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf und der Finanzierbarkeit von Kindern zu finden. "Sicherlich sind deren Erkenntnisse nicht falsch. Natürlich hat die Entwicklung etwas mit dem Faktor Geld zu tun und viel mit der Sicherung der Überlebens." Aber aufgrund dieser eher allgemeinen Thesen lasse sich keine allumfassenden Aussage treffen. "Wir forschen nach Erkenntnissen, die über diese Hypothesen hinaus gehen", meint Lang.

Dazu versendete das Team einen neu entwickelten Fragenkatalog an 2500 hallesche Haushalte, in denen junge Menschen leben. Von 25 Prozent der angefragten Personen hat das Team eine Rückmeldung erhalten. "Die Fragen beziehen sich in erster Linie auf das soziale Umfeld, auf Vertraute, Freunde, Eltern. Teilweise haben wir die Verwandten oder Freunde der Probanten direkt befragt", erläutert der Psychologe. Man wolle analysieren, ob Probanten, die Angaben zu anderen Personen gemacht haben, auch in deren Netzwerken zu finden sind. Die gesellschaftlichen Hintergründe seien für eine Analyse sehr wichtig. "Heutzutage verzichtet ein Teil der jungen Frauen auf eine Schwangerschaft, weil sie keinen Rückhalt in ihren Familien finden." Dazu müsse man die soziale Einbettung und die Größe des Netzwerkes untersuchen. "Wir vermuten auch, dass die Größe eines Netzwerks Auswirkungen auf die Umsetzbarkeit von Lebenszielen hat." Außerdem sei anzunehmen, dass sich berufliche und familiäre Netzwerke zunehmend überlappen, so dass ein strikt getrennter Übergang zwischen beiden Bereichen kaum noch wahrnehmbar ist.

Weiterhin soll eine andere Behauptung bestätigt werden. "Wer bei der Arbeit Stress und Ärger hat, belastet damit seine Familie", stellt Lang in den Raum. Hierbei handle es sich um sogenannte Spill-over-Effekte. Diese könnten sich nachhaltig auf das Wohlbefinden und den Zusammenhalt zwischen den Familienmitgliedern auswirken.

Gleiche Erhebungen wurden parallel in Bielefeld durch Prof. Dr. Martin Diewald vom Institut für Soziologie der ansässigen Universität erhoben. "Wir brauchen Vergleichsdaten und Bielefeld bot sich für uns an, da in dieser Stadt ein ähnlicher Strukturwandel zu beobachten ist, wie in Halle."

Die Erhebungen werden in den kommenden Wochen ausgewertet. Erhält das Team daraus verwertbare Ergebnisse, wird es in zwei bis drei Jahren eine deutschlandweite Längsschnittstudie geben, an denen sich bis zu 10 000 Familien beteiligen sollen. Hier könne dann mit einheitlichen Erhebungsmethoden ein weitaus repräsentativeres Ergebnis erzielt werden.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Frieder R. Lang
Dipl.-Psych. Verena Wendt
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Institut für Psychologie
Brandbergweg 23c
06120 Halle (Saale)
Telefon: 0345-5524376
E-Mail: v.wendt@psych.uni-halle.de

Dr. Margarete Wein | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-halle.de

Weitere Berichte zu: Erhebung Netzwerk Probant Psychologe Spill-over-Effekte

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Deutschland altert unterschiedlich
22.05.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

nachricht Sterblichkeit durch Rauchen für ostdeutsche Frauen bald höher als für westdeutsche
10.05.2017 | Max-Planck-Institut für demografische Forschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie