Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bremer Studie zu Karrieren von (Ehe)Partnern in modernen Gesellschaften: Arbeitsteilung unverändert?

15.11.2001


Wie stimmen junge (Ehe-)Partner ihre beruflichen Karrieren in verschiedenen Ländern aufeinander ab? Dieser Frage geht die Studie der Bremer Uni nach. Koordiniert wurde das internationale Forschungsprojekt von Prof. Hans-Peter Blossfeld und Dr. Sonja Drobnic. Ein Ergebnis der Studie: Trotz verbesserter Karrierechancen von Frauen leisten sie nach wie vor die Familienarbeit!

Angela aus Köln ist verheiratet, hat zwei Kinder und ist als Sekretärin Teilzeit erwerbstätig. Ihr Mann, der als leitender Angestellter Karriere macht, hilft nur hin und wieder im Haushalt und bei den Kindern mit. Er betrachtet die Erwerbstätigkeit seiner Frau eher mit gemischten Gefühlen. Dörte lebt in Stockholm mit Jan zusammen. Sie haben ein gemeinsames Kind und beide sind Vollzeit erwerbstätig. Jan ist sehr stolz auf den beruflichen Erfolg seiner Partnerin und fördert diesen nach Kräften. Wenn das Kind krank ist, bleibt allerdings meist Dörte zu Hause. Auch der größte Teil der Hausarbeit wird in der Regel von ihr alleine erledigt. Elisabetta in Florenz ist schwanger und hat trotz ihrer Ganztagstätigkeit als Apothekerin die Hausarbeit wie selbstverständlich zu leisten. Ihr Ehemann, ein erfolgreicher Zahnarzt, möchte gerne, dass Elisabetta ihre Erwerbstätigkeit vollkommen unterbricht und ganz für das Kind da ist.

Diese Beispiele sind heute für junge Familien in Europa durchaus typisch. Neben vielen Gemeinsamkeiten gibt es aber auch größere Unterschiede in der Organisation der Paarbeziehung zwischen diesen Ländern: Wie stimmen also junge (Ehe-)Partner ihre beruflichen Karrieren in verschiedenen Ländern aufeinander ab? Dieser und ähnlichen Fragen geht die jetzt erschienene Studie "Careers of Couples in Contemporary Society: From Male-Breadwinner to Dual-Earner Families" nach. Es ist die erste international vergleichende Studie über die Veränderung der Lebensläufe von (Ehe)Partnern in unserer modernen Doppelverdiener-Gesellschaft. Unter der Leitung von Professor Dr. Hans-Peter Blossfeld (Universität Bielefeld) und Dr. Sonja Drobnic (Universität Bremen) untersuchte ein internationales Forscherteam, wie sich die Berufskarrieren von Paaren seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in zwölf sehr unterschiedlichen Nationen verändert haben. Untersucht wurden Deutschland, die Niederlande, Italien, Spanien, Großbritannien, USA, Schweden, Dänemark, Polen, Ungarn und China.

Als Erstes zeigte sich eine überraschende Gemeinsamkeit in allen Ländern. Trotz deutlicher Verbesserung der Ausbildung von Frauen und ihrer zunehmenden Karrierechancen, hat sich in innerhalb der Paare wenig Grundsätzliches geändert: Frauen sind in allen Nationen immer noch die Hauptverantwortlichen für Hausarbeit und Kinderbetreuung geblieben. Zu den traditionellen Aufgaben der Frauen ist allerdings durch die Erwerbstätigkeit noch eine Doppelbelastung hinzugekommen.
bitte wenden


Wie eh und je betrachten Männer in allen Ländern Beruf und Familie als getrennte Lebenswelten und beteiligen sich nach wie vor selten an der Familienarbeit. Frauen müssen dagegen auch heute noch wegen ihrer weitgehenden Zuständigkeit für den häuslichen Bereich, zwischen Familie und beruflichem Erfolg wählen. Sie sind zwar oft Teilzeit tätig, können allerdings keine gezielte Karrierelaufbahn mehr verfolgen. Dadurch entstehen nur schwer zu ändernde Widerstände in der Fortentwicklung der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung innerhalb der Familie.

Die Studie zeigt weiter, dass sich die Karrierechancen junger Frauen durch bessere Ausbildung und kontinuierlichere Berufserfahrung beträchtlich steigern lassen. Aber nach der Partnerwahl und Eheschließung sieht es meist wieder anders aus: Dann kommen geschlechtsspezifische Wirkungen zum Tragen, insbesondere dann, wenn Kinder zu versorgen sind. Männer sind meist lebenslang erwerbstätig. Ihre Karriereverläufe sind von den beruflichen Verläufen ihrer Frauen unabhängig. Umgekehrt gilt dies nicht immer. Die Forscher zeigen auf, dass das gesellschaftliche Umfeld in den weiblichen Lebensläufen eine wichtige Rolle spielt: In Wohlfahrtsstaaten (wie z. B. in Deutschland) steigt mit der Position des Mannes der Druck auf die Partnerin, ihre Erwerbstätigkeit zugunsten der Familie zu reduzieren oder sogar vollkommen aufzugeben. Konservative Wohlfahrtsstaaten zeichnen sich hier durch eine besonders traditionelle Arbeitsteilung bei verheirateten Paaren aus. Die Folge ist aber, eine größer werdende Lücke zwischen männlichen und weiblichen Berufsverläufen, eine wachsende wirtschaftliche Abhängigkeit der Frauen von ihren Partnern sowie ein schwer zu änderndes traditionales Familienmodell.

Anders dagegen in Wohlfahrtsstaaten wie Dänemark oder Schweden und generell in den ehemals sozialistischen Ländern: Hier gibt es einen starken positiven Einfluss des beruflichen Status der Männer auf die Berufstätigkeit ihrer Partnerinnen: Die Männer sind stolz auf den Erfolg ihrer Frauen und unterstützen ihre Karrieren, indem sie ihr Verhalten am meisten verändert haben und zumindest Teile der Familienarbeit übernommen haben.

Die Untersuchung zeigt schließlich auf, dass politische Interventionen, die sich nur auf die Ausbildung der Frauen oder auf den Beruf und die Arbeitsmarktstrukturen konzentrieren, zu kurz greifen. Die gemeinsame Verantwortung für Hausarbeit und Kindererziehung muss in diese Maßnahmen mit einbezogen werden. Die Studie "Careers of Couples in Contemporary Society: From Male Breadwinner to Dual Earner Families" ist in der Oxford University Press erschienen. 

Weitere Informationen bei:

Prof. Dr. Hans-Peter Blossfeld


Tel.: (04208) 91842; Fax.: (04208) 91843
E-Mail: hpb3007@t-online.de

Dr. Sonja Drobnic
c/o Radcliffe Institute for Advanced Study, Harvard University
34 Concord Avenue, Cambridge, MA 02138, U.S.A.
Tel.: (617) 496-3080; Fax: (617) 495-8136;
E-Mail: drobnic@radcliffe.edu

Angelika Rockel | idw
Weitere Informationen:
http://www.oup.co.uk/isbn/0-19-924491-X.

Weitere Berichte zu: Arbeitsteilung Erwerbstätigkeit Hausarbeit Karriere Partner

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um
26.05.2017 | Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

nachricht Deutschland altert unterschiedlich
22.05.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Der schärfste Laserstrahl der Welt

Physikalisch-Technische Bundesanstalt entwickelt einen Laser mit nur 10 mHz Linienbreite

So nah an den idealen Laser kam bisher noch keiner: In der Theorie hat ein Laser zwar genau eine einzige Farbe (Frequenz bzw. Wellenlänge). In Wirklichkeit...

Im Focus: Wellen schlagen

Computerwissenschaftler verwenden die Theorie von Wellenpaketen, um realistische und detaillierte Simulationen von Wasserwellen in Echtzeit zu erstellen. Ihre Ergebnisse werden auf der diesjährigen SIGGRAPH Konferenz vorgestellt.

Denkt man an einen See, einen Fluss oder an das Meer, so sieht man vor sich, wie sich das Wasser kräuselt, wie Wellen gegen die Felsen schlagen, wie Bugwellen...

Im Focus: Making Waves

Computer scientists use wave packet theory to develop realistic, detailed water wave simulations in real time. Their results will be presented at this year’s SIGGRAPH conference.

Think about the last time you were at a lake, river, or the ocean. Remember the ripples of the water, the waves crashing against the rocks, the wake following...

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der schärfste Laserstrahl der Welt

29.06.2017 | Physik Astronomie

Maßgeschneiderte Nanopartikel gegen Krebs gesucht

29.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wolken über der Wetterküche: Die Azoren im Fokus eines internationalen Forschungsteams

29.06.2017 | Geowissenschaften