Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Im virtuellen Rollenspiel erleben Kinder Mobbing und Gewalt

16.05.2006


Gewalt und Mobbing an den Schulen sollen abnehmen. Dieses Ziel verfolgen europäische Forscher in einem gemeinsamen Projekt, an dem Psychologen von der Uni Würzburg mitarbeiten. Das Team von Professor Wolfgang Schneider bekommt dafür rund eine Viertel Million Euro von der Europäischen Union (EU) zur Verfügung gestellt.



Bei dem Projekt entwickeln Wissenschaftler ein lebensnahes Computerprogramm namens "FearNot!", in dem künstliche Charaktere an der Schule verschiedene Mobbing- und Gewalt-Szenarios durchleben. Dabei kommen Kinder und Jugendliche vor, die andere bestehlen, ausgrenzen, bedrohen oder schlagen. Zu dieser Gruppe gehören auch die Helfer der Täter. Auf der anderen Seite stehen die Opfer. Und schließlich sind da noch die "Zuschauer". Die halten sich zwar aus dem Ganzen heraus, tun aber auch nichts dagegen.



In dieser Lernumwelt sollen Schüler im virtuellen Rollenspiel die Perspektiven aller Beteiligten kennen und die Probleme verstehen lernen. Durch die Interaktion mit den Charakteren soll die Sensitivität gegenüber den gravierenden Konsequenzen von Gewalt und Mobbing für die Opfer erhöht sowie die Möglichkeit geboten werden, Lösungsstrategien in diesem sicheren, virtuellen Umfeld auszuprobieren.

Die Aufgabe der Würzburger Psychologen Wolfgang Schneider, Patricia Lippeck und Natalie Vannini besteht darin zu prüfen, ob das Programm effektiv und in Schulen umsetzbar ist. "Wir wollen zum Beispiel wissen, wie die Schüler mit dem Programm umgehen, wie sie sich in die virtuelle Welt einfinden, ob sie überhaupt mit den künstlichen Charakteren mitempfinden", erklärt Vannini.

Die Psychologen planen, rund 300 Schüler in ihre Studie einzubeziehen. Derzeit sind sie dabei, geeignete Klassen zu finden. Die Schulen müssen über die nötige technische Ausrüstung verfügen, die Lehrer geschult werden - schließlich sollen die Kinder im Unterricht auch über das Thema sprechen. Etwa Anfang 2007 sollen die ersten Schüler mit dem Programm arbeiten, und zwar vier Wochen lang. Am Anfang, am Ende und noch einmal sechs Wochen später werden die Würzburger Forscher die Kinder interviewen und sie Fragebogen ausfüllen lassen.

Danach werden sie wissen, ob das Programm geeignet ist, das soziale und emotionale Lernen der Kinder zu fördern. Wenn die Effektivität des Programms empirisch nachgewiesen werden kann, wird "FearNot!" als freie kostenlose Software für Schulen zugänglich und als sinnvoller Baustein in ein vorhandenes Gesamtschulkonzept gegen Gewalt und Mobbing einsetzbar sein.

An diesem EU-Projekt namens VICTEC ("Virtuelle Informations- und Kommunikationstechnologie mit Empathischen Charakteren") arbeiten von deutscher Seite neben den Würzburgern auch Psychologen von der Uni Bamberg (Professor Harald Schaub) mit. Sie sind für die Entwicklung eines theoretischen Lernprozessmodells zuständig, das dem Design dieser Lerntechnologie zugrunde liegt und die Interaktion sowie Anforderungen der pädagogischen Rollenspielsoftware definiert. Beteiligt sind weiterhin Informatiker aus Augsburg (Professorin Elisabeth André), außerdem Wissenschaftler und Computerspezialisten aus England, Portugal und Italien. Projektkoordinator ist die Heriot-Watt University in Edinburgh (Gesamtprojektleitung: Professor Ruth Aylett).

Weitere Informationen: Patricia Lippeck und Natalie Vannini, T (0931) 31-2661, Fax (0931) 31-2763, E-Mail:
lippeck@psychologie.uni-wuerzburg.de
natalie.vannini@psychologie.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Berichte zu: Interaktion Mobbing Psychologe Rollenspiel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

Fighting drug resistant tuberculosis – InfectoGnostics meets MYCO-NET² partners in Peru

28.04.2017 | Event News

Expert meeting “Health Business Connect” will connect international medical technology companies

20.04.2017 | Event News

Wenn der Computer das Gehirn austrickst

18.04.2017 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie