Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kinderbetreuung: nicht billig oder umsonst, sondern flexibel und gut!

29.03.2006


Neue Angebote brauchen neue Finanzierungsstrukturen - Internationales Expertentreffen am IAT



Die Entscheidung für oder gegen Kinder hängt für die Mehrzahl der Mütter nicht allein vom kostenlosen Kindergartenplatz ab. Wichtiger ist ihnen, ob und wie sie Beruf und Familie tatsächlich vereinbaren können. "Nicht billig oder umsonst, sondern flexibel und qualitativ hochwertig muss Kinderbetreuung organisiert werden". Das zeigte ein Treffen von Wissenschaftlern und Praktikern aus Deutschland, Belgien, Italien, Litauen und Luxemburg am Institut Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen). Im Rahmen der europäischen Entwicklungspartnerschaft "ABC" (Arbeit-Betreuung-Chancengleichheit) untersuchen sieländerübergreifend, wie Kinderbetreuung weiterentwickelt und gleichzeitig neue Arbeitsfelder für die dort Beschäftigten erschlossen werden können. Das Kinderhaus "Rasselbande" in Gelsenkirchen-Buer war (am Mittwoch) eine der Stationen, die das Expertenteam auf der Suche nach Beispielen "bester Praxis" besuchte.



Eine umfangreiche Studie, die das IAT zum Thema "Arbeitszeit und Kinderbetreuung" erstellt hat, zeigt, dass der Bedarf an neuen Angeboten für flexible, bedarfsgerechte Kinderbetreuung in Kitas und Ganztagsschulen sehr groß ist. "Dass die Betreuungskapazitäten in NRW forciert ausgebaut und vielleicht sogar umsonst zur Verfügung gestellt werden sollen, ist begrüßenswert, Einheitslösungen reichen aber nicht aus, sondern überfordern lediglich den Geldbeutel der Kommunen oder den der Eltern", so die IAT-Forschungsdirektorin Dr. Sybille Stöbe-Blossey.

Erwerbstätigkeit und Erwerbswünsche weit auseinander

Ausgangspunkt des Projektes war eine repräsentative Telefonbefragung, bei der 1232 Mütter in NRW mit insgesamt 1985 Kindern befragt wurden, ob und wie sie eigene Berufstätigkeit und Betreuung der Kinder unter einen Hut bringen können und welche Lösungen sie sich wünschen. Deutlich wurde, dass Erwerbstätigkeit und Erwerbswünsche weit auseinander klaffen: 88 Prozent aller befragten Mütter sind an einer Erwerbsarbeit interessiert, aber nur 55,4 Prozent können arbeiten gehen und haben das Betreuungsproblem gelöst - notfalls mit Hilfe der Großmutter oder von Nachbarn.

Eltern müssen oft zu Zeiten arbeiten, in denen Kindertagesstätten und Ganztagsschulen geschlossen sind, zeigt die Studie. Und Teilzeitarbeit ist längst nicht mehr gleichzusetzen mit Halbtagsarbeit am Vormittag; vielmehr verteilen sich die Arbeitsstunden höchst unterschiedlich über die gesamte Woche. Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Projekten, in denen flexible Betreuungskonzepte erprobt werden. Sie reichen von "Spätgruppen" in Kindergärten und Ganztagsgrundschulen über Familiendienste für individuelle Lösungen bis hin zu privaten Einrichtungen, in denen die Eltern die benötigten Betreuungsstunden ihrem Bedarf entsprechend "kaufen" können. Die von der NRW-Landesregierung verfolgte Idee der "Familienzentren", die Kindergärten, die Arbeit von Tagesmüttern und die Beratung der Familien verknüpfen sollen, weist in die richtige Richtung.

Kombiniertes Finanzierungssystem

Als lohnende Perspektive für Nordrhein-Westfalen schlägt das IAT ein kombiniertes Finanzierungssystem vor: Die Betreuungseinrichtungen erhalten eine Grundfinanzierung, die in sozialen Brennpunkten angesichts der Aufgabe, Bildungsbenachteiligung auszugleichen, höher sein muss als anderswo. Mit dieser Grundfinanzierung wird - insbesondere im Kindergartenalter - ein Basisangebot sichergestellt, das vor allem der Erfüllung des Bildungsauftrages dient. Diese Grundfinanzierung wird ergänzt durch eine nachfrageorientierte Komponente. Diese ermöglicht es den Eltern, zu vertretbaren Preisen die von ihnen benötigten Stunden hinzuzukaufen.

Im Rahmen der Entwicklungspartnerschaft "ABC" erstellt der IAT-Forschungsschwerpunkt Bildung und Erziehung ein fortschreibungsfähiges, internetgestütztes Handbuch zu bedarfsorientierten Kinderbetreuungsangeboten. Das Handbuch soll Impulse für die Entwicklung einer flexiblen Infrastruktur in der Kinderbetreuung geben, indem es Orientierungswissen und Informationen über Praxisbeispiele zur Verfügung stellt und die Erfahrungen verbreitet, die im Rahmen von ABC gemacht werden.

Für weitere Fragen stehen Ihnen zur Verfügung:

Dr. Sybille Stöbe-Blossey
Durchwahl: 0209/1707-130
Karin Esch
Durchwahl: 0209/1707-283

Projektkoordination:
Sabine Görke-Becker
02332-55888-20

Pressereferentin
Claudia Braczko
Munscheidstraße 14
45886 Gelsenkirchen
Tel.: +49-209/1707-176
Fax: +49-209/1707-110
E-Mail: braczko@iatge.de
info@iatge.de

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://www.iatge.de
http://www.equal-abc.de
http://www.flexiblekinderbetreuung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen