Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Flexible Arbeitszeiten werden unflexibel, wenn an Personal und Qualifikation gespart wird

10.12.2004


Institut Arbeit und Technik untersuchte neue Arbeitszeitmodelle in der Praxis


Die Flexibilisierung der Arbeitszeiten ist in den letzten zehn Jahren rasch vorangeschritten, doch hat sie in vielen Betrieben das Experimentierstadium noch nicht verlassen. Dies ergab eine intensive Beobachtung der Arbeitszeitpraxis in Unternehmen mit neuartigen Formen betrieblicher Arbeitszeitregulierung, die jetzt vom Gelsenkirchener Institut Arbeit und Technik (IAT) veröffentlicht wurde.

Die Arbeitszeitforscher Dr. Thomas Haipeter und Dr. Steffen Lehndorff sind der Frage nachgegangen, welche praktischen Wirkungen Betriebsvereinbarungen oder Firmentarifverträge haben, die den Beschäftigten große individuelle Gestaltungsmöglichkeiten ihrer Arbeitszeit und eine weitgehend eigenständige Verantwortung für die Bewältigung der Arbeits- und Kundenanforderungen bieten. Derartige Pilotmodelle können gut funktionieren, aber nur unter der Voraussetzung ausreichender Personalausstattung, stellen die beiden Arbeitszeitspezialisten in ihrem soeben veröffentlichten Bericht fest. Eine zu dünne Personaldecke dagegen führe dazu, dass die Beschäftigten hohe Arbeitszeitguthaben auf Konten vor sich herschieben und vielfach auch unbezahlt verfallen lassen müssten. Dies gefährde auch die Wirksamkeit von Langzeitkonten, deren tatsächliche Verbreitung und Nutzung weit hinter der öffentlichen Wahrnehmung herhinke. "Sobald zu sehr am Personal gespart wird, werden die Arbeitszeiten wieder unflexibel", stellen Haipeter und Lehndorff fest. "Wenn der Betrieb ’atmen’ soll, dürfen die Beschäftigten nicht atemlos gemacht werden."


Die Ergebnisse der Studie gewinnen an Bedeutung vor dem Hintergrund der laufenden Debatte über Arbeitszeitverlängerungen, hinter der letztlich die Frage steht, ob ein Systemwechsel in der Gestaltung der Tarifverträge erforderlich ist, um den Betrieben mehr Möglichkeiten der Anpassung der Arbeitszeiten an ihre Erfordernisse zu geben. Haipeter und Lehndorff halten dagegen: "Wenn es zu wenig Flexibilität gibt, dann sollten die Ursachen dafür nicht bei den Flächentarifverträgen gesucht werden. Das Hauptproblem ist die gegenwärtig vorherrschende Neigung, auf Teufel komm raus und ohne Rücksicht auf die längerfristigen Folgen Personalkosten zu senken. Qualifikation und ausreichende Personalkapazitäten sind die wichtigsten Voraussetzungen für Flexibilität."

Die Studie von Thomas Haipeter und Steffen Lehndorff ist erschienen bei der edition sigma, Berlin, unter dem Titel "Atmende Betriebe, atemlose Beschäftigte? Erfahrungen mit neuartigen Formen betrieblicher Arbeitszeitregulierung".

Für weitere Fragen stehen Ihnen zur Verfügung:

Dr. Steffen Lehndorff
Durchwahl: 0209/1707-146

Dr. Thomas Haipeter
Durchwahl: 0209/1707-341

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://www.edition-sigma.de/Newsshow.php?ISBN=3-89404-988-X
http://iat-info.iatge.de

Weitere Berichte zu: Arbeitszeitregulierung Flexibilität

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie