Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Modellprojekt der Volkswagen AG als Beitrag zu einer innovativen Arbeitspolitik in Deutschland

19.11.2004


Göttinger Soziologen: 5000 x 5000 für eine erfolgreiche Fabrikmodernisierung



Das vor drei Jahren für die Volkswagen AG (Wolfsburg) vereinbarte Modellprojekt 5000 x 5000 stellt einen erfolgreichen Schritt in Richtung Fabrikmodernisierung dar. Zu diesem Schluss kommt ein Forscherteam unter der Leitung des Industriesoziologen Prof. Dr. Michael Schumann. Der Präsident des Soziologischen Forschungsinstituts an der Universität Göttingen (SOFI) ist verantwortlich für die Begleitforschung des Projektes, das Arbeitslose für eine Tätigkeit in der Automobilherstellung qualifiziert und unter besonderen Entlohnungskonditionen in gesicherte Arbeitsverhältnisse integriert. Nachdem bereits das Auswahlverfahren und die Qualifizierung mehrerer tausend neuer Beschäftigter untersucht wurden, legen die Göttinger Wissenschaftler jetzt eine erste Analyse der Arbeits- und Betriebsbedingungen unter Vollbetrieb vor. Danach kann das Projekt auch einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung einer innovativen Arbeitspolitik mit Beschäftigungssicherung und Kostenreduktion leisten. Zentrales Anliegen ist es, auf die Gefährdung der Industrieproduktion in Deutschland eine möglichst sozialverträgliche Antwort zu finden.



In der Auto 5000 GmbH produzieren gegenwärtig 3.800 Beschäftigte täglich mehr als 800 Fahrzeuge des Modells Touran. Der Betrieb schreibt nach Angaben von Prof. Schumann schwarze Zahlen. Einen wichtigen Anteil daran hat die gewählte Fabrikorganisation, so der Göttinger Wissenschaftler. Im Produktionsprozess arbeiten die Mitarbeiter in Teams mit hoher Selbstorganisation, die Planungsaufgaben übernehmen und an der Prozessoptimierung mitwirken. Dabei sind sie für die Erfüllung des Tagessolls in der Produktion voll verantwortlich, auch wenn sie dafür gegebenenfalls über das Schichtende hinaus Nacharbeit leisten müssen. Unterstützt werden sie von einem Betriebsingenieur, der neben der Personalführung auch Aufgaben der technischen Planung und der Budgetkontrolle übernimmt. Weitere Elemente der Modernisierung sind die Einführung von "Lernfabriken" mit der prozessnahen Vor-Ort-Ansiedlung unter anderem von Instandhaltung, Qualitätssicherung, Planung, Personalbetreuung und Controlling sowie die systematische Verknüpfung von Arbeit und Lernen. Für Kommunikation und berufliche Weiterbildung stehen den Beschäftigten drei Wochenstunden zur Verfügung, die allerdings nur zur Hälfte vom Betrieb vergütet werden. Das Konzept 5000 x 5000 wurde maßgeblich von Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektor Dr. Peter Hartz, dem Gesamtbetriebsrat der Volkswagen AG und der Gewerkschaft IG Metall, Bezirk Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, entwickelt.

Die Göttinger Forscher kommen auf der Basis breiter, repräsentativer Befragungen zu dem Ergebnis, dass dieses Konzept der Fabrikmodernisierung von den Belegschaften mehrheitlich mitgetragen wird. Prof. Schumann: "Die Gruppenarbeit gilt gerade unter den Gesichtspunkten der Fairness, der gemeinsamen Entscheidungen und der gegenseitigen Unterstützung als Arbeitsfortschritt. Die Einbindung in Produktverantwortung und Prozessoptimierung führt zu einem erweiterten Aufgabenspektrum, beruflicher Aufwertung und größerer betrieblicher Anerkennung." Die enge Verzahnung von Arbeit und Lernen und die prozessnahe Weiterbildung gelten, so der Soziologe, als Zugewinn. Daher sprechen sich die Beschäftigten für die weitere, noch konsequentere Umsetzung des Konzeptes aus.

Wie Prof. Schumann erläutert, können die Erfahrungen mit dem Modell Auto 5000 eine wichtige Rolle in der aktuellen Debatte um die Zukunftsfähigkeit des Industriestandortes Deutschland spielen. "Das Projekt zeigt eine Alternative zu traditionellen Ansätzen einer Kostenreduktion durch die Erhöhung der Arbeitsintensität oder eine Verdichtung der Kontrolle sowie eine Verlängerung der Arbeitszeiten." Eine innovative Arbeitspolitik wie die von Auto 5000 ermögliche den Unternehmen eine höhere Arbeitsproduktivität und einen effizienteren Umgang mit den Produktivitätsressourcen. Dabei eröffne sich für die Beschäftigten eine doppelte Perspektive: Sie könnten einen eigenen Beitrag zur Sicherung ihrer Beschäftigung leisten und erhielten zugleich größere Chancen auf eine interessante, fachlich herausfordernde und selbstverantwortliche Arbeit.

Kontaktadresse:

Prof. Dr. Michael Schumann
Soziologisches Forschungsinstitut
an der Georg-August-Universität Göttingen
Friedländer Weg 31, 37085 Göttingen
Telefon (0551) 52205-0, Fax (0551) 52205-88
e-mail: mschuma@gwdg.de

Marietta Fuhrmann-Koch | idw
Weitere Informationen:
http://www.sofi.uni-goettingen.de

Weitere Berichte zu: Arbeitspolitik Modellprojekt Soziologe Volkswagen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um
26.05.2017 | Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

nachricht Deutschland altert unterschiedlich
22.05.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie