Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gehaltszuschlag für große Männer

22.04.2004


Eine neue Studie belegt erstmals den Zusammenhang zwischen Körpergröße und Verdienst in Deutschland. Sie zeigt, dass große Männer in den alten Bundesländern durchschnittlich mehr verdienen als kleine. Mit den Daten des vom DIW Berlin erhobenen Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) stehen für das Jahr 2002 erstmals auch Angaben zu Körpergröße und -gewicht zur Verfügung. Mit diesen Daten war es möglich zu analysieren, ob sich zwischen unterschiedlich großen erwerbstätigen Personen Verdienstunterschiede ergeben.



Die Einkommen von Frauen scheinen in Deutschland dagegen nicht von der Körpergröße abhängig zu sein. Daten aus dem US-amerikanischen Raum belegen aber, dass stark übergewichtige Frauen mit erheblichen Benachteiligungen auf dem Arbeitsmarkt konfrontiert sind.

... mehr zu:
»Körpergröße »SOEP »Übergewicht


Große Menschen haben mehr Erfolg auf dem Arbeitsmarkt. So gelangen groß gewachsene Männer mit höherer Wahrscheinlichkeit in Führungspositionen als kleinere. Diese Erkenntnisse beruhen überwiegend auf Daten der sozial-psychologischen und sozio-ökonomischen Forschung des US-amerikanischen Raums. Eine neue Studie zeigt nun, dass es sich auch hierzulande zumindest für Männer auszahlt, von stattlicher Statur zu sein. Mit den Daten des vom DIW Berlin erhobenen Sozio-oekonomischen Panel (SOEP), einer repräsentativen Längsschnittstudie privater Haushalte in der Bundesrepublik Deutschland, stehen für das Jahr 2002 erstmals auch Angaben zu Körpergröße und -gewicht zur Verfügung. Mit diesen Daten war es Guido Heineck, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität München, möglich zu analysieren, ob sich zwischen unterschiedlich großen erwerbstätigen Personen Verdienstunterschiede ergeben.

Große Männer verdienen in den alten Bundesländern demnach durchschnittlich mehr als kleine. Ein zusätzlicher Zentimeter Körpergröße geht mit knapp 0,6 Prozent mehr Brutto-Monatsgehalt einher. "Auf den ersten Blick mag dies wie ein zu vernachlässigender Aspekt erscheinen. Betrachtet man jedoch z.B. zwei ansonsten gleich qualifizierte Männer, die sich lediglich in ihrer Körpergröße um 10 Zentimeter unterscheiden, so schlägt der ’Höhenvorteil’ des Größeren übers Jahr gerechnet bei den hier zugrunde liegenden Eckwerten mit etwa 2.000 Euro zu Buche", sagt Guido Heineck. Er betont, dass die Studie nur wenig über Kausalitäten aussagen kann: "Zwar gibt es in der psychologischen Forschung Hinweise darauf, dass Körpergröße von Dritten unbewusst mit Stärke, Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen gleichgesetzt wird." Dies könne sich zum Beispiel bei Vorstellungsgesprächen oder Beförderungen zum Nachteil von kleineren Menschen auswirken. "Derartige Verhaltensmuster Dritter können sich schließlich bei großen Menschen sogar tatsächlich zu den am Arbeitsmarkt honorierten Persönlichkeitsmerkmalen entwickeln. Die hier vorgelegten Ergebnisse würden somit eher auf Produktivitätsunterschiede denn auf Diskriminierung kleiner Mitmenschen hindeuten. Die Wirkungszusammenhänge müssen daher Gegenstand weiterer Forschung sein", sagt Guido Heineck.

Die Einkommen von Frauen scheinen in Deutschland dagegen nicht von der Körpergröße abhängig zu sein. Daten aus dem US-amerikanischen Raum belegen aber, dass stark übergewichtige Frauen mit erheblichen Benachteiligungen auf dem Arbeitsmarkt konfrontiert sind. Die sozial-psychologische Erklärung hierfür ist die unbewusste Assoziation von Übergewicht mit negativen Charakterzügen. Übergewichtige Menschen werden für weniger intelligent gehalten, ihnen wird fehlende Selbstdisziplin und Motivation unterstellt.
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und die Cornell Universitiy in den USA untersuchen derzeit, ebenfalls auf Grundlage der SOEP-Daten, ob die in der ausländischen Literatur bereits belegte Beziehung zwischen Übergewicht und Gehalt bei Frauen auch für Deutschland gilt. Das Ergebnis, ein internationaler Vergleich der Beziehung zwischen Übergewicht und Einkommen, wird im Rahmen einer internationalen Nutzer-Konferenz des SOEP vom 24.-26. Juni 2004 in Berlin präsentiert werden. Ein Abstract kann vorab im Internet abgerufen werden:
www.diw.de/deutsch/dasinstitut/abteilungen/ldm/archiv/ar2004/soep2004/doksoep2004/soep2004_cawleyetal.pdf

Die Studie "Up in the skies? The relationship between body height and earnings in Germany" von Guido Heineck liegt als PDF im Internet bereit: www.econhist.de/heineck/gh-Dateien/height-earn.pdf

Das SOEP ist - wie bespielsweise auch die Berliner Elektronenspeicherring-Gesellschaft für Synchrotronstrahlung (BESSY) - eine Serviceeinrichtung der Leibniz Gemeinschaft (WGL), die als Abteilung im DIW Berlin arbeitet und von Prof. Dr. Gert G. Wagner geleitet wird. Beim SOEP handelt es sich um eine seit 1984 laufende jährliche Wiederholungsbefragung von Deutschen, Ausländern und Zuwanderern in den alten und neuen Bundesländern. Die Stichprobe umfasste im Erhebungsjahr 2002 mehr als 12.000 Haushalte mit fast 24.000 Personen.

Themenschwerpunkte sind unter anderem Haushaltszusammensetzung, Erwerbs- und Familienbiographie, Erwerbsbeteiligung und berufliche Mobilität, Einkommensverläufe, Gesundheit und Lebenszufriedenheit. Der anonymisierte SOEP-Mikrodatensatz wird universitären Forschungseinrichtungen im In- und Ausland für Forschung und Lehre in SPSS-, SAS-, Stata- und ASCII- Format weitergegeben.
Das SOEP im Internet: www.diw.de/deutsch/sop/

Das SOEP wird ab sofort regelmäßig über die weltweit erarbeiteten Ergebnisse auf Basis der Erhebung berichten.

Kontakt:
Sabrina Ortmann
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung - DIW Berlin
SOEP
Königin-Luise-Strasse 5, 14195 Berlin
phone +49/ 30-897 89-150 fax +49/ 30-897 89-119
sortmann@diw.de

Dörte Höppner | idw
Weitere Informationen:
http://www.diw.de/deutsch/sop/

Weitere Berichte zu: Körpergröße SOEP Übergewicht

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie