Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Familien in der Pubertät

02.02.2001


Therapeutische Behandlung von Jugendlichen-Eltern-Konflikten

Mit einer Kombination aus verhaltens- und familientherapeutischen Maßnahmen kann Familien, die aufgrund massiver Konflikte zwischen den Eltern und ihren pubertierenden Jugendlichen therapeutische Unterstützung suchen, wirksam und effektiv geholfen werden. Das belegt eine Untersuchung, die Dr. Heike Kühn an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Universität zu Köln angefertigt hat. Im Rahmen einer aufwendigen Einzelfallstudie hat die Psychologin bei zehn Familien, deren heranwachsende Kinder deutliche körperliche Symptome oder Verhaltensauffälligkeiten aufwiesen, in Kurzzeittherapien mit durchschnittlich sechs Sitzungen deutliche Verbesserungen der familiären Situation erreichen können.

Auf dem Weg vom Kind zum Erwachsenen befinden sich Jugendliche in einem kritischen Übergangsstadium, das vor allem durch körperliche Veränderungen und durch ein erhöhtes Streben nach Selbständigkeit und Unabhängigkeit von den Eltern gekennzeichnet ist. Die Eltern stehen damit in einem Spannungsfeld, in dem sie dem Jugendlichen zugleich mehr Freiheit zubilligen und ihm klare Grenzen setzen müssen. In diesem Umwandlungsprozesskommt es vermehrt zu Konflikten, da die Eltern der Anforderung, auf die veränderte Situation angemessen zu reagieren, nicht immer gewachsen sind. Wenn solche Konflikte nicht mehr innerhalb der Familie zu lösen sind, wird im Idealfall professionelle Hilfe von außen gesucht.

Die Verbindung von Verhaltens- und Familientherapie ist dabei von Vorteil, weil die familiären Probleme auf unterschiedlichen Ebenen angesiedelt sind und wahlweise mit Elementen aus dem einen oder aus dem anderen Ansatz angegangen werden können. Die Konflikte entstehen häufig aufgrund der mangelnden Fähigkeit der Familienmitglieder, angemessen miteinander zu kommunizieren und gemeinsam Probleme zu lösen, aber auch aus einer unrealistischen Bewertung von Situationen oder Handlungen. Hier können verhaltenstherapeutische Maßnahmen mit Kommunikationstrainings, Entwicklung von Problemlösestrategien oder der Veränderung von Gedanken einsetzen. So kann sich ein Jugendlicher beispielsweise bereits besser fühlen, wenn er die Trennung seiner Eltern nicht mehr als schrecklich bewertet, sondern vielleicht als befreiend. Mit Eltern, deren Kommunikation nur noch indirekt über die Kinder läuft, kann geübt werden, einander wieder zuzuhören und eigene Empfindungen zu äußern, ohne dem Partner gleich Schuld zuzuweisen. Auch dies entlastet die betroffenen Jugendlichen sehr.

Allerdings ist mit einer linearen, ausschließlich symptomorientierten Behandlung der Komplexität des familiären Konfliktes häufig nicht beizukommen, denn die Probleme liegen vielfach auch auf der Ebene der Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern. Hier setzt die Familientherapie ein. Familie wird in diesem Ansatz als System betrachtet, das immer bestrebt ist, ein Gleichgewicht aufrechtzuerhalten. Die Störungsbilder von Jugendlichen werden als sinnvolle Lösungsversuche eines scheinbar nicht lösbaren Problems gesehen. Der Fokus wird also vom Jugendlichen und seinen Störungen auf den Konflikt zwischen Eltern und Jugendlichen verschoben. Eltern tragen beispielsweise ihren ehelichen Konflikt über ihre Kinder aus, versuchen sie gegen den jeweils anderen Elternteil auszuspielen oder benutzen die Verhaltensauffälligkeiten des Jugendlichen, um von ihren eigenen Problemen abzulenken. Solche Muster sollen familientherapeutisch bewusst gemacht, in Frage gestellt und verändert werden. Dass positive Veränderungen durch die Therapie besonders in der Beziehung zwischen der Mutter und dem Jugendlichen, nicht aber zwischen dem Vater und dem Jugendlichen zu finden sind, verwundert wenig angesichts der gesellschaftlichen Tatsache, dass Mütter wesentlich mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen als Väter.

Zu Beginn der kombinierten Therapie werden Hypothesen über die Art und Ursache der Störung oder des Konflikts aufgestellt. Auf dieser Basis werden dann je nachdem verhaltens- oder familientherapeutische Bausteine ausgewählt. Nach jeder Therapiesitzung werden die Hypothesen überprüft, und das Vorgehen wird gegebenenfalls entsprechend angepasst. Dem Therapeuten wird hierzu ein Leitfaden mit Beschreibungen der Therapiebausteine, Fragebogen für die einzelnen Familienmitglieder und Hilfen zur therapeutischen Vorgehensweise an die Hand gegeben, an dem er sich orientieren kann.

Als besonders nützlich erweist sich in dieser Behandlungsmethode die große therapeutische Flexibilität sowie die aus der Verhaltenstherapie stammende und durch den Leitfaden unterstützte Offenlegung der therapeutischen Ziele und Vorgehensweisen. Durch das Wissen um die Inhalte der Behandlung wird die Therapie für die Klienten kontrollierbarer, und sie erleben sich als verantwortlichen Part des Prozesses; dies ist ein Faktor, der die Wirksamkeit therapeutischer Maßnahmen erhöht. Außerdem erlaubt eine größere Transparenz der Therapie auch besser die Sicherung ihrer Qualität. Damit entspricht das Konzept der kombinierten verhaltens- und familientherapeutischen Behandlung von Konflikten zwischen Jugendlichen und ihren Eltern auch der oftmals geforderten ’Kundenorientierung’ im psychotherapeutischen Bereich.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias
Für Rückfragen steht Ihnen Professor Dr. Manfred Döpfner unter der Telefonnummer 0221/478-6271, der Fax-Nummer 0221/478-3962


und der Email-Adresse manfred.doepfner@medizin.uni-koeln.dezur Verfügung.
Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web
( http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.html).

Für die Übersendung eines Belegexemplars wären wir Ihnen dankbar.

Gabriele Rutzen | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um
26.05.2017 | Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

nachricht Deutschland altert unterschiedlich
22.05.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie