Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungsprojekt zu psychosozialen Interventionen für Geschwister lebensbegrenzt erkrankter Kinder in Kinderhospizen

16.04.2008
Den lebensbegrenzt erkrankten Kindern und ihren Eltern, die sich in Kinderhospizen auf Sterben, Tod und Abschied vorbereiten, wird in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit zuteil.

"Aber wenn ein Kind stirbt, bleibt oft ein Geschwisterkind zurück. Und das muss mit immensen Belastungen leben, die noch im Erwachsenenalter zu gravierenden Problemen führen können". Ihnen möchte Prof. Dr. Christian Loffing von der Hochschule Niederrhein mit psychosozialen Interventionen helfen. Mit Unterstützung des Kinderhospiz' "Regenbogenland" in Düsseldorf-Gerresheim und gefördert von der Bundesstiftung Kinderhospiz und dem Unternehmen DAN Produkte startete der Psychologe jetzt ein Forschungsprojekt.

Es soll einen Überblick über die Betreuung der Geschwisterkinder in den acht deutschen Kinderhospizen geben und außerdem Erfolgsfaktoren für psychosoziale Interventionen in der Praxis identifizieren. "Was ist notwendig, was ist wirksam, und warum ist es das?", nennt Loffing die Leitfragen. Anhand der Ergebnisse könnte dann auch bei den Kostenträgern das Pendel mehr in Richtung Prävention statt Therapie und Rehabilitation ausschlagen, hoffen alle Beteiligten.

Bis zu 60 Geschwisterkinder von etwa 120 Familien jährlich werden im "Regenbogenland" begleitet. Nicht nur bei einem Geschwistertag jeden 1. Samstag im Monat und an den Familiennachmittagen jeden letzten Dienstag wird ihnen besondere Aufmerksamkeit zuteil. Denn die Kinder erleben deren Defizit daheim in den Familien, müssen auf den Verlust des Bruders oder der Schwester kindgerecht vorbereitet werden. Für die Entwicklung eines Unterstützungssystems und die Stärkung des Selbstwertgefühls ist das Erleben von Spaß und Freude unerlässlich, weiß Melanie Stacha, die sich im "Regenbogenland" der Geschwister annimmt.

Singen, malen oder schwimmen gehen sind aber oft nur der formelle Rahmen, der es den Kindern erleichtert, sich mit ihren Fragen und Problemen zu öffnen. Die Geschwisterkinder untereinander praktizieren das, was bei den Erwachsenen als "kollegiale Unterstützung" bezeichnet wird. "Wenn man vorn im Bus sitzt, und mithört, über was hinten gesprochen wird, läuft es einem eiskalt den Rücken herunter", sagt Karlheinz Best, der Geschäftsführer des "Regenbogenlands". Kindgerechte Antworten auf die Fragen der Geschwisterkinder zu finden, dürfte mit zu den Erfolgsfaktoren der psychosozialen Interventionen zählen.

Das bundesweite Forschungsprojekt, an dem auch Studierende des Masterstudiengangs "Psychosoziale Beratung und Mediation" der Hochschule Niederrhein mitwirken werden, wird im Oktober nächsten Jahres abgeschlossen sein. Die Ergebnisse werden im VS Verlag für Sozialwissenschaften in Wiesbaden publiziert. Sie sollen sowohl den professionellen Helfern der Praxis wie, daraus abgeleitet, Eltern konkrete Handlungshilfen bieten.

Wie Sabine Kraft, die Geschäftsführerin des Bundesverbandes Kinderhospiz, betont, erhofft man sich von dem Projekt auch neue Argumente gegenüber den Kostenträgern der zu großen Teilen auch aus Spenden finanzierten Einrichtungen. In Deutschland leben weit mehr als 20.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit lebensbegrenzenden Erkrankungen. Jährlich sterben etwa 5.000 junge Menschen.

Rudolf Haupt | idw
Weitere Informationen:
http://www.hs-niederrhein.de/

Weitere Berichte zu: Geschwister Intervention Kinderhospiz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie