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Erlanger Wissenschaftler untersucht Strukturwandel in Kunreuth

12.03.2008
Auf den ersten Blick scheint Kunreuth in Oberfranken ein Ort wie jeder andere zu sein: Er hat 600 Einwohner, eine Dorfwirtschaft und einen Zahnarzt. Und, wie so viele Dörfer in Deutschland, hat auch Kunreuth mit dem Strukturwandel zu kämpfen: Einheimische ziehen weg, um Geld zu verdienen, andere kommen, um günstig zu wohnen.

Das Besondere an Kunreuth hat Dr. Hermann Ulm vom Lehrstuhl für Didaktik der Geographie der Universität Erlangen-Nürnberg in seiner Doktorarbeit untersucht: Der Ort hat noch ein richtiges Herz, eine Dorfgemeinschaft, die trotz der sich wandelnden Zeiten fest zusammenhält.

"Die Bewohner Kunreuths fühlen sich wohl im Ort", sagt Dr. Ulm. Das ist das Ergebnis der Interviews, die er von 2004 bis 2005 mit Kunreuths Bevölkerung geführt hat. Betreut von Kulturgeograph Prof. Dr. Werner Bätzing vom Institut für Geographie hat er die Situation des stadtnahen fränkischen Dorfes und seine Wahrnehmung bei Wohnbevölkerung und Gewerbetreibenden erforscht. Dazu nahm Dr. Ulm sowohl die historische Entwicklung des Dorfes als auch die gegenwärtige Lebenswirklichkeit der Bewohner unter die Lupe.

Der Wissenschaftler entwarf ein Konzept zur zukünftigen Entwicklung nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit. "In Kunreuth sind zwei entgegen gesetzte Entwicklungstendenzen sichtbar", erklärt Dr. Ulm. Kunreuth werde einerseits vom zentrendominierten Stadtumland überprägt. Zugleich fänden in dem Dorf, wie in vielen ländlichen Gebieten, auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwertungsprozesse statt. Während die Bevölkerung bis Anfang der 90er Jahre zunahm, verloren die Landwirtschaft und das traditionelle dörfliche Gewerbe an Bedeutung. Damit büßte Kunreuth zum Teil seine Funktion als Arbeitsort ein. Erst Anfang dieses Jahrzehnts stabilisierten sich Einwohner- und Arbeitsplatzzahl.

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Wachstumsimpulse nutzen und Dorfgemeinschaft stärken

Das einzelne Dorf und seine Bevölkerung stehen bei der Untersuchung von Dr. Ulm im Mittelpunkt. Im Gegensatz zu zahlreichen aktuellen Studien geht der Wissenschaftler in seiner Dissertation nicht typisierend vor. Vielmehr geht er auf die lokalen Prozesse ein und analysiert die Strukturen, Probleme und Potenziale Kunreuths. Zur Lebensqualität der Kunreuther tragen vor allem die lebendige Dorfgemeinschaft, die gut ausgebaute Versorgungsinfrastruktur, die attraktive ländliche Umgebung sowie das vielfältige kulturelle Leben des Ortes bei. "Die Dorfbewohner schätzen sehr, dass sie schnell in die nahegelegenen Städte kommen", sagt Dr. Ulm. Kunreuth stehe jetzt vor der Aufgabe, die Wachstumsimpulse der umliegenden Zentren zu nutzen, resümiert der Erlanger Wissenschaftler. So könne das Dorf verhindern, wirtschaftlich und sozial an Qualität zu verlieren. Andererseits müsse sowohl die Bevölkerung als auch die Politik dafür Sorge tragen, dass das Dorf weiterhin einzigartig bleibt und sich nachhaltig entwickeln kann. "Die Situation des Zwischendrin, in der Kunreuth sich räumlich und strukturell befindet, eröffnet hierzu gute Chancen", sagt Hermann Ulm.

Die Universität Erlangen-Nürnberg, gegründet 1743, ist mit 26.200 Studierenden, 550 Professoren und 2000 wissenschaftlichen Mitarbeitern die größte Universität in Nordbayern. Ihre Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen an den Schnittstellen von Naturwissenschaften, Technik und Medizin in enger Verknüpfung mit Jura, Theologie, Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften.

Weitere Informationen für die Medien:

Dr. Hermann Ulm
Lehrstuhl für Didaktik der Geographie
Telefon: 0911/5302-587
hermann.ulm@gmx.de

Ute Missel | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erlangen.de/

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