Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Alte wohnen besser: 50plus als Zielgruppe der Wohnungswirtschaft und Stadtentwicklung

13.11.2012
Alt ist nicht gleich alt – die wachsende Gruppe der älteren Bevölkerung nimmt zu. Bereits heute sind es rund 17 Millionen über 65-Jährige.

Ihre unterschiedlichen Anforderungen an Wohnen und Stadtentwicklung untersuchte das ISP - Institut für Stadtforschung, Planung und Kommunikation der Fachhochschule Erfurt im Forschungsprojekt „WASta - Wohnen im Alter im Kon-text der Stadtentwicklung“.

Die Ergebnisse zu den Handlungsbereichen Gebäude, Wohnung, Wohnumfeld, Information und Kommunikation sowie Quartiersentwicklung liegen nun vor. Ein praktischer Leitfaden zur altersgerechten Quartiersentwicklung dient als Qualitätscheck für Wohnungswirtschaft, Stadtentwicklung und Bewohner.

Publikation in ISP-Online-Schriftenreihe erschienen
Der demographische Wandel und gesellschaftliche Veränderungen führen zu neuen Anforderungen an die Stadt- und Wohnungsmarktentwicklung. Dies trifft vor allem auch auf die Zielgruppe der Älteren zu, die als Bewohner und Nachfrager auf dem Wohnungsmarkt zunehmend eine höhere Bedeutung erlangen. Denn durch den prognostizierten, deutlich steigenden Anteil älterer Menschen stellen sich viele Fragen, welche Anpassungsleistungen im Bereich Wohnen und Stadtplanung nötig sind, damit Wohnquartiere langfristig eine hohe Lebensqualität haben können.

„Seit 1990 hat sich der Anteil der über 65-Jährigen um 42% erhöht, wohingegen die Bevölkerung in Deutschland nur um 3% wuchs. Bereits heute ist in Deutschland jeder fünfte Einwohner 65 Jahre oder älter“, heißt es in der neuen Publikation. Es geht um etwa 17 Millionen Menschen. Insbesondere der Anteil der über 85-Jährigen wird kontinuierlich steigen. In 2060 wird dieser Anteil bei 9% liegen, dies sind dann rund 6 Millionen über 85-Jährige.

Doch alt ist nicht gleich alt – zu schnell wird die ältere Generation „über einen Kamm geschoren“. Die Älteren sind keine homogene Gruppe, haben dementsprechend auch unterschiedliche Wohnwünsche. Wohnungsunternehmen müssen sich auf diese verschiedenen Bedürfnisse älterer Menschen einstellen, um sie als Mieter halten oder als zukünftige Bewohner gewinnen zu können. Bisherige Systematisierungsansätze und Erhebungen greifen diese Unterschiede kaum auf.

In dem Forschungsprojekt „WASta – Wohnen im Alter im Kontext der Stadt-entwicklung“ wurde ein innovativer, für die Wohnungswirtschaft anwendbarer Systematisierungsansatz entwickelt.
Die Publikation zeigt den Stand der Wissenschaft über die heterogene Gruppe der Älteren und bereits vorhandene Systematisierungsansätze. Basierend auf der Datengrundlage einer standardisierten Befragung in den Modellstädten Leipzig und Gera werden die drei Merkmale Gesundheitszustand, finanzielle Lage und Erwerbsstatus zur Differenzierung der heterogenen Gruppe der Älteren herausgearbeitet und entsprechende Wohnanforderungen für diese Gruppen zusammengefasst. Die Anforderungen beziehen sich auf die Wohnung, das Wohnumfeld, wohnbegleitende Dienstleistungen und Kommunikation.

Darüber hinaus enthält die Publikation einen „Handlungsleitfaden für alters-gerechte Quartiersentwicklung mit Checklisten“ zu den Handlungsfeldern Gebäude, Wohnung, Wohnumfeld, Kommunikation und strukturelle Quartiersentwicklung. Die Checklisten können zur Bewertung der Altersgerechtigkeit eines Wohnquartiers herangezogen werden. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse ist es möglich, Handlungserfordernisse zu identifizieren und gemeinsam mit unterschiedlichen Akteuren aus Wohnungswirtschaft, Stadtentwicklung und Quartiersbewohnern Prioritäten festzulegen und umzusetzen. Schwachstellen im Quartier, die eine selbstständige Lebensführung erschweren, lassen sich so erkennen. Dies bildet den Ausgangspunkt für die weitere Quartiersentwicklung und eine fortlaufende Qualitätssteigerung hinsichtlich der Altersgerechtigkeit. Zwar gibt es bereits eine Vielzahl von Checklisten zur Bewertung der Altersfreundlichkeit von Wohnungen. Die meisten Checklisten beschränken sich jedoch auf einen kleinen Ausschnitt des Wohnens. Die Neuerung der im WASta-Projekt entwickelten Checkliste ist, dass sie das Wohnen umfassend betrachtet.

Der Handlungsleitfaden „Altersgerechte Quartiersentwicklung für Wohnungswirtschaft und Stadtentwicklung“ steht als Lang- und als Kurzfassung als kostenloses Download zur Verfügung: http://www.fh-erfurt.de/fhe/isp/forschung/projekte/wasta/
Die Online-Publikation „50plus als Zielgruppe der Wohnungswirtschaft und Stadtentwicklung. Systematisierungsansätze, Anforderungen und Handlungsstrategien“ der Autorinnen Julia Gädker, Heidi Sinning und Katharina Thalheim ist 2012 in der ISP-Schriftenreihe in Erfurt erschienen (Bd. 4, ISSN: 1868-2324). Sie ist kostenlos als Download unter folgendem Link abrufbar: http://www.fh-erfurt.de/fhe/isp/

Das Forschungsprojekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Roland Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-erfurt.de/fhe/isp/
http://www.fh-erfurt.de/fhe/isp/forschung/projekte/wasta/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Mathematische Algorithmen berechnen soziales Verhalten
14.11.2016 | Technische Universität München

nachricht Schrumpfende Gesellschaften: Welcher Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels?
18.10.2016 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik