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Riesenfaultier war Vegetarier - Ernährung des fossilen Megatheriums entschlüsselt

18.04.2017

Senckenberg-Wissenschaftler haben gemeinsam mit einem internationalen Team die Ernährung des ausgestorbenen Riesenfaultiers Megatherium untersucht. Anhand von Untersuchungen des fossilen Knochenkollagens kommen die Forscher in ihrer kürzlich im Fachjournal „ScienceDirect“ veröffentlichten Studie zu dem Schluss, dass sich Megatherium ausschließlich vegetarisch ernährte. Über die Ernährungsgewohnheiten der bis zu elefantengroßen, bodenlebenden Tiere wurde bisher viel spekuliert.

Faultiere gehören wohl zu den seltsamsten Lebewesen dieser Erde: mit dem Rücken zum Boden hängend bewegen sie sich im Zeitlupentempo mit ihren sichelförmigen Klauen von Ast zu Ast. „Auch vor 10.000 Jahren gab es schon Faultiere, wie beispielsweise die Art Megatherium“, erklärt Prof. Dr. Hervé Bocherens vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen.


Lebte vor 10.000 Jahren und ernährte sich rein vegetarisch: das Riesenfaultier Megatherium.

© Zeichnung von Joseph Smit, aus „Extinct Monsters; a Popular Account of Some of the Larger Forms of Ancient Animal Life'


Die Faultiere waren zu schwer um auf den Bäumen zu leben.

© Zeichnung von Robert Bruce Horsfall aus „A history of land mammals in the western hemisphere“

Die ausgestorbenen Verwandten der Faultiere konnten die Größe eines Elefanten erreichen und waren viel zu schwer, um sich längere Zeit in den Bäumen aufhalten zu können. Stattdessen lebten sie am Boden und gruben dort große Bauten.

Ihre Ernährung gab lange Zeit Rätsel auf und besonders die langen Krallen an den Händen und Füßen der Tiere führten zu verschiedenen Spekulationen: Nutzten die Faultiere ihre Klauen zum Aufgraben von unterirdischen Insektenkolonien? Waren ihre langen Krallen Jagdwerkzeuge und die riesigen Tiere fraßen Fleisch? Oder ernährten sich die fossilen Vertreter, wie heutige Faultiere, rein vegetarisch? „Dieser Fragestellung sind wir in unserer neuen Studie nachgegangen“, ergänzt Bocherens.

Üblicherweise lassen sich Ernährungsgewohnheiten fossiler Tiere anhand derer Zahnform und -abnutzung ableiten – die Zähne der Riesenfaultiere sind aber nicht mit denen heutiger Tiere vergleichbar. „Wir mussten uns daher einer anderen Methode bedienen und haben die Kohlenstoffisotopenzusammensetzung – den Anteil von Protein- und Mineralgehalt – in den fossilen Faultierknochen gemessen“, erläutert Bocherens und fährt fort: „Unsere Messungen zeigen, dass sich Megatherium ausschließlich pflanzlich ernährte.

Bei Fleischfressern ist der Anteil von Proteinen sehr viel höher, als bei Pflanzenfressern, die überwiegend kohlenhydratreiche Nahrung zu sich nehmen. Diese Unterschiede lassen sich in den Isotopen nachweisen. Um ihre Resultate zu untermauern verglichen die Wissenschaftler ihre Daten mit über 200 Knochen rezenter Säugetiere, deren Ernährung bekannt ist sowie mit fossilen Funden von Fleisch- und Pflanzenfressern. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich die Ernährung von Tieren mit dieser Methode auch mehrere tausend Jahre nach ihrem Tod rekonstruieren lässt“, ergänzt der Tübinger Biogeologe.

Kenntnisse über die Ernährungsweisen der Faultiere sind wichtig, um deren Rolle in den vergangenen Ökosystemen zu verstehen. „Zudem können uns die Ergebnisse helfen, die Interaktionen zwischen Megatherium und den ersten Einwohnern Amerikas nachzuvollziehen – deren Lebensräume überlappten für einige Jahrtausende bevor die Riesenfaultiere ausstarben“, gibt Bocherens einen Ausblick.

Kontakt
Prof. Dr. Hervé Bocherens
Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP)
Eberhard Karls Universität Tübingen
Tel. 07071- 29-76988
herve.bocherens@uni-tuebingen.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de

Publikation
Bocherens, H., Cotte, M., Bonini, R., Straccia, P., Scian, D., Soibelzon, L., Prevosti, F.,J., 2017. Isotopic insight on paleodiet of extinct Pleistocene megafaunal xenarthrans from Argentina. Gondwana Research 48: 7-14. http://doi.org/10.1016/j.gr.2017.04.
003

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