Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Leipziger Meteorologen koordinieren internationale Polarexpedition in kanadische Arktis

16.04.2012
Während hierzulande der Frühling langsam in die Gänge kommt, starten Wissenschaftler des Leipziger Instituts für Meteorologie (LIM) der Universität Leipzig in den kommenden Tagen zu einer vierwöchigen Forschungsreise in die kanadische Arktis. Dort herrschen noch winterliche Temperaturen vor, sodass die Mitarbeiter der Gruppe um Prof. Dr. Manfred Wendisch neue Erkenntnisse zur Bedeutung von kalten Wolken im arktischen Klimasystem sammeln können.

Dazu reisen sie nach Inuvik, in den äußersten Nordwesten von Kanada. Kurz vor der Küste des Arktischen Ozeans im Mackenzie-Delta gelegen, werden der dortige Flughafen und das heimische Aurora-Forschungsinstitut als Basis für ihre Forschungen dienen. Innerhalb der nächsten vier Wochen sollen insgesamt 60 Stunden an Messflügen mit einem Forschungsflugzeug über dem Eismeer unternommen werden.


Das Forschungsflugzeug POLAR 5 des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung bei vergangenen Messflügen in Spitzbergen. Foto: Dr. Eike Bierwirth (LIM)

Die Flüge sind Teil der internationalen Messkampagne VERDI (Vertical Distribution of Ice in Arctic Clouds), die von der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG), dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) sowie weiteren beteiligten Großforschungseinrichtungen und der Max-Planck Gesellschaft gefördert werden. Die wissenschaftliche Koordination liegt in der Verantwortung des LIM. Das AWI stellt sein Forschungsflugzeug Polar 5 und zahlreiche Messinstrumente zur Verfügung.

Neben den Wissenschaftlern von LIM und AWI sind weiterhin Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), des Forschungszentrums Jülich, der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz sowie des Mainzer Max-Planck-Instituts für Chemie und des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums (DLR) in Oberpfaffenhofen an Bord.

Ziel der gemeinsamen Forschungsflüge ist die noch zugefrorene Beaufortsee nördlich von Kanada, über der häufig Wolken auftreten, die sowohl Eiskristalle als auch flüssige Wassertropfen enthalten. In Wechselwirkung mit der hellen Meereisoberfläche stellen diese Wolken immer noch eine wesentliche Schwachstelle in den bisherigen Klimamodellierungen und Satellitenbeobachtungen dar, wie Prof. Wendisch feststellte. "Von oben gesehen sind natürlich sowohl Meereis als auch Wolken weiß und reflektieren damit nahezu gleichstark die einfallende Sonnenstrahlung. ‚Wo liegt da das Problem?', könnte man fragen. Für die klimatische Wirkung der Wolken ist es aber eben nicht egal, denn Eisoberfläche und Wolken beeinflussen vor allem die Ausstrahlung von terrestrischer Strahlung unterschiedlich und führen zu Unterschieden in der lokalen Niederschlagsverteilung. Und hier ist dann auch entscheidend, ob eine Wolke mehr oder weniger Eiskristalle enthält", sagte Wendisch.

Genau das wird Ziel der Flugzeugmessungen sein. Mittels modernster Messgeräte an den Flugzeugflügeln werden Wassertropfen und Eiskristalle innerhalb der Wolken detektiert, während verschiedene Fernerkundungssyteme im Boden des Flugzeugs die Aufgabe der Satellitenmessungen simulieren, wenn das Flugzeug oberhalb der Wolken fliegt. Die VERDI- Daten sollen in Klimamodelle einfließen und deren Vorhersagen für die Polarregionen zu verbessern helfen. Denn in der Arktis wirkt sich die globale Erwärmung weltweit am schnellsten und gleichzeitig am drastischsten aus. Die Eigenschaften und der Einfluss arktischen Wolken sind immer noch ein bedeutender Unsicherheitsfaktor bei den entsprechenden Vorhersagen.

Nach zweijähriger Vorbereitung werden derzeit im Heimatflughafen der Polar 5 in der Nähe von Toronto die Messgeräte in das Forschungsflugzeug eingebaut, bevor es dann einmal quer durch Kanada in die Arktis geht. Wenn alles wie geplant läuft, werden die ersten Messflüge für das kommende Wochenende erwartet. Die Leipziger Forscher fiebern diesem Termin schon entgegen. Vom LIM aus verfolgen Studenten und Forscher die Wetterlage in Inuvik und hoffen auf möglichst tiefe Temperaturen vor Ort. Denn genau dann gibt es viel Eis in den Wolken und die Chance auf gute Messungen.

Weitere Informationen:
Dr. André Ehrlich
Leipziger Instituts für Meteorologie (LIM) der Universität Leipzig
Telefon: +49 341 97-32874
E-Mail: a.ehrlich@uni-leipzig.de

Susann Huster | Universität Leipzig
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de/~meteo/en/index.php

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen
22.08.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

nachricht Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen
18.08.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen